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Feuilleton Film 5. März 2016

11 Fragen an Martin Schwimmer & Dominik Utz

„Des Beschde seit Fargo“. So steht es auf dem Filmplakat zu Trash Detective. Und im Ernst: Nie war die schwäbische Mundart und Provinz düsterer als in dem Krimi von Regisseur Maximilian Buck und Drehbuchautor Michael Glasauer. Darin geht es um den Schrottbastler, Außenseiter und Trinker Uwe Krollhass, der glaubt, einen Mord an der örtlichen Schönheitskönigin Susi beobachtet zu haben. Diese gilt seitdem als vermisst. Dumm nur, dass Uwe auf Grund seiner exzessiven Trinksitten keiner glaubt. Als „Trash Detective“ nimmt er kurzerhand die Ermittlungen selber auf und stößt dabei auf die dunklen Seiten der sonst so arglosen Bürger von Matringen…

Beeindruckt vom wuchtigen Spiel des Haupdarstellers Rudolf Waldemar Brem (Uwe Krollhass) und dem düsteren Flair des Films, unterhielten wir uns mit den beiden Produzenten Martin Schwimmer & Dominik Utz von DOMAR Film.

Dominik Utz (links) und Martin Schwimmer (rechts) am Set von "Trash Detective" (c) DOMAR Film GmbH
Dominik Utz (links) und Martin Schwimmer (rechts) am Set von „Trash Detective“ © DOMAR Film GmbH

Whiskey oder Weizen?
Whiskey

Dampfnudel-Blues oder Spätzle-Splatter?
Spätzle-Splatter

Wildling oder Walther White?
Walther White

Uwe (R.W.Brem) im Gasthaus (c) DOMAR Film GmbH
Uwe (R.W.Brem) im Gasthaus © DOMAR Film GmbH

Ganz schön düster euer Schwaben-Krimi. In letzter Zeit irgendwelchen schlimmen Erfahrungen in dieser Region gemacht?
Nein, schlimme Erfahrungen nicht. Wir sind aber beide auf dem Land groß geworden und wissen nur allzu gut, welche Abgründe sich da oft auftun. Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt. Gerade bei den vermeintlich „Sauberen“ im Ort, klebt hinter der schönen Fassade Dreck am Stecken. Das ist in Baden-Württemberg nicht anders als in Bayern oder an anderen Orten. Und das wollten wir zeigen.

Mich selbst erinnert „Trash Detective“ stark an die Verfilmungen der Brenner-Romane mit Josef Hader in der Hauptrolle. Was hat euch zu diesem Stoff inspiriert?
Uns war es immer wichtig einen Antihelden zu erzählen, der sich mit der Dorfobrigkeit anlegt. Denn wer glaubt schon einem abgesifften Säufer? Dabei waren die Brenner-Romane natürlich sehr inspirierend. Aber auch Charles Bukowskis Werke dienten dabei als Motivationsquelle.

Besuch von der polizei: Gabi (Th. Hämer), Rudi (B. Tauber), Peter (Karl Knaup) (c) DOMAR Film GmbH
Besuch von der Polizei: Gabi (Th. Hämer), Rudi (B. Tauber), Peter (Karl Knaup) © DOMAR Film GmbH

Euer Hauptdarsteller Rudolf Waldemar Brem ist eine Offenbarung. Was war euch bei der Besetzung eures Detectives wichtig?
Uns hat vor allem die Authentizität der Figuren viel bedeutet. Dabei sind wir auf Rudolf Waldemar Brem gestoßen. Durch sein verlebtes Äußeres, gepaart mit seinem schauspielerischen Können, das er bereits mehrfach in den Anfangswerken Rainer Werner Fassbinders unter Beweis gestellt hat, verkörpert er den Dorfalkoholiker UWE par excellence. Aber auch bei den restlichen Darstellern stand für uns deren Glaubwürdigkeit stets an erster Stelle. Deswegen wurden die restlichen Rollen mit Schauspielern mit schwäbischen Wurzeln besetzt.

Ständiger Nebel, trostlose Dörflichkeit und eine Mundart, die stellenweise einen Untertitel wünschen lässt – woran liegt für euch der besondere Reiz an dieser Mischung?
Der besondere Reiz liegt darin, dem Genre gerecht zu werden, das wir erzählen wollen. In unserem Fall ist das „schwäbisch noir“, also ein Genre, das es bis dato noch nicht gab. Gerade der Mix aus Dialekt und Elementen des film noirs, war für uns reizvoll. Deswegen auch die düstere, visuelle Atmosphäre und die schwäbische Mundart.

Bei eurem Film geht es trotz Humor stellenweise ganz schön ins Eingemachte. Hattet ihr Phasen in der Produktion, an denen ihr diskutiert habt, ob diese oder jene Szene euren Film nicht im Spätprogramm des Kinos oder TVs landen lässt?
Sicherlich war uns bewusst, dass die Erzählform uns am Ende in der Verwertung einschränken könnte. Die angesprochene Brutalität, die phasenweise im Film gezeigt wird, war uns aber dennoch stets wichtig. Wir wollten einfach ein bisschen auf die Kacke hauen. Wo, wenn nicht während des Studiums an der Filmakademie Baden-Württemberg, ist so etwas möglich, dachten wir uns. Und letzten Endes waren die Bedenken unbegründet. Denn viele Kinos spielen den Film beispielsweise im Vorabendprogramm.

Uwe beim Frühstück (c) DOMAR Film GmbH
Uwe beim Frühstück © DOMAR Film GmbH

Mal angenommen, man beauftragt euch mit einer neuen Folge des „Schwaben-Tatorts“ um die beiden Kommissare Thorsten Lannert und Kollegen Sebastian Bootz. Welchen Herausforderungen müssten sie sich stellen?
Die beiden müssten erst einmal schwäbisch lernen. Richy Müller (alias Thorsten Lannert) würde sich mit seinen Mannheimer Wurzeln hier sicherlich leichter tun, als Felix Klare (Sebastian Bootz) mit seiner bayerischen Herkunft. Aber auch unabhängig vom Dialekt könnten die beiden gerne ein bisschen kantiger sein und mehr Schwächen haben. Denn leider sind gerade im TV die Helden meist überwiegend mit positiven Charaktereigenschaften besetzt. Wir dagegen mögen die Ecken und Kanten der Menschen, die schließlich jeder von uns hat. Den Mut diese mehr zu zeigen, würden wir den beiden abverlangen.

Der Filmtitel lässt vermuten, dass ihr die HBO-Serie „True Detective“ kennt. Was kann das deutsche Fernsehen – z.B. der „Tatort“ – eurer Meinung nach von solchen US-Formaten lernen?
Das deutsche Fernsehen könnte unserer Meinung nach gerne etwas mutiger sein. Leider ist vieles, was derzeit im TV ausgestrahlt wird extrem weichgespült. Das merkt man an den Figurenkonstellationen, aber auch an den Dialogen. „True Detective“ geht hier einen Schritt weiter und die Zuschauer mögen das. Dass sich die deutschen Redakteure mehr an solchen Formaten orientieren und den Mut für Neues aufbringen, würden wir uns wünschen.Ansonsten sei noch erwähnt, dass wir uns bereits 2012 auf den Titel „Trash Detective“ festgelegt hatten. Also weit vor dem Serienstart von „True Detective“. Dass deren Autor Nic Pizzolatto bei uns abgekupfert hat, sollte aber schwer zu beweisen sein (beide lachen).

Ohne zu viel verraten zu wollen – das Ende eures Films schließt eine Fortsetzung nicht aus. Was plant ihr als nächstes?
Aktuell befinden sich bei uns mehrere Stoffe in der Entwicklung. Zum einen ein Arthouse-Drama, das als Kammerspiel angelegt ist und weg von den herkömmlichen Sehgewohnheiten inszeniert werden soll. Zum anderen eine bayerische Komödie, bei der wir auch dem Dialekt wieder treu bleiben werden. Das geht dann eher in Richtung Dampfnudel-Blues und Weizen (vgl. Frage 1 & 2). Sollte der Sender jedoch eine Fortsetzung von „Trash Detective“ in Auftrag geben, produzieren wir diese natürlich gerne.

Vertrieben von Camino-Filmverleih läuft „Trash Detective“ seit 16. Februar in den deutschen Kinos. Er ist eine Produktion der Filmakademie  Baden-Württemberg in Kooperation mit Domar Film sowie koproduziert mit Südwestrundfunk und Niama-Film.

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