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Design Deutschland Hotels Interior Travel 4. März 2026

Eingecheckt: Hotel Château Royal Berlin

Die Johannisstraße ist eine der unaufgeregteren Straßen in Berlin Mitte. Wenig Touristenströme, wenig Lärm. Das Château Royal liegt genau hier: Zwei historische Gebäude, eine dezente Neonschrift über dem Eingang, und drinnen über hundert Kunstwerke sowie eine der besten Hotelbars der Stadt. Und Zimmer, in denen man am liebsten für immer bleiben möchte.

Wer die Johannisstraße entlangläuft, wird das Haus fast übersehen. Keine wuchtige Marquise, kein uniformierter Türsteher, kein Schild in goldenen Lettern, das einem sagt, dass man jetzt irgendwo Bedeutendes angekommen ist. Stattdessen: eine Fassade, die von der Geschichte der Stadt erzählt, und ein kleines Neonschild, das den Namen ankündigt. David Chipperfield, der das historische Ensemble aus zwei Altbauten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu einem kohärenten Ganzen verbunden hat, wusste, was er tat.

© Felix Brüggemann

Die Inneneinrichtung stammt von Irina Kromayer, die Materialien und Formen aus beiden Epochen aufgegriffen hat: Fischgrätenparkett, handgefertigte Fliesen, Marmor, Nickel, Eiche. Das wirkt nicht historisierend, sondern handwerklich solide: Ein Unterschied, der im Alltag des Aufenthalts spürbar ist.

Das Château Royal ist kein Hotel, das seine Gäste mit einer Lobby empfängt. Es empfängt sie mit einer Stimmung. Wer das Haus von Stephan Landwehr kennt, jahrelange Instanz in Berlins Gastro- und Kulturleben, Mitgründer des Grill Royal, der ahnt, dass hier kein Zufallsprojekt entstanden ist. Und wer die Handschrift seiner Partnerin Kirsten Landwehr erkennt, die früher als Galeristin arbeitete und für die Kunstauswahl des Hauses verantwortlich ist, versteht, warum der Ort so ungewöhnlich geschlossen wirkt: Jeder Winkel ist durchdacht, ohne je durchdacht zu wirken.

In Zusammenarbeit mit dem KW Institute for Contemporary Art hat Kirsten Landwehr Werke von über hundert Künstlern zusammengetragen, die mit den unterschiedlichsten Medien arbeiten: von Malerei und Fotografie bis hin zu Installation und Performance-Dokumentation.

Die Zimmer

Jedes der 93 Zimmer zeigt das Werk eines anderen Künstlers, darunter bekannte Namen wie Damien Hirst und Anne Imhof, aber auch weniger etablierte Positionen, die man erst entdecken muss. Die Werke sind nicht museumspädagogisch präsentiert, sondern dort, wo sie hingehören: als Teil des Raumes, nicht als plumpe Dekoration. Das Design ist bewusst zurückhaltend: Rattankopfteile, maßgefertigte Eichenmöbel, Vintage-Keramikleuchten, weil es als ruhiger Hintergrund für die Kunst gedacht ist, nicht als Konkurrenz dazu.

Als Kosmetikprodukte gibt es Saint Charles Apothecary aus Wien, und statt einer Kapselmaschine eine kuratierte Auswahl an Tees und hochwertigem Kaffee. Der Fernseher verschwindet hinter einer Holzverkleidung, wenn man ihn nicht braucht. Wer eine Badewanne möchte, bucht eine Suite, die Standardzimmer haben großzügige und sehr schöne Walk-in-Duschen.

© Felix Brüggemann

Die Lage

Unter den Linden, die große Prachtstraße des alten Ostberlin, ist eine Gehminute entfernt. Das Brandenburger Tor nur zehn Minuten. Die Boros Collection, eine der interessantesten Privatsammlungen zeitgenössischer Kunst weltweit, ebenfalls. Friedrichstraße: Einkaufen, U-Bahn, Tram, und mittendrin ein paar der vernünftigeren Cafés der Stadt, liegen um die Ecke. Wer morgens laufen möchte, ist auch relativ schnell im Tiergarten und Abends in der Staatsoper. Wer einfach in der Nachbarschaft bleibt, findet in Gehdistanz genug Restaurants und Bars, um eine ganze Woche zu füllen, ohne dasselbe zweimal zu besuchen.

Das Erdgeschoss ist ein kleines Labyrinth aus Räumen, die alle unterschiedlich möbliert und beleuchtet sind, aber zusammen eine Einheit ergeben: Empfang, Bar, Innenhof, Salon mit Kamin, Frühstücksraum, Restaurant. Der Empfangstresen ist so beiläufig platziert, als wäre er nachträglich ergänzt worden: knapp unter der Haupttreppe, fast entschuldigend klein.

© Felix Brüggemann

Essen und Trinken

Das Restaurant liegt direkt neben der Lobbybar, was es auch für späte Anreisen zur unkomplizierten Option macht. Die Küche ist mediterran ausgerichtet und saisonal gedacht, und die Weinkarte umfasst über 250 Positionen, wobei der Schwerpunkt auf Burgund und Winzer-Champagner liegt, ohne dass die übrige Welt dabei vergessen würde.

Die Bar ist eine eigene Geschichte. Das Team arbeitet mit einer Ernsthaftigkeit, die man nicht überall findet, und einem Humor, den man noch seltener antrifft.Der Negroni Sous Vide wird mit Amalfi-Zitrone und sizilianischer Blutorangen-Schale bei 62 Grad zubereitet: Kein Effekt, sondern das Ergebnis von jemandem, der wirklich verstanden hat, was in diesem Drink steckt.

Leider gibt es kein eigenes Spa im Haus. Stattdessen eine Kooperation mit dem Holmes Place am Gendarmenmarkt, zehn Fußminuten entfernt. Wer dort ankommt, findet eine große Anlage mit Spezialgeräten, Schwimmbad, Sauna und Dampfbad. Zusätzlich gibt es im Hotel einen wöchentlichen Run Club, Leihfahrräder und saisonal Fitnesskurse auf der Dachterrasse.

© Felix Brüggemann

Das Frühstück folgt demselben Prinzip wie das restliche Haus: weniger, aber besser. Die Auswahl ist bewusst klein gehalten: Pastrami, frischer Joghurt, Gemüse und Obst, sorgfältig ausgewähltes Gebäck, gutes Brot. Alles, was auf dem Tisch steht, hat man sich offensichtlich überlegt. Kein Buffet, das durch schiere Masse beeindrucken will, sondern eines, das durch Qualität überzeugt.

Irgendwann am zweiten oder dritten Abend passiert etwas, das man von Hotelaufenthalten nicht unbedingt erwartet: Man will nicht mehr weg. Nicht wegen des Komforts, nicht wegen der Lage, sondern weil das Haus eine Eigenlogik entwickelt hat, der man sich schwer entziehen kann. Das Kunstwerk an der Zimmerwand, das man beim ersten Hinsehen für selbstverständlich hielt. Die Bar, an der man länger sitzt als geplant. Der Innenhof am Abend. Und die Gäste, die dort ein- und ausgehen.

© Felix Brüggemann

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