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Feuilleton Literatur 30. Oktober 2018

Literarisches Sixpack mit Johannes Klaus

Johannes Klaus ging 2010 auf Weltreise – nach gängigen Klischees verändert so eine Reise das Leben (und das tat sie auch): Er gewann für seine Reiseberichte den Grimme Online Award. 2013 wurde aus seinem persönlichem Blog die Autorenplattform Reisedepeschen, 2015 gründete er Deutschlands erste Scrollytelling-Website The Travel Episodes und gab bei Malik National Geographic drei gleichnamige Bände heraus.

2018 wurde es Zeit für ein neues Abenteuer, es kam der Buchverlag hinzu. „Mehr Bücher mit Leidenschaft. Zum schöneren Entdecken, intensiverem Reisen, darin Versinken. Mit tollen Autoren, Bloggern und Designern entwerfen wir Reisehandbücher, inspirierende Bildbände, gedankenvolle Lesebücher. Aber sie sollen auch gestalterisch und haptisch Freude machen, denn die Schönheit eines Buchs ist Teil seiner Botschaft. Texte und Bilder, Papier und Bindung, nichts darf alleine gedacht werden sondern soll ein kleines Gesamtkunstwerk sein.“ so Johannes.

Uns hat er für eine neue Folge „Literarisches Sixpack“ seine sechs Lieblingsbücher verraten. Here we go!

1.) Hermann Hesse: Siddhartha

„Es ist gut,“ dachte er, „alles selber zu kosten, was man zu wissen nötig hat. Dass Weltlust und Reichtum nicht vom Guten sind, habe ich schon als Kind gelernt. Gewusst habe ich es lange, erlebt habe ich es erst jetzt. Und nun weiß ich es, weiß es nicht nur mit dem Gedächtnis, sondern mit meinen Augen, mit meinem Herzen, mit meinem Magen. Wohl mir, dass ich es weiß!“
Hermann Hesses Siddhartha ist auf einer besonderen Mission: Nichts weniger als Erleuchtung ist sein Ziel. Er ist der Suchende, und auf seinem Weg lebt er die unterschiedlichsten Ideen: Er wird Asket, Kaufmann und Lebemann, Fährmann und Vater. Er trifft sogar den Buddha, und erkennt seine Weisheit – doch er fühlt, dass er seinen eigenen Weg finden muss. Aus allen Rollen nimmt er etwas für sich mit, doch muss er immer weiterziehen, sich weiter ausprobieren.
Siddhartha ist auf einer Reise, das Ziel ist kein Ort, sondern die Befreiung zu einem selbstbestimmten Leben. Obwohl Hermann Hesses Roman beinahe 100 Jahre alt ist, trifft er nach wie vor ins Herz jedes Reisenden, der auch ein wenig auf der Suche nach seinem Platz in der Welt ist. Als ich ihn, Anfang 20, auf einer Indienreise las, traf mich beinahe jeder Satz ins Herz, und half mir zu mancher wichtigen Erkenntnis. Den eigenen Weg zu finden, sich nicht hinter Wissen zu verstecken sondern zu Erleben.
„Suchen heißt: ein Ziel haben. Finden aber heißt: frei sein, offen stehen, kein Ziel haben.“

2.) Karl May: Das Gesamtwerk

Ob mit Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar durch die Wüsten des Orients, mit Old Shatterhand durch den Wilden Westen – Kar May hat es einfach drauf. Während einige meiner Freunde die langwierigen Landschaftsbeschreibungen der ersten Seiten jeden Buches nicht überstanden, wusste ich genau: Das gehört dazu! Mag es aus heutiger Zeit nur so von Stereotypen und Unglaubwürdigkeiten strotzen, ist das Werk Karl Mays ein besonderer Teil meiner Kindheit – und weckte den Wunsch nach eigenen Abenteuern.

3.) T.C. Boyle: Wassermusik

Der Schotte Mungo Park geht auf Expedition ins unbekannte Afrika. Voll schwarzem Humor, jeder Satz eine Freude, ein herrlicher Spaß.

4.) Christian Kracht: Imperium

Eine weitere verrückte Geschichte, die zu den Hochzeiten der Kolonialisierung spielt: August Engelhardt ist ein deutscher Aussteiger, der 1902 auf einer kleinen Südseeinsel einen Sonnenorden gründet, mit dem Glauben, dass eine ausschließliche Ernährung mit Kokosnüssen die Menschheit erlösen wird. Ein wundervoll geschriebener Abenteuerroman.

5.) Rüdiger Nehberg: Die Wüste Danakil

Rüdiger Nehberg ist ein echter Teufelskerl, der zwar kein Schreibgenie ist, das aber durch seine teils haarsträubenden Abenteuer ausgleicht. Seit der Lektüre dieses Buchs wollte ich unbedingt die lebensfeindliche Danakil-Senke besuchen, was ich 2010 auch tat. Durchaus glücklich war ich, dass meine Reise deutlich glimpflicher ablief als Rüdigers…

6.) Homer: Odyssee

Viele Jahre, als das Internet sich noch in kleinen abgeranzten „Cafés“ versteckte (wenn es denn gerade Strom gab) und man den Bytes einzeln Ciao sagen konnte, nahm ich Reclam-Bände großer Klassiker mit auf meine Reisen. Nur hier hatte ich die Ruhe und vor allem die Unausweichlichkeit, mich mit diesen zu befassen, hatte ich einfach andere, eingängigere Lektüre daheim gelassen. Beim Lesen, wie beispielsweise der „Odyssee“, verstand ich, weshalb Klassiker etwas Besonderes sind – sie sind einfach gut. So gut, dass sie auch zweitausend Jahre später noch sehr lesenswert sind. Wer kann das schon von seinen Werken behaupten! Guter Tipp: Smartphone daheim lassen, ein Reclambüchlein einpacken, warten, bis man sich so langweilt, dass die Lektüre die beste Alternative ist. Begeistert sein.

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