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Travel 13. März 2018

Places We Love: Ion City Hotel

Es ist 6 Grad, zumindest, wenn man der Anzeige meines Smartphones trauen kann. In der Sonne fühlt es sich sogar etwas nach Frühling an, wäre da nicht der konstante eisige Wind, der durch Reykjaviks Gassen bläst. Ich bestelle mir eine Kugel Eis „Türkisch-Pfeffer“ bei „Valdis“, in der Grandagarður im Norden Reykjavíks, direkt am Fiskihöfn, dem alten Hafen der Stadt.

Während in Deutschland die meisten Eisdielen im Winter schließen und ihre Lokale in Lebkuchengeschäfte verwandeln, isst man in Island bei jeder Temperatur Eis. So, wie man sich eben zu Kaffee, Tee und Kuchen verabredet, darf es hier ein dicke Kugel Eis sein.

Island boomt. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die jährlichen Übernachtungen von ausländischen Touristen von rund 450 000 auf anderthalb Millionen verdreifacht. Die Meisten kommen, um die unglaublichen Landschaften des Landes kennenzulernen. Oder auf Geysire zu starren sowie in Thermalquellen zu baden. Die Hauptstadt Reykjavik, in der übrigens mehr als ein Drittel aller Isländer leben, wird hingegen von vielen Touristen oft links liegen gelassen. Die isländische Hauptstadt ist auf den ersten Blick auch nicht besonders schön mit seinen zahlreichen kleinen Häusern aus Beton, Wellblech und bunter Farbe. Und die zahlreichen Geschäfte, die irgendwelchen touristischen Billigschrott verschachern. Dazwischen finden sich Antiquariate, die vergilbte skandinavische Erotikmagazine, Möbel und Schallplatten verkaufen, mehrere Galerien, Cafés, Bars und Restaurants.

© Design Hotels

Nur wenige Meter weiter auf der Laugarvegur, sozusagen die Fußgängerzone Reykjaviks, befindet sich das ION City Hotel. Eines der zahlreichen Architekturhighlights der Stadt. Für das Design im Hotel, sowie im Restaurant, ist das Studio Minarc verantwortlich – gebürtige Isländer und Jugendfreunde von Hoteleigentümerin Sigurlaug Sverrisdóttir. Gerade mal 18 Zimmer zählt das Hotel, mit u.a. einer 75 Quadratmeter großen Panaroma Suite mit eigener Sauna. Nordisch minimalistisch eingerichtet mit deckenhohen Fenstern und viel Platz.

© Design Hotels

Besonders ist aber vor allem das hauseigene Restaurant mit dem Namen „Sumac“, in dem einer der besten Köche Islands nordafrikanische Küche kocht. Thrainn Freyr Vigfusson kombiniert isländische Zutaten mit marokkanischen und libanesischen Gewürzen. Beispielsweise gerösteter Blumenkohl mit Kreuzkümmel gewürztem Joghurt oder Lammrippchen mit Linsen und Trauben.

Ich sitze nur wenige Meter von der Küche entfernt am Kitchen Table. Thrainn grillt vor meinen Augen mehrere Stücke Lamm. „Seit ein paar Tagen dreht sich in Reykjavik alles um Kulinarik“, lässt mich Thrainn wissen. „Das Motto lautet Food & Fun“. Die besten Restaurants der Stadt haben sich Chefköche aus der ganzen Welt eingeladen. Thrainn kocht an diesem Abend mit Athanasios Kargatzidis, Besitzer und Chef Koch des Baron Beirút. Nach fünf Gängen, einer besser als der andere, klopft mir Athanasios auf die Schulter und reicht mir ein kleines Schälchen mit einer Kugel Tahini Sesam Eis. „Du wirst es lieben“, meint Athanasios.

© Design Hotels

Recht hatte er, denn noch mittlerweile zwei Wochen später, erinnere ich mich an den kräftigen Geschmack auf meiner Zungenspitze. Ich habe Thrainn bereits eine Nachricht geschickt, ob er mir das Rezept verratet. Doch bisher hat er noch nicht geantwortet… Ein guter Grund, wieder nach Reykjavik zu reisen. Eine bisher immer noch völlig unterschätzte Stadt.

© Design Hotels

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ION City Hotel 

Laugavegur 28

101 Reykjavík

Island

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