Skip to content →

Personal 1. November 2018

1 Tag, 1000 Worte

Wer schreibt, kennt das Gefühl, wie es ist, wenn die Helligkeit einer leeren weißen Seite Dich blendet und Du währenddessen darüber nachdenkst, wie man nun am besten in den Text einsteigen soll? Mit Hilfe eines Zitats, dem Beschreiben der Umgebung oder doch mitten im Geschehen. Einfach rein in den Text, umso schneller, umso besser. Wir haben alle doch schon längst keine Zeit mehr für ein langes Vorspiel.

Oft kommt es auch vor, dass mir nichts einfällt. Sogenannte Schreibblockaden gehören wohl zum Alltag eines jeden Schreibers. Und sie sind genauso nervig wie eine laufende Nase. Ihr merkt schon: Ein besserer Vergleich ist mir nicht eingefallen.

Schon länger trage ich eine Idee mit mir rum, die ich bisher immer wieder aufgeschoben habe. Nämlich darüber zu schreiben, was mir täglich durch den Kopf geht, was ich erlebe, was ich lese, was ich gesehen habe und was ich für Musik gehört habe. Welches Restaurant mich umgehauen hat, welche Begegnung mich inspiriert hat und was mich traurig macht. Schließlich waren Blogs – lange ist es her – doch dafür da, Erlebtes und Gedanken festzuhalten. Sozusagen moderne Tagebücher, die jedoch von jedem öffentlich gelesen werden können: Voyeurismus Deluxe!

Gestern traf ich mich mit meinem Bekannten Robert, Journalist, Fotograf und Kopf hinter ROBERT´s, und erzählte Ihm davon, dass ich diese Idee schon länger habe, aber mir nicht sicher bin, ob sich überhaupt jemand dafür interessiere, was ich so mache? Seine Antwort hätte nicht klarer sein können: „Mach einfach.“

Nun ist es aber so, dass ich mir auch sehr bewusst bin, dass Lesen gerade in einer Zeit, in der immer mehr – wie sagt man so schön – „visueller Content“ konsumiert wird, uninteressanter wird. Instagram, mittlerweile meiner Meinung nach ziemlich unattraktiv, voll von Fakes sowie massenhaft Werbung stiehlt uns so viel Zeit, dass das Lesen eines Textes schon zur Herausforderung geworden ist. Da fällt mir ein: Heute morgen sah ich auf Instagram unzählige Beispiele, wieso mich diese virtuelle Massenveranstaltung nervt. Da werden Produkte von Nestlé und Co von genau jenen Menschen beworben, die auf der anderen Seite vorgeben ein bewusstes und total nachhaltiges Leben zu führen. Vielleicht bin ich zu idealistisch und mache mir darüber zu viele Gedanken: Aber wer sich Influencer schimpft, tausende von Follower angehäuft hat, sollte eine Meinung haben, oder?

Und dann natürlich die Frage, wieso eigentlich? Wieso über den Alltag schreiben? 

Meine Idee, wie in alten Zeiten, darüber zu schreiben, was ich erlebe, rückte immer mehr in den Hintergrund. Doch gerade das möchte ich auch mit euch teilen. Über meine Reisen der vergangenen vier Jahre habe ich viel geschrieben und werde auch über zahlreiche geplante Reisen in der Zukunft schreiben. Über Literatur, die umhaut. Musik, die fesselt. Filme, die verzaubern. Restaurants und Hotels, die einfach gut sind. Mode, die schön ist. Produkte, die ich gut finde. Advertorials, die den Laden Blog.Bohème finanzieren. Die Welt von Blog.Bohème eben.

Lebenszeit – auch, wenn wir es alle manchmal vergessen, ist mitunter das Kostbarste, was wir haben. Und jene Zeit, die ihr mir schenkt, diesen Text zu lesen, möchte ich nicht vergeuden.

Heute war einer dieser Tage in Berlin, wo ich mir keine bessere Stadt auf der Welt vorstellen kann. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, tagsüber noch angenehm mild. Mit Freunden habe ich mich bei PAHR zum Mittagessen verabredet. Während das Essen ziemlich okay war – ich hatte Reisnudeln, den Rest habe ich schon wieder vergessen, aber es hat gut geschmeckt, ist vor allem das Gebäude, das von Arno Brandlhuber entworfen wurde, ziemlich brutal minimalistisch. Da die Sonne mittlerweile wieder so früh untergeht, habe ich das Gefühl, dass ich fast den ganzen Tag bei PAHR verbracht habe. Ich habe mich mit meinen Freunden über das Leben auf dem Land unterhalten, über Berlin und wie sich das wohl anfühlen könnte, die Stadt hinter sich zu lassen? Und, dass wir uns gut fühlen, wenn wir in der Natur sind. Kein Wunder, schließlich sind wir ja ein Teil der Natur. Und, dass Georgien guten Wein hat, aber jetzt jeder dorthin reisen will, nicht nur Reiseblogger, sondern einfach alle. Und am Ende dann niemand mehr dorthin reisen will, weil ja alle schon dort waren. So kein Wunder, schließlich war Georgien dieses Jahr Partnerland der Frankfurter Buchmesse. Und ich habe davon erzählt, dass ich kürzlich für die WELT einen kurzen Text über die östlichste Stadt Deutschlands Görlitz geschrieben habe, was dazu führte, dass meine beiden dänischen Freunde erstmal nicht genau wussten, wovon ich überhaupt rede?

Nachmittags musste ich kurz zum Alexanderplatz. Ein Banner verriet mir, dass stündlich 10 000 Passanten über den Platz laufen. Immer wenn ich solche Informationen irgendwo lese, beginne ich im Kopf zu rechnen, was das genau bedeutet. In dem Fall ganz leicht: 240 000 Menschen. Das sind knapp 90 000 Menschen mehr als in Salzburg leben, jener Stadt, in der ich gelebt habe, bevor ich 2016 nach Berlin gezogen bin. Was diese Menschen wohl alle denken und machen? Und wie viele Geschichten dort tagtäglich stattfinden?

Wenn ich auf dem Weg nach Hause bin, komme ich ziemlich oft bei Zeit für Brot vorbei. Die Zimtschnecken dort sind wahrscheinlich die Besten in Deutschland. Wenn die Sonne im Winter viel zu früh untergegangen ist, hilft manchmal nur noch ein Besuch dort. Im vergangenen Winter hatte ich versucht, mich mit einer Tageslichtlampe durch den Winter zu bringen. Nun las ich vor kurzem in einer Studie, dass das wohl doch nichts bringen soll. Aber dieses Jahr war der Sommer so lange, dass der Winter gar nicht so dunkel werden kann.

Außerdem hat Angela Merkel am Montag verkündet, dass Sie als CDU-Chefin abtritt. Seitdem liest man nur noch von Friedrich Merz sowie Jens Spahn sowie Annegret Kramp-Karrenbauer. Bitte nicht. Und die Mehrheit will Michael Müller nicht mehr als Bürgermeister in Berlin, so die Kurzmeldung auf einem Monitor in der Berliner U8. Aha. Und in Indonesien ist diese Woche eine Lion-Air-Maschine abgestürzt: 189 Tote. Was für eine Tragödie. Doch Tragödien, so zumindest mein Gefühl, passieren stündlich. Was dagegen hilft: Vielleicht positiv durch die Welt gehen?

Comments are closed.