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Best Of Digitaler Nomade Personal 22. April 2017

Warum es nie zu spät ist, ein(en) Blog zu gründen

Es ist schon spät geworden an diesem Dienstagabend. Ich sitze alleine am Bartresen und trinke ein Glas Rotwein. Neben mir sitzt ein junger Mann, der mit großen Schlücken seinen Weißwein runterstürzt und eine Erdnuss nach der anderen in sich hineinstopft. Der Kellner, vermutlich Wiener, was mir sein Dialekt verriet, hat ebenfalls schon am Tresen Platz genommen, um seinen Feierabend ausklingen zu lassen.

Wer alleine in eine Bar geht, fällt immer auf. Und verstrickt sich meistens innerhalb weniger Minuten in ein Gespräch. Denn es gibt immer einen Menschen, der auch alleine gekommen ist. Mein Sitznachbar, der mittlerweile die Schale mit Erdnüssen geleert hat, fragt mich plötzlich wie aus dem Nichts, ob ich Österreicher sei? Er sei der Meinung, dass mein Dialekt so überhaupt nicht nach Berlin klingt. Ich erzähle ihm, dass ich eigentlich aus Bayern komme, jedoch beruflich und auch wegen des Studiums in Österreich gelebt habe. Wir reden über das Wetter, über Fußball, über Belanglosigkeiten. Doch plötzlich nimmt das Gespräch seine vorbestimmte Wende und Thorsten, so der Name meines Sitznachbars, will wissen, was ich eigentlich beruflich mache?

Immer wenn mir diese Frage gestellt wird, verspüre ich ein leichtes Ziehen im Magen. Nicht, weil es mir unangenehm ist, was ich mache. Auch nicht, weil ich darüber ungern spreche. Vielmehr, weil die Antwort, ich sei Blogger und Consultant, meistens einiges an Erklärungsbedarf benötige. Ganz anders aber an diesem Abend. Thorsten klatscht in die Hände und freut sich über meine Antwort. Er lässt mich wissen, dass er auch schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken spielt, einen Blog zu starten. „Am liebsten über Reisen. Das sei nämlich seine große Leidenschaft. Aber überhaupt nicht wisse, wo er anfangen soll? Und, dass es ja bereits so viele Blogs gibt und es sich überhaupt nicht lohnen würde, damit jetzt noch anzufangen.“ 

Ich trinke einen großen Schluck Rotwein und versuche eine passende Antwort zu finden. Erst kürzlich habe ich das Wort „Blog“ bei Google in die Suchzeile getippt, um zu sehen, auf welchem Platz eigentlich Blog Bohème steht. Seite 7. Gar nicht so schlecht, dachte ich, wenn man bedenkt, dass Google über 7.740.000.000 Ergebnisse in 0.66 Sekunden über den Suchbegriff „Blog“ ausspuckt. Diese riesige Zahl ist vermutlich auch der Grund, weshalb Thorsten der Meinung ist, dass es sich nicht lohnen würde, einen Blog zu gründen. Und dieser Grund ist irgendwie auch nachvollziehbar. Und irgendwie auch nicht.

Um das etwas anschaulicher zu beschreiben, finde ich den Vergleich mit der Eröffnung eines Restaurants oder Cafés sehr treffend. Ich habe noch nie von einem Koch oder Barista gehört, dass er kein Restaurant oder Café aufmachen möchte, weil es ja bereits unzählige Restaurants und Cafés gibt. Vielmehr geht es doch darum, es besser, anders, spannender zu machen. Und genau das Gleiche gilt auch für Blogging. Natürlich existieren bereits einige Blogs, die sich etabliert haben. Und es existieren wahnsinnig viele Blogs, die furchtbar schlecht sind: Inhaltslos, oberflächlich, miserabel geschrieben. Thorsten nickt.

Doch eigentlich kann es nicht genügend tolle Blogs auf dieser Welt geben. Genauso, wie es nicht genug tolle Restaurants geben kann. Einige Fragen solltest Du dir dabei jedoch immer stellen? Was willst Du anders machen, als die Blogs, die es bisher gibt? Was zeichnet dich aus? Willst Du wirklich hart dafür arbeiten, um dein Ziel zu erreichen? Brennst Du für deine Themen? Geht es dir in erster Linie, um deine Selbstverwirklichung oder um Geld? Wenn Du auf alle Fragen, schnell eine Antwort findest, worauf wartest Du noch?

Thorsten nickt immer noch mit dem Kopf und ich bilde mir ein, ein Leuchten in seinen Augen zu erkennen. „Eigentlich hast Du recht. Die Rechnung geht auf mich“, antwortet Thorsten. Es ist schon spät geworden, denke ich und verabschiede mich von meinem Sitznachbar, der in den letzten zwei Stunden irgendwie zu meinem Freund geworden ist. Mach es einfach besser oder versuch es zumindest. Es gibt genügend Platz dafür.

5 Comments

  1. Servus Michael, ich dachte erst auch, was soll ich bloggen ? Es gibt eh schon so viele und lauter junge Leute. Zu denen gehöre ich sicher nicht mehr. Aber Claudia habe ich schon kennengelernt und auf der Bloggerkonferenz ABC Star noch einige Bloggerinnen 50plus. Und so blogge ich mit Begeisterung. Es scheidet sich eh die Spreu von Weizen. Die Erfolgsgeschichten verschiedener Speaker waren sehr inspirierend. Es macht Spaß und leben muß ich ja nicht davon. Lg. Gabi

  2. Lieber Michael, wie du sagst, es kann gar nicht genug Blogs geben. Ich würde mir vor allem bei meinem Foodblog auch Mitbewerber wünschen, das würde die Community beleben. Auch mein zweite Baby, das sich ja um Lifestyle 50plus bemüht, könnte viel mehr andere Blogs dieses Genres vertragen. Hier bemerke ich aber in letzter Zeit, dass meine Generation auch auf den Geschmack kommt und das finde ich wunderbar, denn gerade Menschen die die Mitte des Lebens überschritten haben, haben doch auch viel zu erzählen. Dir schicke ich ganz liebe Grüße, melde dich wenn du in Salzburg bist, Claudia

  3. Wow, danke für diesen tollen Beitrag. Der macht Mut und motiviert. Ich habe nun auch seit letztem Jahr November einen Blog. Anfangs war es noch sehr chaotisch, man muss sich ja erstmal ausprobieren. Aber so nach und nach finde ich meinen Weg. Finde das, was mir Spaß macht und über was ich schreiben möchte und auch kann. Aber auch ich habe mich in der letzten Zeit sehr oft gefragt, ob es Sinn macht. Aber immerhin sagen die Zahlen, dass es da draußen Menschen gibt, die zumindest auf meine Seite klicken. Ein paar mehr Kommentare, Interaktion wäre cool, einfach als Feedback. Aber ich muss lernen geduldiger zu sein. Dennoch bin auch der Überzeugung wenn jeder sagen würde davon gibt es schon so viel, das aber sehr gut – wenn nicht sogar besser kann als andere, warum nicht. Man lernt auf jeden Fall dazu.

    Danke fürs motivieren.

    Liebe Grüße Dany

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