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Automobil Design 9. März 2016

11 Fragen an Marc Lichte

„I’m holding on, too many things passed, to anything that’s gonna change my memories back, I’m holding on, to everyone good, to everything that’s ever been the way that it should.“ Der Beat setzt ein und hinter dem DJ Pult steht der gerade mal 18-jährige Produzent Filous aus Österreich. Überall Scheinwerfer und unzählige Menschen, die gebannt auf die Bühne starren. Q2 steht in großen Lettern auf der Leinwand. Daneben das Hashtag #untaggable. Neben mir wird fleißig mit dem Smartphone geknipst, Instagram und Snapchat ist bereits voll von Bildern und Videos der Audi Q2 Pressekonferenz. Die Stimmung wird von Sekunde zu Sekunde aufregender, die Musik lauter und spätestens jetzt hat auch der Letzte sein Smartphone in Richtung Bühne gerichtet. Letzte Woche war ich mit Audi auf dem Genfer Autosalon unterwegs: Wie es dort war, könnt ihr hier nachlesen. Wer aber ist eigentlich für das Design von Audi verantwortlich? Wir hatten die Gelegenheit auf dem Genfer Autosalon mit Marc Lichte (Chefdesigner bei Audi) zu sprechen. Genauer gesagt Ihm 11 Fragen zu stellen. And here we go:

Bleistift oder Füller?

Bleistift. Einfach weil ich gerne zeichne. Und das geht mit einem Bleistift besser.

Auto oder Fahrrad?

Audi

Designer oder Künstler?

Sowohl als auch.

Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG

Wie kommt man eigentlich auf die Idee Automobildesigner zu werden? Erzähl doch mal.

Das begann in meiner Kindheit. Schon damals habe ich Autos aus den Automobilzeitschriften nachgezeichnet. Mein Opa war ein grandioser Künstler und brachte mir das Kohlezeichnen und das Malen mit Öl und Pastellkreide bei. Mein Vater war Autoliebhaber und fuhr regelmäßig Bergrennen. Zeichnen und Autos spielten also schon seit dem ich Denken kann eine Rolle in meinem Leben. Ich konnte kaum fassen, dass man damit auch noch Geld verdienen kann.  Mit 13 sah ich dann im Fernsehen einen Bericht über den neuen Studiengang „Transportation Design“ an der Hochschule in Pforzheim und ich wusste sofort: Das will ich machen.

It starts with the idea – Marc Lichte loves to sketch and does so at every opportunity. © AUDI AG
It starts with the idea – Marc Lichte loves to sketch and does so at every opportunity. © AUDI AG

Aus welchen Bereichen schöpfst Du die meiste Inspiration für deine Arbeit?

In meiner Freizeit geht es für mich darum, den Kopf frei zu bekommen. Das gelingt mir am besten beim Segeln. Und mir kommen auch oft ganz beiläufig gute Ideen.

Mich begeistern vor allem Produkte, die zeitlos sind. Design spielt dabei natürlich eine entscheidende Rolle. Was sind deine Design-Lieblinge?

Da bin ich ganz bei dir. Gutes Design ist zeitlos. Während Trends kommen und gehen, behält es seine Ästhetik über Jahrzehnte. Das gelingt aber nur, wenn ein Produkt auf der einen Seite höchst ästhetisch und auf der anderen Seite funktional ist. Dann ist es perfekt. Dann ist es zeitlos.

Auf Blog Bohème dreht sich ja vieles um Mode, Musik, Reisen und Lifestyle. Wohin reist Du am liebsten? Welche Musik hörst Du dabei am liebsten? Welchen Modedesigner / welche Modedesignerin findest Du toll? Und last but not least: Was darf auf keinen Fall in deinem Reisegepäck fehlen?

Die isländische Band Sigur Rós mag ich beispielsweise sehr gerne. Die Jungs sind außergewöhnlich, kreativ und ihre Musik ist einfach abwechslungsreich. Mir gefallen die monumentalen Klangcollagen genauso wie die atmosphärischen, sanften Töne. Und auch die Lieder, die mehr in Richtung Indiepop gehen, find ich gut.

Meine Lieblingsstadt am Meer ist Hamburg. Berlin liebe ich wegen seiner Kreativität. Eine Stadt, die alles vereint, ist Kopenhagen: das Wasser, die Kreativität, die Ästhetik, das Essen.

Lieblingsdesigner habe ich insbesondere bei Möbeln: Die Designs der Castiglioni-Brüder oder Mies van der Rohe. Mit seinem Barcelona Chair schaffte er die perfekte Symbiose zwischen Ästhetik und Funktionalität.

Mein ständiger Begleiter ist mein Skizzenbuch. Das darf natürlich auch nicht auf Reisen fehlen.

Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG

Ich stelle mir die Arbeit als Automobildesigner schwierig vor: Wie oft musst Du Rücksicht nehmen auf Funktion und Technik, auf wirtschaftliche Rahmendaten und Vorgaben? Schränkt das deinen kreativen Prozess nicht unfassbar ein? Karl Lagerfeld braucht für eine Skizze nur wenige Minuten. Auch wenn der Großteil davon im Papierkorb landet. Wie sieht es bei Dir aus?

Bei Audi arbeiten wir im Entwicklungsprozess bereichsübergreifend im Team zusammen – angefangen vom Design über die einzelnen Bereiche der Technischen Entwicklung bis hin zur Produktion. Da ist klar, dass nicht alle Beteiligten bei allen Details einer Meinung sind. Aber das ist auch nicht das Ziel. Am Ende ist am wichtigsten, dass das Beste aus allen Bereichen in einem neuen Audi steckt.

It starts with the idea – Marc Lichte loves to sketch and does so at every opportunity. © Audi AG
It starts with the idea – Marc Lichte loves to sketch and does so at every opportunity. © Audi AG

Wie sieht die Zukunft in Sachen Design bei Audi aus? Und wie hat sich der Designprozess von Audi in den letzten 25 Jahren verändert?

Gerade jetzt ist eine sehr spannende Zeit im Autodesgin. Denn mit den alternativen Antrieben verändern sich die Platzverhältnisse im Auto. Wir haben ganz neue Möglichkeiten, können Design neu denken. Im Innenraum werden wir künftig stärker die Horizontale betonen, was zu einem sehr guten Raumgefühl führt. Im Exterieur setzen wir unter anderem beim quattro-Antrieb und beim Singelframe an. Das heißt, in Zukunft wirst du schon von Weitem an der Grafik des Singleframes erkennen, ob das ein Sportwagen, ein Geländewagen oder eine Limousine ist. Insgesamt wird sich ein Audi Q-Modell im Gesicht deutlich von den Limousinen unterscheiden. Aber bei allem was neu kommt, werden wir an den Markenwerten Sportlichkeit, Hochwertigkeit und Progressivität festhalten und sie in Zukunft weiter forcieren.

Mein Lieblingsmodell von Audi ist der perlmuttweiße Urquattro. Welches Audi-Modell ist dein Favorit und wieso?

Mich begeistert immer wieder der Audi 100 der dritten Generation. Das Design wurde maßgeblich durch die Aerodynamik geprägt. Einfach eine geniale Idee, die mich auch beim Design des Audi Prologue Avant, dem Showcar beim Genfer Autosalon 2015, inspirierte.

Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG
Audi Q2 im Audi Forum München (2016) © AUDI AG

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