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Featured Personal 20. Dezember 2019

Mehr im Hier und Jetzt sein: 2020 calling

In den vergangenen Monaten, habe ich mich sehr intensiv mit den Themen Digitalisierung, Social Media und zugleich mit der Frage beschäftigt, wieso ein großer Teil von uns verlernt hat, im Jetzt zu sein. Die Antwort scheint banal zu sein: Unser Leben hat sich durch die Errungenschaften der modernen Technik um ein vielfaches beschleunigt, und unsere Aufmerksamkeitsspanne wird immer kürzer. Die Lösung des Dilemmas hingegen scheint schwierig.

Jeder von uns, ist gezwungen, so zumindest mein Eindruck, an der Digitalisierung teilhaben zu müssen, um am Ende sowohl ökonomisch als auch sozial mithalten zu können. 1500 mal greifen wir im Durchschnitt in der Woche zu unserem Smartphone. Das heißt konkret: 214 mal am Tag, neun Mal in der Stunde. Mein Smartphone liegt im Flugmodus neben mir. Ich habe die neun Mal in der Stunde heute schon locker überschritten. Mails gecheckt, Instagram, Facebook, WhatsApp, Tagesspiegel und Süddeutsche Zeitung. Das geht immer so weiter, das Internet kennt kein Ende.

Wer sich jetzt denkt, dass ich hysterisch bin, hat sich die Zahlen für das kommende Jahr 2020 noch nicht angeschaut. Zahlreiche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass eine Person im Durchschnitt mit sogenannten künstlichen Chatbots mehr Unterhaltungen führen wird, als mit seinem festen Partner beziehungsweise engen Vertrauten. Es kommt aber noch besser: In knapp fünf Jahren werden wir mit unzähligen „connected devices“, ungefähr 4.800 mal am Tag kommunizieren. (siehe hier)

Matthew B. Crawford, Autor von „World Beyond Your Head“, trifft den Nagel auf den Kopf, indem er folgendes schreibt: „We´ve sacrificed silence – the condition of not being addressed. And just as clean air makes it possible to breathe, silence makes it possible to think.“ 

Was ist aber nun eigentlich mein konkretes Problem?

Ich habe gewissermaßen Angst davor, dass viele von uns nicht erkennen, was jene digitale Durchdringung unserer Lebenswelt mit uns macht. Anstatt Dinge zu hinterfragen, hilft eine App. Und unser Verlangen nach Anerkennung, Information und Befriedigung wird durch Artifizielle Intelligenz gestillt sowie unser Konsum unterbewusst gesteuert. Wer jetzt denkt, man sei klug genug, um nicht in die Falle zu tappen: Künstliche Intelligenz wird klüger sein.

Nun muss man bei weitem nicht sehr viel Lebenserfahrung besitzen, um zu wissen, dass gerade das Leben von menschlichen Beziehungen lebt. Und nicht von Technik. Auch wenn Technik in vielerlei Hinsicht zahlreichen Menschen ohne Frage ein bequemeres Leben ermöglicht.

Die Schattenseite des Ganzen: Wir entfremden uns immer mehr von dem Hier und Jetzt, auf ein hell erleuchteten Display starrend. Deswegen habe ich einen simplen, aber ernst gemeinten Wunsch. Lasst uns wieder mehr analog treffen, unsere Smartphones, Tablets und Laptops zu Hause lassen und im Moment sein. Und über emotionale, physische und spirituelle Dinge sprechen. Und lasst uns wieder die Kunst der Unterhaltung lernen.

Eine Sache ist so gut wie sicher: Unser Alltag wird zunehmend automatisierter und digitalisierter werden, als wir uns das zum jetzigen Zeitpunkt vorstellen können. Umso wichtiger ist es, sich den Luxus zu gönnen, regelmäßig den Stecker zu ziehen, sich persönlich auszutauschen, eine gute Community zu haben. Und zu diskutieren, zu streiten und voneinander sowohl persönlich und beruflich zu lernen.

Und uns außerdem wieder vermehrt die Frage zu stellen: Was ist wirklich real und bedeutsam? Was hingegen stumpfe Ablenkung. Mehr (Er)leben, weniger Ablenkung.

 

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