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Feuilleton Literatur 5. Mai 2020

11 Fragen an Andreas Altmann

Seit über 30 Jahren bereist Autor und Reporter Andreas Altmann die Welt. Seine Bücher wurden mehrfach ausgezeichnet. Vergangenes Jahr erschien schließlich „Leben in allen Himmelsrichtungen“, eine Sammlung seiner besten Reportagen. Wir haben die Reise-Zwangs-Pause genutzt, um ihm 11 ziemlich persönliche Fragen zu stellen.

Wofür bist Du in den vergangenen Wochen dankbar?

Dass ich lebe, dass ich das arbeite, was ich liebe, dass ich in der Nähe von Frauen und Männern bin, die ich schätze.

Deine Lieblingsplatten?

Ich habe keine Platten und solltest du nach meinen CDs fragen, sorry, die habe ich auch nicht. Ich höre meistens Sprache, sie ist die höchste Musik, haha.

Hast Du Angst vor dem Tod und gibt es ein danach?

Gewiss Angst, weil ich ja gern auf der Welt bin. Haha, ein Danach? Für die „Schafe“ – die Bibel war so freundlich, sie beim passenden Namen zu nennen – wartet der Herr Heiland an der Himmelspforte und dann dürfen sie unendliche Ewigkeiten lang neben dem Herrgott sitzen und die Leier schlagen. Zu seinem allergrößten Lobe, versteht sich. Sonst passiert nichts. Sogar Sex, so hat es Herr Wojtyla, einst des Herrgotts Stellvertreter auf Erden, verkündigt, gibt es im katholischen Paradies nicht. Herrlich, diese himmlische Blödheit.

Was bedeutet es für Dich, temporär wegen Corona nicht mehr reisen zu dürfen? Wie arbeitest Du aktuell? Wie beschäftigst Du Dich?

Ich habe schon vor langer Zeit beschlossen, erwachsen zu werden, sprich, nicht sofort bei jedem Problem zu greinen und zu winseln. Nebenbei bin ich – wenn in Hochform – Samurai, der die Dinge nimmt, wie sie sind. Man kann zurzeit nicht reisen, basta. Ich bin intelligent genug, mich auch anders zu beschäftigen, zudem fällt mir gerade ein Satz von Picasso ein: „Geht mir rot aus, nehme ich blau.“ – Womit ich mich gerade beruflich beschäftige? Mit dem einzigen, was ich einigermaßen kann: schreiben. Was ich privat tue, ist vollkommen belanglos für Außenstehende.

Wo bist Du eigentlich gerade? Und wie ist die Stimmung?

Ich hatte schon als Kind ein Faible, mich zu verheimlichen. „Cache ta vie et sois heureux“, sagen sie in Frankreich, versteck dein Leben und sei glücklich. Geradezu unheimlich sind mir Zeitgenossen-innen, die täglich via die sogenannten sozialen Medien ihre Pipi-Abenteuer der Öffentlichkeit zumuten.

Würde Gott existieren, was wäre seine Antwort auf das aktuelle Weltgeschehen?

Beruhige dich, er, der Herr hoch droben, existiert nicht. ER (klar, bei den Religioten schaffen nur Männer an) ist die tragischste Erfindung der Menschheit. Kein Wahn hat je so viel Wahnsinn über die Welt gebracht wie der Gotteswahn.

Gibt es etwas, das Du in deinem Leben vermisst?

Ich vermute, mir geht es wie allen meinen 7.5 Milliarden Nachbarn: Nicht alles haut hin im Leben. Erfreulich dann, wenn man gelernt hat, mit Frustrationen umzugehen.

Welcher Roman sollte deiner Meinung nach unbedingt verfilmt werden?

Was weiß ich, ich lese keine Romane.

Ist zu hoffen, dass sich unsere Welt zum Positiven verändern wird?

Das weiß ich auch nicht, denn mit der Zukunft kenne ich mich nicht aus.

Wohin wirst Du als Nächstes reisen, wenn es wieder möglich ist?

Wenn es soweit ist, werde ich entscheiden, wohin es gehen soll.

Dein Lieblingsrezept, dein Lieblingsgericht?

Ich habe noch nie ein Rezept gelesen, noch nie ein Lieblingsgericht gekocht und noch nie in einer Wohnung mit Küche gelebt. Mich schaudert vor diesen ordinären Haushaltsgeräuschen. Ich bin nicht wählerisch, ich esse bescheiden und eher zügig.

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