Skip to content →

Feuilleton Film 14. Dezember 2014

Roadmovie „Ida“ gewinnt Europäischen Filmpreis

Während in Deutschland einige Menschen ihren Samstagabend damit verbracht haben, sich für immer von „Wetten, dass..?“ zu verabschieden und obendrein nochmal so richtig über Markus Lanz zu schimpfen, ist in Riga der 27. Europäische Filmpreis verliehen worden. In gleich vier Kategorien sahnte der Sieger des Abends „Ida“ ab. Ein großer Tag für die Filmgeschichte Polens. Und ein noch größerer Tag für den polnischen Filmemacher Pawel Pawlikowski.

„Ida“ erzählt die Geschichte der 18 – jährigen Novizin Anna, die sich auf ihr Klostergelübde vorbereitet. Doch kurz vor ihrem Eintritt in das Kloster erfährt sie, dass sie eigentlich Jüdin ist. Anna ist aber auch Ida, Tochter jüdischer Eltern, die während der Besetzung Polens durch die Nationalsozialisten unter nicht geklärten Umständen ums Leben gekommen sind. Und diese Tatsache stellt sie vor eine große Herausforderung. „In eindrücklichen Schwarz-Weiß-Bildern, still und intensiv, erzählt der preisgekrönte Regisseur Pawel Pawlikowski („Last Resort“, „My Summer of Love“) von zwei Frauen, denen das Vergessen nicht gelingt.“ „Ida“ spielt in der Rekonvaleszensphase nach den bleiernen Jahren des Stalinismus. Genauer gesagt im Jahr 1962 in Polen. Jenes Jahr, in dem das politische System den Alltag der Menschen in ein großes Ungleichgewicht gebracht hat.

„Ida“ ist eine Hommage an das polnische Nachkriegskino mit seinen prägenden Filmemachern Andrzej Wajda und Jerzy Kawalerowicz. Aber „Ida“ erzählt neben vielen weiteren Geschichten auch die Geschichte von der fundamentalen Erschütterung des Glaubens. „Ida“ ist gewiss eine Hommage an die Nouvelle Vague des polnischen Kinos. Erfüllt von Lebenshunger und ebenso von Verzweiflung. Untermalt von den Jazz Klängen von John Coltrane. Auf gerade mal 77 Minuten. Ich bereue es nicht, dass ich keine Zeit gehabt habe, mich still und heimlich von „Wetten, dass..?“ zu verabschieden. Und über Markus Lanz zu lästern, ist sowieso langweilig. Vielleicht besteht ja ab sofort sogar die Möglichkeit, dass anstelle von „Wetten, dass..?“ wieder mehrere sehenswerte Filme im Fernsehen laufen. Das würde ich zumindest begrüßen. Sehr sogar. Auch wenn ich schon lange keinen Fernseher mehr habe.

"Ida"

"Ida"

"Ida"

"Ida"

Abbildungsnachweis: © Arsenalfilm 

„Ida“ ist bei goodmovies auf DVD erschienen

Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.