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Feuilleton Musik Personal 22. Dezember 2014

Udo Jürgens: alles andere als Schlager

Gerade vor wenigen Tagen habe ich noch von meiner Begeisterung mit Freunden über Udo Jürgens gesprochen, täglich mir ein paar Strophen seiner Lieder durchgelesen und dabei festgestellt, wie viel Poesie in seinen Texten steckt. Während ich in meiner Adoleszenz noch nicht so recht verstehen konnte, weshalb meine Eltern gerne Schalplatten von Udo Jürgens hörten, kann ich es spätestens jetzt verstehen. Oder zumindest ein klein wenig besser.

Vor Kurzem noch wurde sein 80. Geburtstag besonders innig gefeiert und ich hatte das Gefühl, dass der wohl populärste Entertainer der Nachkriegszeit für immer auf der Bühne stehen wird. In seinem Leben zählte vor allem eines: die Musik, am Flügel sitzen, das Komponieren und Tourneebühnen. Und natürlich die Liebe. Udo Jürgens war alles andere als ein langweiliger Schlagerfuzzi, der dadurch auffallen musste, dass er seine Zugaben im weißen Bademantel spielte. Er verzauberte sowohl mit seiner an den Chanson erinnernden Perfomance als auch mit seinen zahlreichen mitreißenden Geschichten aus dem Leben. Manchmal melancholisch, nachdenklich, aber stets frisch. Er war ein deutschsprachiger Künstler, wie es ihn vermutlich nicht mehr geben wird.

Vor Monaten hatte ich mir schon Karten für seine nächste geplante Tournee gewünscht und freute mich auf das kommende Jahr, um Ihn endlich live singen zu hören. Für mich verkörperte niemand die Ewigkeit des Lebens so gut, wie Udo Jürgens. Doch das alles ein Ende haben wird, gehört nun mal zum Leben. „Warum nur, warum?“ Am Sonntag ist Udo Jürgens in Gottlieben, Schweiz, im Alter von 80 Jahren gestorben. Sein Herz hörte auf zu schlagen. Ich finde es schrecklich diese Zeilen zu schreiben, weil ich digitale Nachrufe oft für verlogen und anmaßend halte. Und auch, wenn Udo Jürgens für mich ein fremder Mensch gewesen ist. Seine Musik machte ihn so nah. „Adieu, Adieu, Adieu. Deine Tränen tun weh, so weh, so weh.“ Und seine Musik wird schrecklich fehlen. Vor allem, weil ich erst in den letzten Jahren verstanden haben, was er uns mit seiner Musik sagen wollte.

 

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