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Design Interior 9. Oktober 2018

Inspired by NUTSANDWOODS und Philipp Roessler

Philipp machte sich 2013 auf die Suche nach dem perfekten Holztisch. Das Label NUTSANDWOODS war geboren. Geschichten, die wir lieben. Zeit für eine neue Folge „Inspired by“.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, ein Möbellabel zu starten? Die Konkurrenz ist schließlich groß und der Markt hart umkämpft. 

Die Idee hatte ich gar nicht, ich habe mich nie hingesetzt und überlegt, ein Möbellabel zu gründen.  Ich wollte aber schon immer ganz spezielle Möbel für mich selber haben, mich auf eine ganz spezielle Art selbst einrichten. Mein tägliches Umfeld, indem ich mich befinde, ist mir einfach extrem wichtig, da es einen großen Teil meines Lebens ausmacht. Da ich die für mich passenden Stücke damals nirgendwo gefunden habe, weder online, noch im echten Leben, habe ich quasi aus dieser Not heraus selber mein erstes Stück, den Oak Steel Table gebaut. Der Weg dahin ist eine längere Story. Vom Ergebnis begeistert, kamen dann nach und nach weitere Stücke dazu. Viele Freunde und Menschen in meinem Umfeld wollten die Möbel dann einfach auch haben, und so habe ich sie dann auch anderen gebaut bzw. eine Produktion aufgebaut. Denn nach dem fünften selbstgebauten Tisch habe ich gemerkt, dass ich gar nicht die Zeit habe, das weiter zu machen, auch wenn ich mich sehr verliebt habe in das Gestalten mit Holz.

Sich selbstständig zu machen, heißt auch immer, Mut zu haben. Welche Herausforderungen haben sich seit der Gründung von NUTSANDWOODS Dir in den Weg gestellt?

Ich hatte bereits mit meiner Digitalagentur yoocon, die ich vor 13 Jahren gegründet habe, meinen Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Ich hatte zwar damals das große Glück, in Festanstellung für spannende Marken wie Audi, Coca Cola und einige mehr Webseiten gestalten zu dürfen. Damals fühlte ich mich dann aber von den „politischen“ Erfordernissen so eingeengt und gebremst, dass ich einfach den Schritt in die Selbstständigkeit als weniger herausfordernd empfunden habe, als wie gehabt weiter zu machen. Ich glaube, heute würde ich kein Möbeldesignlabel mehr starten mit der Absicht, mein Brot damit zu verdienen. Das haben in den letzten paar Jahren wirklich genug Leute gemacht. Klar hatten wir ohne Ende Herausforderungen. Manchmal frage ich mich selbst, was mich dazu getrieben hat, das Ganze weiterzumachen. Aber das Feedback ist einfach immer wieder so toll, dass ich gar nicht aufhören kann.

Heutzutage ist es glücklicherweise nahezu unmöglich, das Thema „Nachhaltigkeit“ bei der Gründung einer Firma außer Acht zu lassen. Wie sieht es bei NUTSANDWOOD aus? Und wo findet eure Produktion statt?

Nachhaltigkeit ist für mich auch deswegen persönlich besonders wichtig, weil wir mit unserer Digitalagentur yoocon das Nachhaltigkeitsmagazin „we care“ für die Deutsche Telekom entwickelt haben und laufend betreuen. Dabei bekomme ich immer wieder mit, wie wenig selbstverständlich das Glück ist, das wir unter diesen tollen Bedingungen auf unserem Planeten leben können. Wir alle wissen, das ein Großteil des Klimawandels transportbedingt ist. Das fängt beim Holztransport zur Werkstatt an und endet bei der Auslieferung. Um nur ein Beispiel zu nennen, sourcen wir unser Holz so lokal wie möglich. Bei den Auslieferungen kümmern wir uns um die Rücknahme aller Transportverpackungen und deren umweltgerechte Entsorgung. Gerade auch unsere Produkte selbst spielen hier eine enorm wichtige Rolle. In der heutigen Wegwerfgesellschaft, in der ein Schrank einer bekannten schwedischen Möbelkette kaum den Transport in die nächste Wohnung überlebt (und wir alle wissen, wie oft wir in Berlin umziehen) finde ich es persönlich sehr wichtig, Möbel zu haben, die ein Leben lang halten. Wir haben so nicht nur mehr Freude an den eigenen Möbelstücken, weil sie einfach besser aussehen und gebaut sind, wir behalten sie auch einfach länger, weil wir uns viel länger damit wohl fühlen. Mein Tisch soll im besten Fall auch noch bei den Urenkeln stehen.

Woher nimmst Du deine Inspiration? Spielt Berlin als Standort für Dich eine Rolle? Und wen möchtest Du mit deinen Möbeln ansprechen?

Wie gesagt habe ich die Möbel aus eigenem Interesse für die eigenen vier Wände gebaut. Ich habe schon als kleines Kind eine große Begeisterung dafür entwickelt, die eigene Umgebung möglichst schön zu gestalten. Ich erinnere mich, dass es Zeiten gab, in denen ich mehrmals am Tag mein Zimmer umgeräumt habe. Mein Stil ist insofern sehr lange gereift. Das Umfeld in Berlin, aber auch in anderen tollen Städten wie London, Kopenhagen oder Paris ist natürlich auch eine große Inspirationsquelle. Gerade in unserer Café-Kultur gibt es so unfassbar tolle Beispiele.

Lass uns einen Blick in die Zukunft wagen: Was für Einrichtungstrends erwarten uns? Was denkst Du? Und was dürfen wir in Zukunft von NUTSANDWOODS erwarten?

Meine Beobachtung ist, das der Interior-Bereich immer mehr wie Fashion wird. Möbeltrends werden immer kurzfristiger. Erst war Kupfer „in“, dann Messing, dann Chrom und wieder Glas. Ein Stück weit finde ich diese Entwicklung interessant. Mir ist bei all den Trends aber auch sehr wichtig, Stücke zu entwerfen, die langlebig sind. Deswegen mag ich es nicht, wenn Möbel zu „designig“ sind – wie das für meinen Geschmack bei 95% der Designmöbel der Fall ist – das liegt natürlich auch auf der Hand. Trotzdem ist es mir wichtig, Möbel so zu bauen, dass sie zeitlos sind, und durch ihre tollen, hochwertigen und langlebigen Materialien ein wundervolles Raumerlebnis schaffen. Ich habe in den letzen Monaten sehr viel Energie in neue Stücke gesteckt, angefangen von neuen Stuhlmodellen, über neue Sofas bis hin zu Leuchten. Ich kann es kaum erwarten, bis die alle fertig und serienreif sind. Wir werden in naher Zukunft einige neue Produkte rausbringen, die ich persönlich sensationell schön finde.

Philipp Roessler

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