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Lifestyle 13. Juni 2018

Inspired by: Julian Lechner und Kaffeeform

Intellektuelle und Künstler belagerten einst europäische Kaffeehäuser, um dort über politische Themen zu debattieren und sich im Müßiggang zu üben. Das Kaffeehaus ist der Inbegriff von Gemütlichkeit. Ein Ort, an dem Zeit, Raum und Kaffee konsumiert werden. Allerdings steht nur Letzteres auf der Rechnung.

Heute haben wir für den Müßiggang im Café weniger Zeit oder sind der Meinung, dass wir keine Zeit mehr haben. Die Antwort: „Coffee to go“. Und so landet Pappbecher für Pappbecher in den Mülleimern unserer Städte. Für Produktdesigner Julian Lechner war das der ausschlaggebende Grund, Kaffeebecher und Kaffeetassen zu entwickeln, die aus entsorgtem, alten Kaffeesatz gefertigt werden und dadurch die Umwelt nicht belasten. Im Interview hat uns Julian mehr über Kaffeeform verraten. Here we go.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Tassen aus recyceltem Kaffeesatz zu produzieren? Hast du eine große Leidenschaft für Kaffee?

Die Idee kam mir während meines Studiums für Produktdesign in Italien. Die Zeit verlief dort mit gesteigertem Kaffeegenuss. Eines Nachmittags fragte ich mich, was mit dem vielen Kaffeesatz eigentlich geschieht und ob es hierfür nicht noch weitere Verwendungsmöglichkeiten geben könnte? Nach etwas Überzeugungsarbeit definierte ich zusammen mit meinen Professoren die Aufgabe ein neues Material aus recyceltem Kaffeesatz zu entwickeln.  

Woher gewinnst du den recycelten Kaffeesatz und wie können wir uns die Produktion deiner Tassen vorstellen?

Den Kaffeesatz beziehe ich kostenfrei von zahlreichen Gastronomen und Großraumbüros in Berlin. Eine Flotte an Fahrrad-Kurrieren sammelt dort täglich den Kaffeesatz auf Lastenrädern ein. Der Transport ist sehr flexibel und frei von Emissionen. Nachdem der frische Kaffeesatz eingesammelt wurde, überprüft ein Team aus einer sozialen Werkstatt den Satz auf eventuelle Verunreinigungen und führt eine schnelle Trocknung durch, um den Kaffeesatz lagerfähig zu machen. Nach längeren Sammelintervallen von ca. drei Monaten wird der Kaffeesatz zu einem neuen Feststoff weiterverarbeitet. Hierfür wird das lose Pulver mit pflanzlichen Zusätzen zu einem soliden Granulat verarbeitet. Das Granulat lässt sich dann in beliebige Formen pressen und härtet sehr stabil aus. 

Wir haben schon etliche Keep-Cups aus Edelstahl, Plastik und Glas probiert. Leider verändern alle den Geschmack des Kaffees. Was ist bei euren Weducer Cups anders?

Eine komplette Neutralität ist auch bei unseren Weducer Cups nicht ganz auszuschließen. Die Cups umgibt ein anfänglicher Duft nach Kaffee. Dieser beeinträchtigt jedoch nicht das Getränk, sondern motiviert dazu einen neuen Kaffee zu trinken. Wen das stört dem sei gesagt, dass der Kaffeegeruch der Becher nach mehrmaligen Spülen schnell vergeht. 

Die Weducer Cups sind stylish und funktional zugleich. Was und wer hat dich beim Design inspiriert?

Die Cups sind sehr zeitlos gestaltet. Die braun, gesprenkelte Eigenfarbe des Materials gibt den zurückhaltenden Designweg geradezu vor.Grelle Farben oder übertriebene Illustrationen können hier gar nicht angebracht werden. Die äußere Gestaltung orientiert sich an alten Entwürfen von Tankstellenbechern. Die Cups liefern viel zusätzlichen Komfort: Stabilität für eine lange Verwendungsdauer, Hohe Isolation, griffige Oberflächen, einen schnellen Schraubverschluss und dicke Wandstärke für den Verzicht auf zusätzliche Manschetten. Die Reinigung kann über die Spülmaschine oder bevorzugt über eine schonende Handwäsche erfolgen.

Was planst Du für die Zukunft? Hast Du noch weitere nachhaltige Projekte, die du verwirklichen möchtest?

Der Traum einer kompletten Cafe-Bar aus recyceltem Kaffeesatz ist nach wie vor das große Ziel. Lass Dich überraschen was noch so alles folgt! Eigentlich noch streng geheim, aber schon im Test ist ein erstes Skateboard aus recyceltem Kaffeesatz. Die Fahrt zum nächstgelegenen Café hat es schon mal überstanden… 

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