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Best Of Personal 6. Dezember 2018

1 Tag, 1000 Worte #6

In einen guten Text einzusteigen, ist oft genauso mühsam, wie einen nicht so guten Text zu lesen. Doch was ist eigentlich ein guter Text? Soviel ist sicher: Ein Text muss dich packen, dich informieren und unterhalten, darf gewiss nicht langweilen. Weniger schlimm, ist es, wenn sich mal ein Rechtschreibfehler eingeschlichen hat. Nobody is perfect. Geschenkt.

Gestern Abend war ich auf einer Lesung. Benjamin von Stuckrad-Barre las aus seinen Büchern „Remix 3“, „Nüchtern am Weltnichtrauchertag“ und „Livealbum“ vor. Überraschenderweise war auch Ferdinand von Schirach gekommen, um im Wechsel mit Benjamin u.a. das Kapitel aus „Remix 3“ „Zu Besuch in Ferdinand von Schirachs Schreibklausur“ zu lesen. Die Geschichte dreht sich um Venedig, weil man, so Schirach „(…) in Venedig gut schreiben kann, weil die Stadt so grässlich ist.“  Nicht nur auf diesen 15 Seiten wird klar, wieso Schirach dem Publikum in einer kurzen Denkpause wissen lässt, dass Stucki wohl der beste Schriftsteller seiner Generation ist.

Ich weiß nicht, wie es anderen Schreibern geht? Ich weiß nur, dass manchmal, wenn ich versuche, einen Text zu schreiben, es einfach nicht klappen will. Sozusagen wie der gute Jahresvorsatz, der bereits am Tag nach der Silvesternacht vergessen ist. Zu viel Champagner, zu viel Rotwein, zu viel von allem. Oder der Wunsch danach, endlich wieder mehr Sport zu machen, sich im Fitnessstudio mit Anderen beim Bankdrücken zu messen.

Doch einen banalen Tipp habe ich, weil ich danach vor kurzem gefragt wurde, wie gutes Schreiben doch gelingen kann? Am besten, so denke ich, ist es am frühen Morgen zu schreiben. Denn dann, noch nicht richtig wach, kommen Gedanken, die tagsüber gar keinen Platz mehr finden.

Nun gibt es auch meterweise Fachliteratur zum Thema, wie man literarisch, wissenschaftlich, autobiographisch, unterhaltend schreiben kann. Eine Anleitung, zum nicht denken. Gähn.

Und was ist mit Schreibblockaden? Auch hier liefert das Internet zahlreiche Antworten. „Mit diesen zehn Tipps überwinden Sie jede Schreibblockade“, wobei die Überschrift des Artikel so umkreativ gewählt ist, dass jene Tipps nur noch mehr Blockaden auslösen.

Ein Freund fragte mich danach, was ich machen würde, wenn es mal mit dem Schreiben nicht klappt? Die Antwort sei ganz einfach: Spazieren gehen. Vor allem durch Berlin. Von Nord nach Süd, von Ost nach West. Mehrere Stunden. Egal, ob es regnet, schneit (kommt mittlerweile ja nicht mehr so oft vor) oder die Sonne scheint. Oder Lesen. Sich inspirieren lassen von anderen talentierten Schreibern.

Diese Woche konnte ich übrigens endlich das Buch von Daniel Schreiber „Zuhause: Die Suche nach dem Ort, an dem wir leben wollen“ lesen. Wer wissen will, was ich mit talentiert meine, sollte Daniels Buch lesen. Doch jenes Buch ist nich nur das bloße Aneinanderreihen von Buchstaben, sondern Daniels „Innenschau“ auf der Suche, was Heimat eigentlich bedeutet? Eine Frage, die uns alle irgendwie auf irgendeine Art und Weise bewegt.

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