Skip to content →

Fashion Personal 27. November 2018

Ich kann nicht anders! Warum Fast Fashion für mich nicht mehr geht

Mode und Kleidung ist für mich etwas Alltägliches: Als Fair Fashion Blogger, als Vater, als Kommunikationsmensch. Jeden Tag setze ich mich mit Mode auseinander, jeden Tag drücke ich mit meinem Outfit, meinem Stil, meinen Gemütszustand und letztlich mich selbst aus – ob ich will oder nicht. Mit Blick auf den tagtäglichen Konsum-Irrsinn und dessen Auswirkungen führt für mich kein Weg an einem anderen Lebensstil vorbei. Davon handelt mein erster Ratgeber „Einfach anziehend“.

Gleich eines vorweg: Ich hatte nie vor, ein Buch zu schreiben. Ich blogge schon seit meiner Studienzeit in Bamberg und damit schon seit über 12 Jahren. Damit war meine Lust des Schreibens gestillt. Tatsächlich entstand bei mir nie der Wunsch, ein Buch zu schreiben oder an einem mitzuwirken. Doch Ende 2017 änderte sich das. Ich bekam die Chance, mit Kirsten Brodde von Greenpeace für den oekom Verlag den Mode-Ratgeber „Einfach anziehend“ zu schreiben – und damit die Gelegenheit, mein Modewissen aus den zurückliegenden Jahren niederzuschreiben und in einem Buch zusammenzufassen, dass idealerweise Menschen erreicht, die weder mich noch Kirsten kennen, sich aber eben auch für Nachhaltigkeit in ihrem eigenen Kleiderschrank interessieren.

Im Gegensatz zu unserer Konkurrenz auf dem Buchmarkt ging es Kirsten und mir aber nicht darum, Minimalismus zu predigen oder eine Stilanalyse per Ferndiagnose anzustellen. Es ging uns vor allem darum, unseren Erfahrungsschatz aus mehreren Jahrzehnten der Auseinandersetzung mit der Fast Fashion Industrie – also vor allem H&M, Zara, Primark & Co. – zu nutzen, um einen lebensnahen Ratgeber über den Weg zu einem nachhaltige(re)n Kleiderschrank zu schreiben. 

Meine Zeit in Nepal änderte fast alles

Aber warum ausgerechnet „Mode“? Je länger ich mich mit dem Projekt auseinandergesetzt habe, desto stärker merkte ich, wie mich meine Erfahrungen aus den letzten Jahrzehnten geprägt haben. Dabei war meine Zeit in Nepal 2009, direkt nach meinem Studienende, sicherlich der Startpunkt für die Auseinandersetzung mit vielen Themen aus einer anderen Perspektive. In meinen über vier Monaten mit der nepalesischen NGO FAITH, in der ich HIV-/AIDS-Aufklärung in einem der ärmsten Länder der Welt aus erster Hand kennenlernen durfte, musste ich persönliche Grenzen verschieben und vor allem erkennen, welche Auswirkungen unser Handeln im Globalen Norden auf Mensch und Umwelt im Globalen Süden hat. Wenn wir in Deutschland auf Masse Kleidung billig kaufen, muss das jemand, meistens am anderen Ende der Welt zu schlechten Bedingungen, produziert haben. Mit diesem Wissen kam ich nach Berlin zurück und wusste, dass ich etwas ändern muss.

Wir sind nicht, was wir haben. Wir sind auch nicht, was wir anziehen. Und schon gar nicht sind wir, was wir kaufen und besitzen. Wir sind, was wir tun. Was wir denken. Wofür wir uns engagieren.

Die nächste Generation informieren

Direkt nach meiner Rückkehr organisierte ich mit einigen Freunden erste Aktionen rund um Themen, die die Modeindustrie betreffen. Wir gründeten den Designmob und setzten uns mit Themen wie Virtuelles Wasser, Materialien und Produktionsketten auseinander. Klingt trocken, war aber sehr interessant und zeigte uns auf, dass es viel zu wenige Informationen darüber gab. Mit diesem Wissen begannen wir an einer Workshop-Reihe zu arbeiten. 

Ziel war es, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, was eigentlich alles passieren muss und wer alles involviert ist, damit wir in den Einkaufszonen unserer Städte Kleidung kaufen können. Ziel war es auch, unseren jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aufzuzeigen, wie lange es dauert, ein T-Shirt zu nähen und dafür nur einen Bruchteil an Lohn zu bekommen. Die gemeinsame Zeit mit den Kindern zeigte mir, dass wir etwas bewirken können, wenn wir Menschen – egal welchen Alters –aufzeigen, dass wir mit der Konsumgesellschaft in dieser Form und im Speziellen mit unserem Kleidungskonsum nicht weitermachen können. Denn es gibt Alternativen.

Mein eigener Kleiderschrank ist nachhaltiger geworden

Nach und nach stellte ich meinen eigenen Kleiderschrank Schritt für Schritt um, achtete immer häufiger auf zertifizierte Materialien und Siegel wie Fairtrade – und entdeckte dabei ganz neue Marken und Labels, die mich nicht nur gut aussehen lassen wollen, sondern auch die inneren Werte deiner Kleidung im Sinn haben. Ich merkte aber auch, dass Secondhand und Vintage meinen Kleiderschrank bereichern können, ohne gleich ein neu produziertes Kleidungsstück kaufen zu müssen.

All diese Erfahrungen aus meinen Auslandsaufenthalten, der Arbeit mit Kindern zu diesem Thema und die eigene Auseinandersetzung mit Outfits und Kleidung für meinen eigenen Blog GROSS∆RTIG führten dann doch dazu, dass ich ein Buch geschrieben habe. Ein Ratgeber, der viele Hintergrundinformationen zur Modeindustrie liefert. Ein Ratgeber, der aber auch eigene Outfits zeigt und praxisnahe Tipps beinhaltet. Ein Ratgeber, den Mann und Frau immer wieder einmal zur Hand nehmen kann, wenn wieder einmal Fragen zu neuer Kleidung aufkommen. 

Kirsten und ich wünschen uns, dass wir alle so gut wie möglich auf Fast Fashion verzichten und diesem Konsum-Irrsinn entsagen. Nicht, weil wir das vorschreiben wollen, sondern weil wir wissen, wie wir uns viel freier und selbstbewusster fühlen werden. Nicht nur mit dem eigenen Kleiderschrank, sondern vor allem mit uns selbst. 

Comments are closed.