Skip to content →

Deutschland Travel 6. Juni 2018

Places we love: Cerês am Meer

Der Wind peitscht mit über 50 km/h über die Standpromenade von Binz. Die zahlreichen, schneeweißen Villen, die während der Spätzeit des deutschen Kaiserreichs entstanden, stehen Kopf an Kopf. Eine wirkt herausgeputzter als die Andere. Hier ein Türmchen, da ein Erker sowie unzählige Säulen und Zierfriese als auch aufwendig ornamentierte Balkone und Veranden.

Architektur kennt in Binz keine Grenzen, könnte man meinen, wenn man sieht, wie sich die zahlreichen Stile vermischen: Hier ein bisschen Jugendstil, da ein wenig Renaissance sowie Gotik und /oder Klassizismus. Bäderarchitektur eben. Knapp 50 Häuser zähle ich auf der etwa drei Kilometer langen Promenade, die mit wenigen Ausnahmen allesamt Fremdenzimmer und Ferienwohnungen anbieten. Nach der Wende, so las ich, wurde in Binz vieles renoviert und eine Menge Mittelmäßiges gebaut, was dazu führte, das der Kurort an Eleganz und Charme verlor. Leider.

Unweit der Seebrücke und dem rekonstruierten Kurhaus befindet sich jedoch ein dreistöckiges, klassizistisches Gebäude, welches mit seiner erhabenen Glaskuppel aus der „klassischen“ Bäderarchitektur heraussticht: Das Cerês am Meer. Moritz Lau-Engehausen, Architekt und Inhaber des Hauses, hat sich dort seinen Traum verwirklicht.

Ich stehe in der dunklen Empfangshalle des Hotels, während durch die französischen Fenster in der Lobby das Licht auf das Mobiliar in Schwarz-, Silber- und Platintönen fällt. Ich blicke nach draußen. Zahlreiche Touristen drängen über die Hauptstraße, stehen an der Eisdiele, bei Gosch oder beim Bäcker an oder laufen auf der Seebrücke hin und her.

Im Cerês hingegen ist es ruhig. Schnell wird mir klar, dass das Cerês der ideale Ort in Binz ist, um sich zurückzuziehen und die Ruhe zu genießen. Gerade mal fünfzig Zimmer und Suiten zählt das Hotel, ein Luxus, der seinen Preis kennt. Alles ist schlicht und puristisch, Bilder sind keine zu finden.

Unser Freund Tomas Niederberghaus schrieb vor einigen Jahren in der Wochenzeitung DIE ZEIT folgendes: „Purismus zieht sich nicht nur durch Küche und Keller, sondern durch das ganze Haus. (…) Auch in den 50 Zimmern und Suiten findet man keinen Tinnef, nichts, was das Auge sinnlos anstrengt. Die Reinheit des Meeres und der Luft spiegelt sich hier in Form und Sprache und auch in den Materialien wider. In den großen Bädern, die vom Rest des Zimmers durch zwei Flügeltüren getrennt sind, zum Beispiel chinesischer Sandstein, der einen hohen Quarzanteil hat und das schlichte Waschbecken als ein Kunstwerk erscheinen lässt. Oder die feine Baumwolle, die sich um die Kissen im Bett spannt, aus dem man morgens auf das Blau des Meeres blickt und am liebsten nie mehr aufstehen möchte.“ Dem sei nichts hinzuzufügen.

Und dann gäbe es da natürlich noch das Negro, das hauseigene Restaurant, welches gewiss zu den besten kulinarischen Adressen in Deutschland gehört.

Die Sonne ist mittlerweile fast untergegangen. So langsam machen sich auch die letzten Surfer auf den Weg nach Hause. Der Wind ist weniger geworden. Ein Glück, denke ich, ist es hier zu sein, während ich auf das dunkelblaue Meer durch die riesigen Fenster des Restaurants blicke. Und ein Glück, dass man im Cerês das Gefühl bekommt, als würde die Ostseeinsel Rügen und deren unfassbare Landschaft nur Dir ganz alleine für einen Moment gehören.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Design Hotels entstanden. Der vorliegende Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider. 

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.