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Food Lifestyle 14. April 2017

Viel zu kostbar für den Müll: Lebensmittelverschwendung in Deutschland

50% unserer Lebensmitteleinkäufe landen im Müll. Das sind 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln in Deutschland, die pro Jahr weggeworfen werden. Ein Wert, der in einer Welt, in der Hunger herrscht, unvorstellbar hoch ist. Ein Hauptgrund für die Verschwendung ist folgender: wir erwarten kerzengerade gewachsene Gurken, Äpfel ohne braune Stellen und perfekt geformte Kartoffeln. Doch nicht nur wir als Verbraucher sind Schuld an dem Dilemma. Laut WWF landen 60% der Lebensmittel bereits im Müll, bevor sie unsere Supermärkte überhaupt erreichen. Grund dafür ist, dass die Landwirte bereits auf dem Feld, das „taugliche“ von dem „untauglichen“ Obst und Gemüse trennen. Der WWF prophezeit, dass 10 Millionen Tonnen eingespart werden können, wenn sowohl wir als Verbraucher, als auch die Landwirtschaft am gleichen Strang ziehen.

„Taste the Waste“: Ein Film, der Licht ins Dunkle brachte

Mittlerweile ist es sechs Jahre her, dass Valentin Thurn mit seinem Film „Taste the Waste“ für Aufruhr in Deutschland gesorgt hat. Bis dato war das Thema Lebensmittelverschwendung in  Deutschland regelrecht unbekannt. Bis sich 2011 Valentin ausgiebig mit diesem Thema befasste. Auf der Suche nach Antworten wendete er sich an Politiker, Landwirte und an die Manager der Supermarktketten. Das Ergebnis: Niemand der Befragten war sich dem Ausmaß der Verschwendung bewusst. Der Film Taste the Waste durchleuchtete erstmals die Hintergründe der Verschwendung und hatte zur Folge, dass auch die Politik sich diesem Thema annahm.    

Heute, sechs Jahre später, ist endlich eine Besserung in Sicht. Laut Thurn liegt jedoch noch viel Arbeit vor uns, was logisch ist, denn solch ein Thema, was unsere Gesamtgesellschaft betrifft, kann sich nicht von heute auf morgen etablieren. In Deutschland haben sich viele kleine Initiativen gebildet, die der Verschwendung entgegenwirken wollen. Und auch die Industrie zieht mit. Bei Penny und anderen Discountern findet man neben dem „normal“ geformten Gemüse auch das mit den „Makeln“. Eine positive Entwicklung, die auch uns Verbraucher zum Umdenken animieren sollte. „Habe keine Angst vor der Perfektion: Du wirst sie nie erreichen.“  Ein Zitat von Salvador Dali, das auch zu unserer Vorstellung vom perfekten Gemüse passt, nämlich, dass es perfekt nicht gibt!

Als gutes Beispiel geht uns Großbritannien voran. Hier wird die Müllverschwendung als ernstzunehmendes Thema verstanden und öffentlich behandelt. Firmen, die mit Lebensmitteln handeln müssen mit ihren Müllzahlen transparent umgehen. Ein, von der Regierung geregeltes Anliegen, das funktioniert. Sowohl Industrie, Regierung und Verbraucher ziehen an einem Strang und entwickeln Kampagnen und Initiativen um dem Müll vorzubeugen. Ein System, von dem wir uns was abschauen können.

Die Einführung von Müllgebühren als Lösung?

Doch, wie kommen wir aus unserem Dilemma wieder raus? Die Einführung von Müllgebühren ist laut Thurn das Heilmittel. Nur Firmen, die bei einer Verschwendung finanziell bestraft werden, lernen sorgsamer mit Lebensmitteln umzugehen. Was jedoch das große Problem in Deutschland ist: Unsere Rohstoffe sind viel teuer als unsere Arbeitskraft. Für Firmen ist es oftmals lohnender, Produkte zu entsorgen, als den massiven Arbeitsaufwand zu finanzieren. Ein System, das wiederum nur von unserer Regierung in Form von Geldstrafen gestoppt werden kann.

Aber auch wir müssen uns an der eigenen Nase packen. Als Gesellschaft haben wir verlernt, unsere Lebensmittel als wichtige Rohstoffe zu schätzen. Bei Schleuderpreisen im Supermarkt fällt uns das bewusst schwer. Wer sich aber mal genauer mit dem Prozess der Lebensmittelherstellung und der Ernte befasst, der merkt schnell, welch ein enormer Kraftaufwand dahinter steckt. In anderen Teilen der Erde verhungern noch immer Menschen und wir werfen mal eben so die Hälfte unserer Lebensmittel in den Müll. Ein absurder Gedanke, der nur in unserer Wohlstandsgesellschaft vorherrschen kann.

Think Global, Shop Local

Als Tipp für den nächsten Einkauf ist es ratsam, beim Bauern auf dem Markt einzukaufen. Bei lokal produzierten Nahrungsmitteln bekommen wir wieder mehr Bewusstsein über die Herstellung unserer Lebensmittel und können unsere Rohstoffe wieder mehr schätzen. Initiativen wie „Zu gut für die Tonne“ und „Taste of Heimat“ animieren außerdem unser Kaufverhalten zu hinterfragen, mit Tipps und Tricks, wie wir bewusster und effizienter einkaufen.

Letztendlich ist völlig egal wer nun Schuld an der immensen Verschwendung hat. Fakt ist, dass wir Verbraucher mit der Politik, der Landwirtschaft und der Industrie an einem Strang ziehen müssen, nämlich: Der Verschwendung gesamtgesellschaftlich vorbeugen.

Weitere lesenswerte Artikel:

Utopia, Annika Flatley, „WWF kritisiert Lebensmittelverschwendung: Bis heute für die Tonne“

Die Zeit, José Graziano da Silva, „Keine Nahrung in den Müll!“

Süddeutsche Zeitung, Hannah Beitzer und Vivien Timmler, „Lebensmittel retten? Verboten!“

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