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Food Lifestyle 15. Januar 2018

Places we love: Hermann’s

Ein paar Häuser weiter, nicht weit entfernt vom St. Oberholz, in der Torstraße 118, hat vor wenigen Monaten ein neues Café seine Türen geöffnet. Auf den ersten Blick wirkt das lichtdurchflutete Hermann’s wie ein weiteres schickes Café in Berlin Mitte: lange Holztische, an denen es sich gut arbeiten lässt, gemütliche Sofas und Sessel zum Entspannen und viele Grünpflanzen, die den hellen Raum gemütlicher machen. Das im skandinavischen Stil eingerichtete Hermann’s ist Arbeitsplatz und Café in einem.

Doch das Hermann’s ist nicht nur ein schönes Café, sondern vielmehr eine Plattform, die eine „Food Revolution“ auslösen möchte. Es geht darum festgefahrene Strukturen in unserer Nahrungskette aufzulockern und Innovatoren, Blogger, Journalisten, Jungunternehmer und Köche mit Industrie und Handel zu verknüpfen und so die Nahrungsgeschichte von Morgen zu schreiben. Wir haben Mitgründerin Laura Jaspers zum Interview getroffen und über das Hermann’s und die Zukunft der Nahrungsindustrie gesprochen.

© Hermann's
© Hermann’s

Was ist euer Konzept beziehungsweise eure Mission mit Hermann’s?

Wir haben vor ca. zweieinhalb Jahren angefangen uns Fragen wie: „Wie funktioniert unsere Nahrungskette? Wie nachhaltig ist diese noch durch die Industrialisierung?“ „Wie sollte die Ernährung der Zukunft aussehen“ „Wer sind die Akteure der Wertschöpfungskette und wie können sie miteinander arbeiten?“ zu stellen und sind auf die Idee gekommen, einen Markt zu kreieren, der für alle zugänglich ist und Innovationen mit dem Handel und der Industrie verknüpft.

Die Industrie gibt uns Food-Trends vor, wie etwa „Protein ist jetzt der wichtigste Baustein einer gesunden Ernährung.“ Was ist eure Meinung dazu? Kommen Trends ausschließlich von großen Unternehmen, um mehr Umsatz zu generieren?

Die Trends an sich kommen nicht von Unternehmen, sondern werden von den Innovatoren gesetzt. Das lässt sich anhand von dem Apple iPhone gut erklären: Die Early-Adopters, die am Apple-Store anstehen um das neueste iPhone zu besitzen sind die, die Trends setzen. Die Industrie springt letztendlich auf diesen Trend auf. Somit sind das kurzfristige Trends. Wir bei Hermann’s sind auf der Suche nach Partnern, die auf Langfristigkeit aus sind und nicht nur den kurzen, schnellen Trends folgen. Wir schauen nach, wie Kulturen und Ernährung zusammenpassen und suchen nach langfristigen Möglichkeiten.

Ihr sprecht davon der “futuristic side kick” der Food-Industrie zu sein. Was habt ihr an der Industrie und am Handel zu bemängeln?

Wir folgen dem Prinzip Hoffnung und schauen nach vorne. Wir wollen nicht die Konkurrenten gegeneinander ausspielen, sondern suchen nach langfristigen Möglichkeiten, Systeme zu optimieren. Viele dieser Unternehmen sind vor über 100 Jahren gegründet worden. Damals hatte die Bevölkerung ganz andere Bedürfnisse, denn es mussten Massen von Menschen ernährt werden. Natürlich wurden davon auch Meinungen übernommen, die wir heute anders empfinden. Das ist der Grund der Verwirrung, die da draußen gerade herrscht. Wir versuchen eine Platform zu sein, die nicht sagt, „das ist richtig, das ist falsch“, sondern die Perspektiven und Spektren aufzeigt, von Vertical Farming zu Viehzucht: das sind die Optionen in der Zukunft.

© Hermann's
© Hermann’s

Mal angenommen, wir befinden uns nun 10 Jahre in der Zukunft, im Jahr 2028. Wie hat sich die Food-Industrie eurer Meinung nach bis dahin entwickelt?

Unsere große Hoffnung ist, dass unser Netzwerk lebt. Jeder, der dazu kommt macht dieses Netzwerk größer und stärker. Meine Idealvorstellung ist, diese unterschiedlichen Nischen miteinander zu verbinden: Dass das Miteinander offener wird, das Hemmschwellen abgebaut werden und der Fluss zwischen Zusammenarbeit besser fließt. Technologien müssen genutzt werden, nachhaltige Produkte geschaffen werden, die noch nachhaltiger sind. Es gibt Millionen an Menschen, die an Übergewicht leiden. Diesen Menschen möchten wir helfen, aber auf der anderen Seite Lösungen bieten, für Leute, die nicht genug zu Essen haben. Dieses System wollen wir versuchen besser auszubalancieren. Ob dies in den nächsten 10 Jahren geschieht, ist die Frage, aber es wird auf jeden Fall in der Zukunft stattfinden. Wir wollen einen Platz schaffen, in dem man sich nicht blöd vorkommt, wenn man mit völlig verrückten Ideen ankommt.

Wie in fast jeder Industrie, gibt es auch bei Nahrungsmitteln die großen Player, die den Markt anführen. Worin seht ihr die größte Hürde, die es zu bewältigen gilt, um Innovationen voran zu treiben und auch kleinere Unternehmen die Möglichkeit haben sich zu entwickeln?

In Deutschland sind es nicht nur Großkonzerne, sondern auch viele familiengeführte Unternehmen. Klar, dass wir jetzt nicht gleich einen Nestlé-Konzern aufbrechen, dafür sind Strukturen zu fest etabliert. Aber wir merken, dass es sehr viele Partner gibt, die nicht genau wissen, was ihre Konsumenten wollen. Wir wollen niemanden davon überzeugen, dass unser Weg der richtige ist, aber wir bekommen sehr viel Zuspruch von Firmen. Wir wollen verstehen, wie wir gemeinsam arbeiten können und einen Weg finden, der für alle funktioniert.

Wie kommt euer Konzept bisher an?

Wir achten sehr darauf, dass wir die Leute nicht gleich mit unserer Mission erschlagen. Wenn ich hier als Gast herein komme, will ich in erster Linie eine gute Zeit verbringen. Das Gleiche gilt für Industrie-Partner. Es ist ein komplexes Thema und jeder soll das Gefühl haben, dass er hier rein passt, von jung bis alt. Wir finden es sollte auch zelebriert werden, dass verschiedene Leute gemeinsam an einem Tisch sitzen.

Gibt es bereits Vorreiter, die euch zu dem Konzept vom Hermann’s inspiriert haben?

Das Timberyard Café in London gilt als Vorreiter unserer Idee, allerdings nur im Tech-Bereich. Das Konzept ist, dass die Mitarbeiter des Cafés gezielt Leute miteinander verbinden, z. B. jemand, der gerade an einer App arbeitet wird mit einem Grafik-Designer verknüpft. Erika, die jetzt unsere Managerin ist, konnten wir sogar direkt aus dem Timberyard abwerben. Gerade auch die Food-Historie ist bei uns sehr bunt: Wir haben eine brasilianische und eine japanische Köchin, sowie einen äthiopischen Koch. Diese Mischung aus allen Kulturen spiegelt sich in unserem Menü wider und führt dazu, dass man Dinge auf dem Teller findet, die man sonst vielleicht so nicht erwartet hätte. Das Hermann’s Konzept ist auch nicht zu fancy. Jeder soll sich trauen, etwas zu bestellen.

Ihr seid daran interessiert, unsere Nahrungsketten so transparent wie möglich zu gestalten? Achtet ihr bei der Beschaffung eurer Rohstoffe auch auf Nachhaltigkeit? Woher bezieht ihr selbst eure Produkte?

Wir beziehen unsere Produkte überwiegend lokal, von der Markthalle 9 und im Umkreis, gerade auch wenn es saisonal passt. Allerdings sind wir ein globales Netzwerk, und experimentieren gerne mit Sachen, die es nicht gerade um die Ecke gibt. Daher sagen wir nicht, dass unser Radius nur einige Kilometer ist, sondern, dass wir auch gerne eine gute Balance dazu halten. Unsere Erdmandeln z. B. stammen von einem Lieferanten aus New Jersey, da es die Erdmandel hierzulande gar nicht gibt. Wir versuchen ganz offen zu sein und zuzugeben, dass es bestimmte Lebensmittel einfach nicht bei uns gibt, die aber trotzdem wichtig für unsere Ernährung sind.

Zu Guter Letzt: Wie seid ihr auf Allpress als Kaffee-Lieferanten gekommen?

Wir wollten gerne für das Café eine neue Marke einführen. Allpress hat eine tolle Geschichte in Neuseeland und röstet selbst in ihrer Rösterei in Hackney/London. Wir verkaufen den Kaffee auch. Außerdem ist das Team von Allpress super, was das Training angeht. Es gibt tolle Cafés in Berlin und mittlerweile ein fest etablierte Szene, da dachten wir uns: warum nicht mal wieder was neues reinbringen?

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Hermann’s

Torstraße 118

10119 Berlin, 

Deutschland

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