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Feuilleton Literatur 19. November 2018

Literarisches Sixpack mit Anika Landsteiner

„Freiheit oder warum ein Roadtrip ein gebrochenes Herz heilen kann“ schrieb Anika Landsteiner vergangenes Jahr auf Blog Bohème. Vor wenigen Tagen ist ihr Debütoman „Mein italienischer Vater“ erschienen. Der Inhalt: Ohne groß nachzudenken, bricht Laura auf nach Süditalien. Ihre Mutter ist gerade gestorben, ihre große Liebe zerbrochen.

Jetzt will sie zu ihrem Vater, irgendwo muss es doch auf dieser Welt einen Ankerpunkt geben. Vor Jahren hat sie ihn zum letzten Mal gesehen, und mit ihrer Ankunft bringt sie alles durcheinander: Emilio sitzt im Rollstuhl, an seiner Seite Gianna, die ihn schon immer geliebt hat. Das Auftauchen der Tochter könnte ihr Glück zerstören. Schon bald nach ihrer Ankunft in der fremden Heimat stellt Laura fest, dass sie die ganze Wahrheit über ihre deutsch-italienische Familie noch lange nicht kennt.“

Uns hat Anika ihre sechs Lieblingsbücher verraten. Zeit für eine neue Folge „Literarisches Sixpack“.

1.) Elizabeth Strout: Das Leben, natürlich

Die Pulitzer-Preis-Trägerin hat eine unglaubliche Gabe, spezielle Charaktere zu zeichnen und sie trotz ihrer Verschrobenheit sympathisch werden zu lassen. Die Familiengeschichte rund um die Burgess-Brüder, die ihrer überforderten Schwester unter die Arme greifen müssen, obwohl ihr eigenes Leben keineswegs in geregelten Bahnen verläuft, ist nie sentimental erzählt und berührte mich genau deshalb. Zusätzlich setzt Strout ihre spannenden Familienkonstellationen in einen subtil erzählten, gesellschaftskritischen Kontext. Einzig die deutschen Titel ihrer Werke finde ich allesamt unterirdisch.

2.) Takis Würger: Der Club

Während des Lesens habe ich vor allem eins getan, nämlich die Luft angehalten. Die Geschichte um Hans, der für einen dubiosen Auftrag seiner Tante an die Cambridge Universität geholt wird, um im Pitt Club ein Verbrechen aufzudecken, von dem er gar nichts weiß, hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Dass sich die Geschichte aus Sicht der einzelnen Personen zusammensetzt, fand ich grandios zu lesen.

3.) Graham Swift: Ein Festtag

In wenigen Zügen gelesen und für wunderbar befunden. Es passiert nicht viel auf diesen 144 Seiten, außer, dass man gemeinsam mit dem Dienstmädchen Jane an einem Märztag im Jahr 1924 im Haus ihres Geliebten umherstreift und man ihr alles Glück der Welt wünscht, wohlwissend, dass ihre große Liebe bald heiraten wird. Wunderschön sinnlich und poetisch!

4.) Françoise Sagan: Bonjour tristesse

Diesen Roman habe ich vor zwei Jahren während meines Urlaubs auf Sardinien verschlungen, vielleicht, weil ich durch die Natur um mich herum sofort eintauchen konnte in die Szenerie der Côte d’Azur, wo der Klassiker spielt. Ich fand es spannend, den verwöhnten Teenager Cécile kennenzulernen und dabei selbst zwischen Mitleid, Wut und Verzweiflung zu springen. Freizügigkeit, fehlende Demut gegenüber dem Leben, Neid und Missgunst – das alles wird hier erzählt unter einer heißen, französischen Sonne.

5.) Benedict Wells: Fast genial

Ich liebe dieses Buch vor allem für sein Ende. Viele Seiten lang fragte ich mich, wie Benedict Wells die Geschichte rund um den armen Francis aus einem Trailerpark enden lässt, um mich dann vor ihm zu verbeugen. Intelligente, kuriose und skurrile Geschichte inklusive einem Roadtrip durch die USA, wofür ich sowieso immer zu haben bin.

6.) Bryan Cranston: A life in parts

Eine Autobiografie darf’s sein, oder? Bryan Cranston, den meisten bekannt als Walter White aus „Breaking Bad“, ist einer der besten Geschichtenerzähler, die ich kenne. Er schildert sehr unterhaltsam Anekdoten aus seinem Leben, teilweise irre komisch, teilweise tief berührend und tragisch. Mehrmals dachte ich mir, wie viele Erlebnisse doch in ein Leben passen, wie sie einen formen und wie man das überhaupt überleben kann. Ganz großer Mensch und Schauspieler.

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