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Europa Travel 6. September 2017

Wie im Bilderbuch: Unterwegs in Småland

„Bitte dem Straßenverlauf für 100 Kilometer folgen.“, lässt mich die Stimme meines Navis wissen. Links und rechts ziehen Kieferwälder an mir vorbei, mal ein See, mal moosbewachsene Felsen, mal eine Baustelle auf der Gegenfahrbahn. Oder ein paar rote Holzhäuser, die sich hinter den meterhohen Bäumen verstecken. Und natürlich das ein oder andere gelbe Schild mit einer Elchsilhouette.

Wer nach Schweden reist, sucht vermutlich vor allem eines: eine unberührte Natur, Stille und das einfach Leben. Und Dörfer, in denen die Zeit still zu stehen scheint, wie man es aus Astrid Lindgrens Büchern kennt. All das findet man heute noch in Småland im Süden des Landes, jene Region in der Astrid Lindgren lebte. Jeder, der ihre Bücher wie „Die Kinder aus Bullerbü“, „Michel aus Lönneberga“ oder „Pippi Langstrumpf“ gelesen hat, wird sofort ein Bild von Småland vor Augen haben, auch wenn er noch nie dort war.

Und wer sich etwas besser mit Schweden auskennt, wird sicherlich auch schon mal von „Glasriket“, also dem sogenannten Glasreich gehört haben. Die Stadt Växjö und die Gegend östlich davon sind Schwedens Zentrum der Glaskunst. Hier gibt es im Umkreis von 80 Kilometer 15 Glashütten, in denen traditionelle Glasbläser am Werk sind. Zum Beispiel die 1890 gegründete Glashütte Målerås, die vor allem bekannt ist für die filigranen Tierreliefs des Glaskünstlers Mats Jonasson.

„In 500 Meter rechts abbiegen“, meldet sich mein Navi zurück. Auf dem Ortsschild steht in verwaschenen Buchstaben Mörtfors, das der Name eines idyllisch kleinem und an der E22 gelegenem Dorf zwischen Västervik und Oskarshamn ist. Zeit für eine ausgedehnte Fika in der Pension von Mörtfors. Dieser Ort ist so unglaublich, denke ich, während ich einen Schluck Filterkaffee aus einer antiken Kaffeetasse trinke und mir ein Stück selbst gebackenen Kuchen von einer goldumrandeten Kuchenplatte nehme.

85 Menschen leben in dem kleinen Dörfchen, viele davon sind selbstständig sowie freischaffende Künstler oder können mittlerweile mit Hilfe einer schnellen Internetverbindung digital arbeiten. Auch wenn das einige Jahre gedauert hat, wie mich Eric Ciardi, der für die Region Kalmar arbeitet, wissen lässt. „Seit wenigen Jahren gehen vermehrt wieder junge Leute aus der Stadt zurück aufs Land, weil bezahlbarer Wohnraum in Stockholm, Kalmar und Gothenburg einfach zu teuer geworden ist. Und sich außerdem mehr und mehr junge Leute, die keine klassische Karriere beispielsweise als Anwalt  machen wollen, einfach nach mehr Ruhe, Selbstbestimmtheit und Ausgeglichenheit für ihre Arbeit und ihr Leben suchen.“ so Ciardi.

Genauso wie das Lena Göransson vor 20 Jahren machte, als sie 1997 die Gelegenheit bekam, den alten Hof ihrer Großeltern „Tofvehult“ mit ihrem Ehemann Peter zu übernehmen, wo Lena als Kind ihre Sommer verbrachte. 18 Jahre führte Lena auf dem Hof ein international bekanntes Café. 2016 erfand Lena und Peter den Hof „Tofvehult“ wieder einmal neu und verwandelte ihn in das Retreat, Konferenz- und Ferienzentrum „A way of life.“

Die Welt schrieb vor kurzem, dass „Lagom Hygge als neuen Lifestyle-Trend ablöst“. „(…) Lagom heißt die neue Zauberformel aus dem Land der Elche, und sie verspricht nicht weniger als die schwedische Formel zum Glück.“ so die Autorin. Ich glaube mittlerweile etwas mehr verstanden zu haben, was diese schwedische Formel ausmacht. Eine Reise nach Småland ist auf jeden Fall ein guter Start dafür.

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Visit Småland entstanden. Der vorliegende Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder.

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