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Anzeige Travel 17. Oktober 2019

Butterweich auf der Seine: Eine Flusskreuzfahrt von Paris in das Herz der Normandie

Gemächlich liegt das Schiff, auf dem eine Rose am Bug zu sehen ist, vor uns. Wir sind in Paris, genauer gesagt in Saint-Denis, nördlich von Paris. Ehrlicherweise nicht das Paris, das ich mir als Startpunkt meiner Flusskreuzfahrt erwartet hatte. Skeptisch und etwas irritiert gehe ich an Bord des Schiffs.

A-Rosa Viva heißt der 135 Meter lange Flusskreuzer, auf dem ich die kommende Woche mit meiner Begleitung Laura verbringen werde. Einige Mitreisende haben es sich bereits in der Lounge gemütlich gemacht, während das Bordpersonal die letzten Vorbereitungen trifft, ehe wir heute Abend in Richtung Les Andelys ablegen. Unser Zimmer sei noch nicht bezugsfertig, lässt mich die Rezeptionistin wissen, während die Hotelmanagerin des Schiffs Anett Prinz meiner Begleitung Laura mit einem Lächeln eine rote Rose überreicht.

Unser Zimmer auf der A-Rosa Viva

Auf dem Sonnendeck, blöderweise noch ohne Sonne, haben sich weitere Passagiere zusammengefunden, die sich scheinbar bereits von anderen A-Rosa Reisen kennen und prosten sich mit einem ersten Glas Crémant zu. Für Crémant ist es mir noch zu früh und möchte stattdessen lieber mein neues Zuhause für die kommende Woche kennenlernen. Das kreisrunde Treppenhaus-Atrium ist neben der Lounge mit seinen bauchigen Tempelsäulen das Herzstück des Schiffs. Hinzu kommt ein Wellnessbereich mit Sauna und überschaubarem Fitness und Spa Bereich. Ingesamt drei Logierdecks gibt es, die 14,5 quadratmetergroßen Kabinen der beiden oberen Decks sind mit Fenstertüren zum Wasser versehen. Das Farbkonzept: Orange, Orange, Orange!

Auch wenn die vielen Orangetöne nicht meinem persönlichem Geschmack entsprechen, ist das Gesamtdesignkonzept der A-Rosa Viva stimmig. Zebragemusterte Teppichböden, ausladende Deckenleuchten und Retrosessel in der Lounge.

Meine Lieblingsecke habe ich schließlich auch schon gefunden. Die Weinwirtschaft am Heck des Schiffs. Hier kann man ganz ungestört essen und vergisst relativ schnell, dass man mit knapp zweihundert Passagieren auf einem Schiff ist. Und wenn wir schon beim Thema Essen sind: Das täglich wechselnde Buffet ist schlichtweg großartig und lecker. Wer hingegen lieber sich am Tisch bedienen lassen möchte, kommt beim zweimal stattfindenden A-Rosa Dining auf seine Kosten.

Die Weinwirtschaft auf der A-Rosa Viva

Die Speisekarte liest sich wie in einem sehr guten Restaurant. Hausgemachtes Baguette mit Thymianöl und Fleur de Sel. Gefüllte Bio-Eier mit Kaviar-Mayonnaise. Salat vom gegrillten Oktopus mit grünen Bohnen und Tomaten. Hummersüppchen. Lammkoteletts mit Rosmarinjus und Ratatouille-Tartine. Zitronentarte mit Himbeersorbet. Zu jedem Gang der passende Wein und ein paar erklärende Worte des Maî­t­res.

Mittlerweile sind wir in Les Andelys angekommen. Knapp 14 Stunden hat die butterweiche Fahrt auf der Seine gedauert. Geschlafen haben wir wie ein Baby. In der Ferne thront die imposante Burg Château-Gaillard über dem Seine-Tal. Nur wenige Schritte über die Gangway trennt uns vom historischen Kern der kleinen Ortschaft. Doch bevor es an Land geht, muss man an der Rezeption unbedingt seine Landgangskärtchen abholen. Mit Hilfe jener Karten lässt sich feststellen, ob jemand beim Ablegen des Schiffes an Bord fehlt.

© Michael André Ankermüller

Sicherlich wird sich nun der eine oder andere fragen, wer überhaupt an Bord eines Flusskreuzfahrtschiffes zu finden ist oder wer so eine Reise bucht? Die Frage ist nicht mehr ganz so einfach zu beantworten, wie früher. Auch wenn die Mehrheit aus Passagieren fortgeschrittenen Alters besteht, gibt es eine Handvoll Familien mit Kindern an Bord.

Besonders bemerkenswert ist das Personal auf dem Schiff: Neben einem ausageprochen guten Service, war die Stimmung an Bord ohne Ausnahmen heiter und äußerst entspannt. Das Abendprogramm: Sagen wir mal so, für eine jüngere Zielgruppe ausbaufähig.

Wir sind mittlerweile vier Tage unterwegs und auf unserem ersten gemeinsamen Ausflug im A-Rosa-Pulk mit anderen Passagieren im Reisebus entlang der Côte Fleurie nach Honfleur sowie Deauville unterwegs. Honfleur, das direkt an der Mündung der Seine an dem englischen Kanal liegt, gehört zweifelsohne zu den reizvollsten Städtchen der Normandie. Da mir das Reisetempo der Mitreisenden etwas zu langsam ist, mache ich mich alleine auf den Weg durch die Gassen und entlang des Hafens. Alles kein Problem, Hauptsache man ist zur ausgemachten Abfahrtszeit wieder am Bus.

Das verträumte Honfleur © Michael André Ankermüller

Zurück auf dem Schiff, habe ich längst Raum und Zeit vergessen. Auf dem Sonnendeck, die Sonne wechselt sich mittlerweile im Stundentakt mit Regen ab, blicke ich auf die Seine, die ich bisher ausschließlich mit Paris in Verbindung brachte. Aber das der Fluss irgendwo auch einen Anfang und ein Ende haben muss, interessierte mich bisher nicht. 777 Kilometer sind es ingesamt und wir sind auf dem Weg nach Rouen. Eine abwechslungsreiche Landschaft aus Hügeln, saftig grünen Wäldern und Sümpfen zieht an uns vorbei. Und manchmal auch ein paar windschiefe Fachwerkhäuschen, die ganz nah am Ufer stehen.

Ein weiteres Highlight unserer Reise steht auf dem Programm: Westlich von Rouen liegt nach knapp einstündiger Busfahrt eine der schönsten Küsten Frankreichs, die Alabasterküste. Nach einem kurzen Stopp in Le Havre, berühmt für sein architektonisches Stadtensemble und UNESCO-Welterbe, geht es in das kleine Örtchen Étretat, das zu beiden Seiten von hohen Kreidefelsen umgeben ist. Seit mehr als hundert Jahren ziehen die berühmten Felsen die Welt an. Nur nicht zwingend Anfang Oktober, weswegen wir die Steilküste fast für uns alleine hatten, während der Wind uns um die Ohren pfiff. Ein Glück, wie uns unser Busfahrer wissen lässt, da im Sommer die Kreidefelsen voller sind als die Avenue des Champs-Élysées.

Wie im Flug verging die Woche auf dem Schiff. Und das bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 22 km/h. Slow Travel vom Feinsten.

Unterwegs auf der Seine © Michael André Ankermüller

Ein weiterer Höhepunkt der Reise ist sicherlich der Ausflug nach Paris, die meistbesuchte Stadt der Welt. Während ein Teil der Passagiere sich mit dem Bus durch die Stadt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten kutschieren lässt, ein anderer Teil der Passagiere Montmartre und Sacré-Cœur erkundet oder sich bei Sonnenuntergang durch die Stadt fahren lässt, machen wir uns mit der Metro individuell auf den Weg nach Paris, um im Stadtteil Marais im 4. Arrondissement den Tag zu verbringen.

Erschöpft vom Tag sind wir froh, wieder zurück auf dem Schiff zu sein und uns ein letztes Mal von der Seine in den Schlaf wiegen zu lassen sowie uns um wirklich nichts kümmern zu müssen.

Tags darauf kommen schon die nächsten Passagiere an Board, das Schiff wird sich wieder auf die gleiche Route machen. Les Andelys, Caudebec-en-Caux, Rouen, Vernon und Paris.

Und ich glaube, dass wird für mich nicht meine letzte Reise mit einem Flusskreuzfahrtschiff gewesen sein. Auch wenn ich erstmal genug von dem Rund­um-sorg­los-Pa­ket habe.

© Michael André Ankermüller

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit A-Rosa entstanden. Der vorliegende Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider. Wer mehr über das Thema Umwelt bezüglich Binnenschifffahrt erfahren möchte, findet hier weitere Informationen.

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