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Europa Travel 1. Dezember 2016

Martinique: Wer suchet, der findet

Lasoté und der Norden Martiniques

Erdbrocken fliegen durch die Luft, während eine kleine Gruppe an Musikern einen monotonen Rhythmus spielt. Als Instrumente dienen ihnen mehrere Trommeln, ein Bambusrohr und Muscheln, die zu Trompeten umfunktioniert wurden. Am anderen Ende des Feldes stehen zwei Dutzend Arbeiter und rammen ihre Spitzhacken – mal mehr, mal weniger im Takt des Rhythmus – in die Erde.

Ein paar Regentropfen fallen vom bewölkten Himmel und es ist ziemlich heiß an jenem Morgen. Vor uns liegt ein gigantisch grün bewachsenes Bergpanorama, das man so nur im Norden Martiniques entdecken kann. Der Hang des Feldes ist steil und man muss aufpassen, dass man nicht den Halt verliert. So langsam füllt sich das Feld mit Menschen, die den Hang geschäftig rauf – und runtergehen. Zum Beispiel Fotografen und Journalisten, die das Spektakel festhalten wollen. Eine Vielzahl an Einheimischen ist gekommen, wohingegen Touristen eher weniger zu finden sind. Nach etwa 25 Minuten kommt es zu einer kurzen Pause und eine Frau mit Strohhut und einem riesigen durchsichtigen Plastikkanister, gefüllt mit Pflaumensaft und Rum, schenkt den Arbeitern einen Becher zur Stärkung ein.

Im Norden Martiniques 2016 © Michael André Ankermüller
Im Norden Martiniques 2016 © Michael André Ankermüller

In Martinique gehört es zur Tradition, Felder in Hanglagen mit der Hand zu pflügen. Im Jahr 1848 verkauften die Großgrundbesitzer nach dem Verbot der Sklaverei schwer zugängliche Felder an die Sklaven. Diese Felder waren nur über kleine Pfade zu erreichen und konnten nicht mit Maschinen bearbeitet werden. Dort entwickelten die Menschen Lasoté, eine landwirtschaftliche Tradition Martiniques, die seit wenigen Jahren wieder aufkeimt.

Nach einer kurzen Unterbrechung setzt der Rhythmus der Musiker wieder ein und die Arbeiter durchpflügen schrittweise das Feld. Ferdinand, einer der Arbeiter mit Rasta Mütze und gezeichnet von der schweren körperlichen Arbeit, lässt mich wissen, dass sie auf diese Art und Weise ein etwa zwei Hektar großes Feld in zwei Stunden durchpflügen. Diese Technik war bis zum Jahr 1960 üblich. Doch dann setzte die Landflucht ein, so dass die Tradition fast ausgestorben wäre. Erst seit wenigen Jahren ist die Tradition auf Martinique zurück und eine tolle Sache, die man miterlebt haben muss.

Die Hauptstadt Fort-de-France

Insgesamt hat die Insel 400.00 Einwohner. Die meisten (knapp 100.000) leben in der Hauptstadt Fort-de-France, um die man lieber einen großen Bogen machen sollte. Täglich hält im Hafen von Fort-de-France ein riesiges Kreuzfahrtschiff, das Tausende Touristen ausspuckt, die sich für wenige Stunden durch die verdreckten Gassen der Stadt schieben, um unnützen Krimskrams, Holztiere und afrikanische Masken sowie sündhafte billige Textilien zu kaufen. Oder in völlig überteuerten Imbissen zu Mittag zu essen. Im Jahr 1635 wurde Martinique französische Kolonie, doch Kolonialgebäude sind nahezu nicht zu finden. Außer vielleicht die Bibliothek Victor Schoelcher, in die man sich gezwungenermaßen verirren muss, da es als Alternative nur eine furchtbar hässliche Shopping Mall im Fake-Kolonialstil im „Zentrum“ der Stadt gibt.

Fort-de-France 2016 © Michael André Ankermüller
Fort-de-France 2016 © Michael André Ankermüller

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Wo ist das Martinique aus den Reisekatalogen?

Martinique ist bekannt für seine weißen Strände und seinen ausgezeichneten Rum. Die finden wir vor allem im Süden der Insel,  der sicherlich der schönste Teil Martiniques ist. Die Grande Anse des Salines, vermutlich das meist fotografierte Motiv Martiniques besitzt alle Eigenschaften eines Traumstrandes: Palmen, die das perfekte Motiv für Instagram sind und Puderzucker weißer Strand, der in der karibischen Sonne strahlt. Eine weitere Sache, die wir über Martinique wissen sollten: Was in Frankreich der Wein ist, ist in Martinique der Rum. Während die Sonne untergeht, nippe ich an meinem kelchförmigen Glas, welches mit Ti-Punch (Rum, Zucker und Limone) gefüllt ist. Vor mir das karibische Meer. Martinique kann wunderschön sein. Zumindest, wenn man die richtigen Plätze gefunden hat.


Anreise: Condor fliegt Martinique im Winterflugplan 2016/17 als neues Langstreckenziel immer sonntags von Frankfurt aus an. Die Preise beginnen bei 300 Euro in der Economy Class, 500 Euro in der Premium Economy und 1000 Euro in der Business Class. Damit umfasst das Streckennetz von Condor nun siebzehn Ziele in der Karibik.

Informationen: La Maison de Martinique, 2 Rue des Moulins, F-75001 Paris.

 

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Condor und Atout France entstanden. Der vorliegende Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wieder.

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