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Best Of Europa Travel 19. Mai 2017

Montenegro: Ein Land voller Kontraste

„Kačamak“ ist eines meiner montenegrinischen Lieblingsgerichte, lässt mich Stevan wissen. Vor allem, wenn ich in den Bergen unterwegs bin, ist jene käsige Polenta die perfekte Grundlage für eine mehrstündige Wanderung. Der Kellner bringt mir ebenso eine kleine Portion sowie ein Keramiktasse, die bis oben hin mit Sauermilch gefüllt ist. Hinzu kommt eine Portion gegartes Lammfleisch, luftgetrockneter Schicken (njeguški pršut) sowie Käse (njeguški sir), der in seiner Konsistenz stark an Ricotta erinnert.

Wer nach Montenegro reist, sollte ordentlich Hunger mitbringen. Während Stevan völlig unbeeindruckt, Löffel für Löffel die käsigen Polenta bzw. Kalorienbombe isst, sich nebenbei ein Stück pita abreißt und einen kräftigen Schluck seiner Sauermilch nimmt, komme ich langsam ins Schwitzen. Wer soll das alles essen, denke ich und probiere ein Stück Lammfleisch, das so zart ist, das es auf meiner Gabel zerfällt. Nicht nur die Landschaft Montenegros ist eine Überraschung für mich, sondern auch deren Kulinarik.

Stevan, der für die Regierung Montenegros in der Hauptstadt Podgorica arbeitet, liebt die Natur und die Berge seines Landes und zeigt aus dem Fenster des Restaurants auf das Bergmassiv Durmitor, das sich hinter einer dichten Nebeldecke versteckt hat. Immer wenn es möglich sei, steigt er in sein Auto, um die Natur der Stadt vorzuziehen, zu fotografieren, zu wandern, zu zelten. Ich verstehe genau, was Stevan meint und versuche meinen Magen mit etwas šljivovica (Pflaumenschnaps) zu beruhigen.

© Stevan Zugic

Unsere gemeinsame Tour startet in Zabljak, eine Kleinstadt im Zentrum des Durmitor-Nationalparks. Nach nur zehn Minuten zu Fuß erreichen wir einen wunderschönen Bergsee mit dem Namen „Crno Jezero“, der noch schöner wäre, wenn nicht jeder Zweite hier mit überdurchschnittlich langen Selfie-Stangen rumwedeln würde.

© Stevan Zugic

Zurück in Zabljak machen wir uns mit dem Auto auf den Weg in die ausladende Hochebene, an der sich die Berge bis zu 2500 Meter hoch erheben. Stevan kennt die Umgebung wie seine Westentasche, lässt er mich wissen, während er auf der einspurigen Straße tiefen Schlaglöchern ausweicht und sich gar nicht die Mühe macht, irgendwo ein Straßenschild für den richtigen Weg zu finden. Wie aus dem Nichts kreuzt eine Herde Schafe samt Schafhirte die Straße. Das nahezu baumlose und sattgrüne Plateau auf 1.500 Metern Höhe macht mich sprachlos und zugleich glücklich. Auf den Gipfeln des Gebirges liegt Schnee.

© Stevan Zugic

In welchem Land kann man am gleichen Tag Skifahren, um wenige Stunden später im Meer zu schwimmen, fragt mich Stevan und grinst dabei. Die Straße wird immer schmaler, bis wir letztendlich vor einer meterhohen Schneedecke stehen bleiben. Da die Straße zu eng ist, um zu wenden, fahren wir rückwärts zur nächstmöglichen Wendemöglichkeit. Neben uns geht es mehrere hundert Meter in den Abgrund und ich halte mich etwas fester als sonst am Haltegriff des Autos fest. Einerseits aus Angst, weil ich befürchte, dass unser Auto gleich hunderte Meter in die Tiefe stürzt und in 1000 Teile zerspringt, andererseits, weil ich perplex von der unberührten Landschaft Montenegros bin.

© Stevan Zugic

Kluge Marketingleute haben Montengro den Beinamen „Wild Beauty“ gegeben. Doch dieser Beiname ist weitaus mehr als eine leere Worthülse. Wer ist nicht glaubt, sollte eine Reise in den Durmitor-Nationalpark machen… Zumindest so lange es noch ein Geheimtipp ist.

© Stevan Zugic

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