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Anzeige Travel 30. April 2018

Places we love: Die Jugendherberge Nürnberg

Nürnberg meint es gut mit mir, denke ich, während die Sonne langsam hinter der Burg verschwindet. Auf der Wiese, unweit der wohl schönsten Jugendherberge Deutschlands, sitzt eine Gruppe Jugendlicher, die Bier und Wein aus Tetra Pak trinkt und eine große Freude daran hat, Chromkorken durch die Gegend zu schnipsen, die wiederum von einem aus der Gruppe aufgesammelt werden. Und dann ist da noch jenes Pärchen, welches ihre Verliebtheit mit einem Smartphone einzufangen versucht sowie eine mittelgroße Schulkasse, die sich mit mir gemeinsam das steile Koptsteinpflaster zum Eingang der Jugendherberge hinauf plagt.

Bereits seit 1983 ist die Jugendherberge Nürnberg in der ehemaligen Kaiserstallung der Burganlage untergebracht. Seitdem hat sich einiges geändert. Zwei Jahre lang dauerte der Umbau, der um die 20 Millionen Euro kostete und 2013 fertiggestellt werden konnte. Ich streiche mit meiner Hand über das dicke alte Gemäuer aus Sandstein, ehe ich durch die Glastür trete. Während ich mich vor der Burganlage fühle, als wäre ich einige Jahrhunderte in die Vergangenheit gereist, überrascht mich im Eingangsbereich der Jugendherberge ein strahlend mattweiser Empfangstresen, Designlampen, ledergepolsterte Hocker und ein überaus freundlicher Rezeptionist.

Ein paar Jungs in Flip Flops und ein paar Mädels in kurzen Shorts schlurfen durch den Speisesaal zum Abendessen. Es gibt Schweinebraten und Blaukraut. Das Essen ist lecker und von öden Eintöpfen und Hagebuttentee gibt es keine Spur. Ein Lehrer schimpft, weil sich scheinbar ein Schüler seiner Klasse in der vergangenen Nacht in das Zimmer seiner Mitschülerinnen geschlichen hat. Neben mir sitzt ein junge Frau aus Japan, die mit ihrem Laptop, vermutlich ein Skype Call, über ihre Deutschland- und Nürnbergreise spricht und bis über beide Ohren strahlt. Und ein paar Einzelreisende, die in ihren dicken Lonely Planet Ausgaben blättern sowie eine junge Familie, deren Baby seelenruhig im Kinderwagen schläft, obwohl zugegebenermaßen die Lautstärke im Speisesaal gewöhnungsbedürftig ist.

Von dem verstaubten Image deutscher Jugendherbergen spüre ich hier dennoch nichts. 93 Zimmer mit 355 Betten zählt die Jugendherberge in Nürnberg. Wer karge und triste Zimmer erwartet, täuscht sich. Viel mehr designorientierte, zweckmäßige Zimmer mit einem eigenen Bad, separater Toilette und kostenfreien WLAN.

Nun gut: Natürlich sind Jugendherbergen nach wie vor ideal für Schulklassen, Vereine und Familien. Und das merke ich bereits am frühen Morgen, als meine Zimmernachbarn ihre Tür ins Schloß knallen lassen, zwei pubertierende Mädchen im Flur um die Wette kreischen und ein Lehrer bereits beim Frühstück die Hände über seinem knallrotem Kopf zusammenschlägt.

Auf der anderen Seite: Wann bekommt man schon die Möglichkeit in einer Burg zu schlafen? Und wann möchte man am liebsten mal wieder Schüler sein? Vermutlich in einer Jugendherberge

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Deutschen Jugendherbergswerk entstanden. Der Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider.

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