Auf Mallorca gilt Neubau schnell als Maß für das Neue. Die Puro Group widerlegt das auf ihre eigene Art: Ihre interessanteste Geschichte schreibt sie nicht an neuen Adressen, sondern in Häusern, die es längst gibt und die sich wieder neu erfinden. Drei davon ergeben zusammen fast eine Biografie: das Puro Grand Hotel in der Altstadt von Palma, das gerade erst eröffnete Purobeach Resort Santa Ponsa und der ikonische Puro Beach Club nahe dem Flughafen, an dem alles begann.

Vom Palast zum Grandhotel
Wer durch die engen Gassen der Altstadt streift, vorbei am gotischen Lonja-Viertel, der Kathedrale La Seu und dem Königspalast La Almudaina, stolpert fast beiläufig über das, was bis vor Kurzem noch als Puro Oasis Urbano firmierte. Untergebracht in einem mallorquinischen Stadtpalast aus dem 15. Jahrhundert, erzählt das Haus auf engstem Raum die ganze Entwicklung des lokalen Luxustourismus mit: Der katalanische Architekt Lázaro Rosa-Violán hat bei der Gestaltung mehr bewahrt als verändert, steinerne Bogengänge, alte Holzbalken und gepflasterte Böden blieben, terrakottafarbene Wände und vereinzelte Lichtakzente kamen hinzu, ohne die Substanz zu überstrahlen. Im ersten Stock steht noch immer das, was das Haus eigentlich auszeichnet: eine denkmalgeschützte Mudéjar-Kassettendecke mit arabischen Inschriften, älter als jedes Hotelkonzept, das je unter ihr gewohnt hat.

Mit der Umbenennung in Puro Grand Hotel hat sich diese kleine Welt nun deutlich vergrößert, die bislang größte Veränderung in der Geschichte des Hauses, auch wenn sie sich nicht als Bruch liest. Zu den Zimmern kamen weitere Doppelzimmer, Junior Suiten und Suiten, dazu drei Tagungsräume, zwei Restaurants, zwei Dachterrassen und ein Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad und Behandlungsräumen. Zwei Gebäudeflügel lassen sich künftig sogar separat buchen. Was bleibt, ist das Beatnik Market Restaurant im Erdgeschoss mit seiner offenen Küche, in der mediterrane Aromen auf lateinamerikanische und asiatische Einflüsse treffen. Zum Beispiel frittierte Garnelen mit scharfer Mayonnaise, oder ein 36 Stunden geschmortes Short Rib, das die Karte seit jeher prägt.

Hoch über Santa Ponsa
Zwanzig Autominuten weiter westlich verändert sich das Bild vollständig. Aus der Altstadt wird die offene Hügellandschaft von Calvià, aus dem Palast ein Resort: Oberhalb der Bucht von Santa Ponsa hat die Puro Group mit dem Purobeach Resort – Oasis del Mar ihr bislang größtes Projekt realisiert. Nach einem Soft Opening im Sommer 2025 lief Anfang März diesen Jahres die erste vollständige Saison an, und zum ersten Mal verschmelzen hier die beiden Marken der Gruppe zu einem gemeinsamen Flaggschiff: die Beachclub-Linie Purobeach und die Hotelmarke Puro.
Tagsüber liegt balearische Musik über 145 Liegen und Cabanas, abends übernehmen DJ-Sets mit Acts von der Insel. Die 160 Zimmer und Suiten reichen von einfacheren Flow-Zimmern bis zur Oasis del Mar Suite mit Terrasse und Außendusche: In der gut 45 Quadratmeter großen Signature Sea View Suite zieht sich der Wohnbereich bis an eine Terrasse mit freiem Blick aufs Meer.

Im Restaurant Ona, das erst mit der Saison 2026 eröffnete, gibt der Josper-Ofen den Takt vor. Und Küchenchef César García de la Riva weiß, was er damit anfangen kann. Seine Stationen bei Francis Paniego im Echaurren und bei Martín Berasategui hinterlassen Spuren in einer Küche, die auf Einfachheit, Saisonalität und Herkunft setzt: glasierte Garnelen mit Hummersauce, in Zitrone und Kapern geröstete Kartoffeln zu Seehecht-Medaillons, kohlegegrillter Oktopus mit grüner Sauce-Espuma und einer Spur Haselnuss und Vanille.
Wer dem Pool für eine Stunde entkommen will, findet im hauseigenen Spa ein anderes Tempo: Vier-Hand-Massagen, eine fließende kalifornische Variante, japanisch geprägtes Shiatsu, dazu Detox-Anwendungen und eine Aloe-Kur mit kühlender Minze für alle, die es mit der Sonne übertrieben haben.

Wo alles anfing
Am anderen Ende der Insel, Richtung Flughafen, liegt der eigentliche Ursprung der Marke: fast unauffällig, fast bescheiden im Vergleich zu dem, was daraus geworden ist. Begonnen hat die Geschichte allerdings schon ein Jahr früher, im Frühling 2004, als der schwedische Unternehmer Mats Wahlström in Palma sein erstes Purohotel eröffnete. Der Erfolg brachte schnell den nächsten Schritt, einen eigenen Strand für die Hotelgäste. Wahlström fand ihn auf einer schmalen Halbinsel mit Meerblick, eine Lage, die ihn an einen Aufenthalt kurz zuvor in Ses Salines auf Ibiza erinnerte.
Im Juni 2005 eröffnete dort der erste Purobeach überhaupt, zu einer Zeit, als das Konzept eines Beachclubs auf Mallorca noch eine Ausnahme war. Lounge, Terrasse, Pool, ein kleines Restaurant und Wellnessbehandlungen bildeten das Programm: afrikanisch-balinesische Möbel, internationale Küche und vor allem die hauseigene Musik wurden schnell zum Markenzeichen, das sich von Mallorca aus über Marbella, Portugal, das Schwarze Meer und Dubai verbreitete.

Wahlström selbst blieb der Marke allerdings nicht verbunden: Zehn Jahre nach der Gründung, 2014, verkaufte er seine Anteile an eine Investorengruppe um Beltrán Álvarez de Estrada, der seither die Geschicke der Puro Group als Geschäftsführer lenkt und der das Unternehmen seitdem deutlich vergrößert hat, vom zweiten mallorquinischen Beachclub in Illetas bis zum jüngsten Flaggschiff in Santa Ponsa. Der Ursprungs-Club in Palma selbst hat davon nichts verloren: 2025 feierte er sein zwanzigjähriges Bestehen, noch immer auf derselben Halbinsel, noch immer mit demselben Blick aufs Meer.
Seine Nähe zum Flughafen macht ihn zugleich zu einem naheliegenden letzten Treffpunkt vor Abreise. Wer die Insel über die Häuser der Puro Group erlebt, landet so in einer Reihenfolge, die sich von selbst ergibt: ein paar Tage oberhalb von Santa Ponsa, dann urbane Tage in der Altstadt von Palma, und ganz am Ende noch einmal Wasser, Wind und ein letzter Blick aufs Meer.






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