Man betritt die neue Lobby des Hotel Bayerischer Hof und erkennt sofort Axel Vervoordts Handschrift. So viel Ruhe, so viel Balance, so viel Vertrauen ins Material: Das ist unverwechselbar. Der in Belgien beheimatete Kunsthändler, Sammler und Designer, mit Projekten zwischen New York und der mexikanischen Pazifikküste, prägt das Münchner Traditionshaus seit über sechzehn Jahren. Mit der neuen Lobby setzt er nun seinen bislang klarsten Akzent.

Vervoordt arbeitet am Bayerischen Hof seit 2009: in Schichten, in Räumen, in Etappen. Atelier und Garden-Restaurant markierten den Anfang, gefolgt von Astor Cinema Lounge, Palaishalle, Palais Keller, Penthouse Garden Suite, Palais Montgelas und Atrium, zuletzt 2025 die Panorama Suite 7. Zehn Projekte, die sich zu mehr fügen als einem Interieurkonzept: ein Ensemble mit dem Anspruch eines Gesamtkunstwerks.

Der Empfang übersetzt die Geschichte des Hauses in Vervoordts reduzierte Formensprache: Lehmputz, Nussbaum, naturgegerbtes Leder. Der bestehende Boden aus Ungarisch Rot blieb unangetastet, ein Material mit langer Tradition in der regionalen Baukultur. Eine Kassettendecke fasst den Innenhof neu und gibt ihm Struktur, ohne ihn zu überformen. Der Effekt: zurückhaltend, präzise, frei von dekorativem Überschuss.
Die architektonische Umsetzung entstand in Zusammenarbeit mit dem japanischen Architekten Tatsuro Miki, einem langjährigen Partner Vervoordts. Zu ihren gemeinsamen Projekten zählen eine monolithische Kunstgalerie an Oaxacas Pazifikküste und das Tribeca Penthouse im Greenwich Hotel in New York. Was dabei entstand, erinnert an das, was Vervoordt selbst einmal als Leitprinzip formuliert hat: „I love everything that is very real.“
In der Lobby wird diese Haltung spürbar: nicht als Understatement, sondern als Konsequenz in Material und Proportion. Und in der Ruhe der Materialien, der Klarheit der Räume und dem Verzicht auf alles Überflüssige.

Das zentrale Kunstwerk stammt von Chung Chang-Sup, einem 2011 verstorbenen koreanischen Maler und frühen Vertreter der Dansaekhwa-Bewegung, die für ihre reduzierte, stark materialbezogene Abstraktion steht. Vervoordt versteht seine Arbeiten als Ausdruck des sogenannten Seonbi-Geistes – eines traditionellen koreanischen Ideals, das für Bildung, innere Haltung und bewusste Bescheidenheit steht. Entsprechend wirkt das Bild nicht laut oder demonstrativ, sondern ruhig und konzentriert: Es drängt sich nicht auf, sondern entfaltet seine Präsenz mit der Zeit.
Dass die Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Hof nun die Lobby erreicht, jenen Raum, der eigentlich am Anfang jedes Besuchs steht, ist kein Zufall, sondern Konsequenz. Hoteldirektorin Innegrit Volkhardt, die das Haus in vierter Generation führt, und Axel Vervoordt arbeiten seit sechzehn Jahren an demselben Gedanken: dass ein Hotel nicht beeindrucken, sondern berühren soll. Genau dort, wo der erste Eindruck entsteht, wird er nun eingelöst.






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