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Best Of Feuilleton Literatur 22. Mai 2017

Literarisches Sixpack mit Takis Würger

Benjamin von Stuckrad-Barre ist der Meinung, dass “(…) Takis Würgers zauberzarte Geschichte „Der Club“ ein Buch ist, das man zum Freund will.“ Auch Benedict Wells, der uns vor einiger Zeit seine sechs Lieblingsbücher auf Blog Bohème verraten hat, ist der Meinung, dass Würgers Debüt, „(…) faszinierend, berührend und spannend sei.“ Und Thomas Glavinic ist der Meinung, „(…) dass es nur sehr wenige echte Schriftsteller gibt. Takis Würger jedoch zu den Echten gehöre.“ Zahlreiche Gründe also, die dafür sprechen Takis nach seinen aktuellen Lieblingsbüchern zu fragen. Here we go!

Benedict Wells: „Vom Ende der Einsamkeit“ 


Ich weine gern, aber selten. Bei diesem Buch habe ich geweint, es war im Flugzeug, ich kam von einem Urlaub aus Mallorca nach Hause. Ich habe die letzten 50 Seiten des Buches durchgeheult. Wells schafft es, eine Welt zu erschaffen, in der jedes Detail wichtig sein kann – ein wenig so wie bei Irving. Ein Baumstamm ist bei Wells nicht nur ein Baumstamm. Das Buch ist vom ersten bis zum letzten Satz eine Schönheit.

Fred Uhlman
: „Der wiedergefundene Freund“

Was für ein Brett. Man denkt erst, hach, ist das schön, eine Freundschaft zwischen zwei Jungs. Dann bekommt man Angst, weil man merkt, es geht um Antisemitismus und darum, wie eine Freundschaft daran zerbrechen kann. Und irgendwann fängt man an zu ahnen, dass das nicht die ganze Geschichte ist und liest noch ein wenig. Und nach 128 Seiten las ich das letzte Wort und dachte: Amen.

Connie Palmen: „Du sagst es“

Ich kannte Sylvia Plath bis vor kurzem nicht. Eine geheimnissvolle Frau mit schwarzen Haaren und blauen Augen hat mir an einem Morgen von ihr erzählt. Seit ich Plaths Gedichte lese, habe ich das Gefühl, sie hätte mich gekannt. Dieser Roman von Palmen ermöglicht uns einen neuen, überraschenden Blick auf Plath und ihre irre, faszinierende Ehe mit Ted Hughes. Wenn ich durch Cambridge laufe, bin ich dankbar, dass ich über die gleichen kleinen Kopfsteinpflastersteine laufen darf, über die Sylvia lief. Sie wird in diesem Roman noch einmal für einen Moment lebendig, und man bekommt eine Idee davon, warum sie in der Lage war, Zeilen zu schreiben wie diese:
 „I 
when in good humor, 
give grass its green blazon sky blue, and endow the sun with gold;
Yet, in my wintriest moods, I hold absolute power
 to boycott any color and forbid any flower to be.“

Thomas Glavinic
: „Das größere Wunder“

Es gibt Bücher, und es gibt Bomben. Der Grandmaster Glavinic hat einmal sinngemäß gesagt, es sei sein Anspruch, als Schriftsteller in die Welt zu knallen wie eine Atombombe. Mit diesem Roman hat er das getan. Es ist die Geschichte eines Menschen, Jonas, der auf einen Berg steigt. Das ist mir völlig gleichgültig, und doch schafft es Glavinic, dass man den Jonas liebt und mit ihm gehen will und bangt und hofft und will, dass er es schafft. Und dann kommt Kapitel 27 und Marie springt von einem Felsen und man weiß, man wird vielleicht den Rest seines Lebens auf Marie warten, weil sie klug und echt ist und lebt. Das Buch war für mich eine Offenbarung.

Kressmann Taylor
: „Address Unknown“

Dieses Buch ist so kurz, dass man es fast nicht glauben kann, wie sehr es berührt. Die Geschichte einer Freundschaft. Ein Briefroman. Ein Jude und ein Deutscher, die sich erst lieben und dann entfernen und irgendwann hassen. Es ist eine feine, schöne Geschichte über Rache und Gerechtigkeit. Mich hat auch fasziniert, wie der Text in die Welt kam. Taylor hat die Geschichte im Jahr 1938 geschrieben. Estmals erschien sie in der New Yorker Zeitschrift „Story“. Der zuständige Redakteur dort glaube, die Geschichte sei zu stark, um sie unter dem Namen einer Frau zu veröffentlichen, deswegen erschien sie unter „Kressmann Taylor“. Ihr Vorname war Kathrine.

Damien Chazelle: „Whiplash“

Das ist kein Buch. Whiplash ist ein Film, aber das macht nichts, weil er mich so fertig gemacht hat, dass ich mir wünschen würde, es gebe auch ein Buch dazu. Ein Schriftsteller, den ich bewundere, hat mir Whiplash empfohlen. Am gleichen Abend schaute ich den Film auf meinem Laptop, und ich glaube, er hat mein Leben geändert. Ich hoffe es. Whiplash erzählt die Geschichte eines Schlagzeugers, der an seine Grenzen geht. Das ist alles. Am Ende hat er mir das Gefühl gegeben, dass ich noch viel mehr geben muss, um meinem Leben gerecht zu werden. Ich glaube, manchmal ist das wichtig, dass wir weitermachen, wenn es weht tut, damit am Ende etwas entsteht, von dem wir sagen können: Das ist gut.

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