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Design Kunst 13. September 2015

Tali Bayer – Wo weniger mehr ist

Einen Stein kann ich lieben, und auch einen Baum oder ein Stück Rinde. Das sind Dinge, und Dinge kann man lieben. Worte aber kann ich nicht lieben. (Hermann Hesse, Siddartha)

So fiel es einst Siddartha, Herman Hesses weisem Helden aus gleichnamiger Erzählung, wie Schuppen von den Augen. Dabei diskutierte er am Ende seiner Tage mit seinem Freund Govinda über den Sinn des Lebens und welche Bedeutung die Lehren der Menschen für ihn haben. Mir kam diese Stelle spontan in den Sinn als ich die aktuellen Druck-Serien „Plants & Spaces“ und „Jungle“ der Künstlerin und Designerin Tali Bayer aus Leipzig betrachtete. Auch hier stehen einfache Gegenstände und Formen im Fokus. Nüchtern. Ungekünstelt. Und mit klarer Linie.

beyond the jungle © tali bayer
beyond the jungle © tali bayer

Handwerk und Kunst

Talis Illustrationen vermitteln ungemein dichte Stimmungen – und das obwohl sie oft nur einzelne Gegenstände und Dinge in minimalistischer Manier zeigen. Bei den Serien „Plants + Spaces = Places“ und „Jungle“ sind das vegetabile Formen wie beispielsweise Blätter, Sträuche oder andere Planzenteile, die mit Hilfe von Details, Komposition und Reduktion den Betrachter in den Bann ziehen. Die Designerin und gelernte Hutmacherin beschreibt ihre Arbeit wie folgt: „Collagen und Zeichnungen sind die technische Basis meiner Arbeiten. Grundlage dafür sind selbstentworfene Texturen und Oberflächen, mithilfe von Microsampling. Außerdem habe ich ein großes Interesse an Druckverfahren, wie zum Beispiel Siebdruck und Risographie sowie Linoldruck, Holzschnitt und Radierung.“

Plants + Spaces=Places © tali bayer
Plants + Spaces = Places © tali bayer

Im Formengarten der Natur

Einen Großteil ihrer Inspiration schöpft die junge Künstlerin aus selbst gesammelten Fundstücken, deren Strukturen, Farben und Formen. Diese sind mittlerweile zu einem beachtlichen Fundus herangewachsen. „Ich verbringe meine Zeit gerne im Botanischen Garten oder auf langen Spaziergängen. Selbstverständlich ist der Inspirationspool – beziehungsweise die Suche danach – immer abhängig vom jeweiligen Thema meiner Arbeit. Die Tatsache, dass mich Architektur und Floristik schon mein Leben lang begleiten, beeinflusst meine Arbeit sehr.“ In „Plants + Spaces = Places“ findet diese Begeisterung unter anderem Ausdruck in Form eines Gewächshauses, das im Zentrum des Drucks steht. „Gewächshäuser faszinierten mich bereits in meiner Kindheit. Ich habe es immer sehr genossen, durch diese zu spazieren und die Pflanzen darin zu erforschen.“

Plants + Spaces=Places © tali bayer
Plants + Spaces = Places © tali bayer

Weniger ist mehr

Durch den Einsatz von Reduktion und Geometrie verwandelt Tali die gezeigten Gegenstände in Symbole ihrer selbst. Dabei setzt sie auf die Wahrnehmung von Formen im Raum. „Das Zusammenspiel aus Fläche und Objekt zueinander spielen für mich eine wichtige Rolle. Die Komposition und vor allem die Reduktion der Formensprache der einzelnen Objekte, verändern den Blick auf das Wesentliche des Abgebildeten.“ Während man das reale Ökosystem Dschungel in der Regel mit exotischen Pflanzen und Tieren assoziiert, die sich in den schillerndsten Farbtönen präsentieren, taucht Tali ihren „Jungle“ in ein monochromes Farbkleid. Für die Künstlerin ist das die logische Konsequenz zu Reduktion und Geometrie: Die verwendete Farbe tritt in den Hintergrund und wirkt lediglich als stimmungsstützendes Element. Aber noch etwas fällt auf. Treppen. Diese stehen frei im Raum. Ganz ohne Funktion? „Treppenstufen sind großartige Objekte – sowohl im ästhetischen als auch im funktionalen Sinn. Mit ihnen verhält es sich, meiner Meinung nach ähnlich wie mit den Pflanzen. Größe, Breite, sogar die Form ist bis zu einem gewissen Grad variabel. Der Betrachter wird diese Phänomene immer als vertraute Objekte seiner Lebenswelt wahrnehmen und mit bestimmten Stimmungen assoziieren.“

Plants + Spaces=Places © tali bayer
Plants + Spaces = Places © tali bayer

Blog Bohème ist schon jetzt Fan von Talis Designs. In diesem Sinne: Bitte mehr davon! Und falls auch ihr euch den Dschungel in die eigenen vier Wände holen wollt – die hier gezeigten Serien „Plants + Spaces = Places“ und „Jungle“  sowie weitere Arbeiten gibt es hier.

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