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Travel 3. Dezember 2017

Unterwegs in Südtirol: Eine kurze Auszeit in der Heimat des Ötzis

Franz Beckenbauers Stimme summt noch in meinen Ohren, als ich in den Bahnhof von Bozen einrolle. Von München ging es über den Brenner in weniger als vier Stunden in das Herz von Südtirol, aber meine eigentliche Reise beginnt erst jetzt.

Schnell lasse ich die Monotonie des Bahnhofs und den Straßengürtel, welcher wie ein Schleier die Innenstadt vor dem vermeintlichen Transit abschirmt, hinter mir. So oft ich schon Bozen durchquerte und in das Innere des Landes weiter vordrang, noch nie schaffte ich es die kleine Metropole selbst genauer unter die Lupe zu nehmen.

Die Sonne steht zu dieser Jahreszeit tief in den beschaulichen Gassen und versetzt einen direkt in Urlaubsstimmung. Statt Flagshipstores und Fast Food Restaurants reiht sich hier ein Delikatessengeschäft an das nächste und wird höchstens von einem Café oder einer Pizzeria unterbrochen. Bezeichnet man München oft als nördlichste Stadt Italiens, fühlt man sich hier im Zentrum der italienischen Lebensart. Espresso bestellt man direkt an der Theke statt To-Go, Wein kauft man anhand der zahlreichen Geschmacksnoten statt dem Label und Obst wird auf dem Markt oder dem Bauernhof erworben.

Gerade für Letzteres ist mir die Region bereits vor meinem ersten Winterurlaub bekannt gewesen. Links und rechts säumten schon zahlreiche Apfelplantagen die Bahnstrecke und zeigten eindrucksvoll, dass der Südtiroler-Apfel ein Exportschlager sein muss. Knapp 25.000 Fußballfelder beträgt die Größe des Apfelanbaugebietes, 2,5% der Region wobei der Rest in Gemeinden und Berge aufteilen lässt.

Die Region ist verwinkelt, teilweise schwer zugänglich und so warm es im Sommer ist so kalt ist es im Winter. Meterhohe Schneedecken auf den Bergen und oftmals auch Straßen, welche zwar für wundervolle Winterlandschaften sorgen, aber auch einen guten Zusammenhalt der einzelnen Gemeinden voraussetzen. Gerade wenn man in langen Wintern mal wieder auf sich gestellt ist, zeigt sich die Verbundenheit und das familiäre Gemüt des Südtirolers.

Wie anstrengend mag da das Leben wohl zu Zeiten des Ötzis gewesen sein? Jenes Menschen, welcher vor Jahren als Gletschermumie im Schnalstal gefunden wurde? Statt mit einer Seilbahn zum Gipfel zu fahren, musste er den Weg den mühsamen Weg durch Schnee und Eis zu Fuß zurücklegen, nur um dann an seinem Ziel angekommen, den Tod zu finden.

Mehr als 5.000 Jahre ist es nun her, dass der Mann aus dem Eis zum Mann, gefangen in Eis, wurde und doch gibt er uns noch heute allerlei Rätsel und Mysterien auf, mit denen man sich auch in Bozen auseinandersetzen kann. Hier am Ende einer der vielen Gassen findet man den aufgebahrten Leichnam der Gletschermumie im Südtiroler Archäologiemuseum, inklusive einer detaillierten Aufarbeitung seines Lebens und einem Einblick in das Südtirol von damals.

Bevorzugt man lieber die große Leinwand als den White Cube, ist der Mann aus dem Eis, in Hauprolle mit Jürgen Vogel, die ideale Anlaufstelle, um mehr über den Ötzi zu erfahren. Packend, episch und authentisch spiegelt der Film das Leben und die mögliche Ursache um den Tod des Ötzis wieder. Und wenn man schon mal in Bozen ist, kann man den Film auch gleich im Filmclub vor Ort genießen.

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