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Best Of Feuilleton Literatur 12. Dezember 2017

Literarisches Sixpack mit Frank Berzbach

Viele Menschen träumen – so könnte man zumindest glauben – von einem kreativen Leben. Doch was ist eigentlich ein kreatives Leben? Und wie kann es überhaupt funktionieren, dass man permanent kreativ ist? Und noch wichtiger: Wie kann es gelingen, dass man mit seiner Kreativität im besten Fall Geld verdient? Frank Berzbach gibt in seinem Buch „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen: oder Anregung zu Achtsamkeit“ unter anderem Antworten auf jene Fragen.

„Wir sind geboren, um zu performen; Deadlines dominieren den Alltag und der frisst sich zunehmend auch in die Abendstunden hinein. In der Begeisterung spüren wir nicht, wie Anderes und Andere zu kurz kommen. Wir lieben, was wir tun und wollen dafür geliebt werden. Und bewundert. Genau da aber lauert die Gefahr von Überarbeitung, Burnout, Zweifeln und die Angst, was passiert, wenn die Ideen mal nicht sprudeln (…)“ so die Verleger über das Buch.

2016 erschein schließlich ein weiteres Buch aus Franks Feder mit dem Titel: „Formbewusstsein: Eine kleine Vernetzung der alltäglichen Dinge.“ 

„Während wir uns an den abstrakten Sinnfragen abarbeiten, übersehen wir die überschaubare und gestaltbare Wirklichkeit. (…) Was ist schon ein gesundes Frühstück gegenüber „one more thing“. Wie unwichtig scheint uns eine liebevolle Geste gegenüber dem Partner, der Nachbarin, dem Kollegen im Vergleich mit unseren bedeutenden Zielen? Wer Wert legt auf Kleidung wird schnell als oberflächlich abgetan und wer Ordnung hält, ist nur zu faul zum Suchen. Die Fragen, die uns der Alltag stellt, scheinen uns alltäglich und alltäglich wird zum Synonym für banal.“

Franks Bücher gehören definitiv in das Regel von jedem, der sich mit Kreativität, Bewusstsein, Medien und der Liebe zum Leben auseinandersetzt. Im März 2018 wird sein neues Buch „Die Form der Schönheit: Über eine Quelle der Lebenskunst“ erscheinen…

Umso mehr freuen wir uns, dass uns Frank, um die Wartezeit zu verkürzen, seine sechs (aktuellen) Lieblingsbücher verraten hat. Zeit für eine neue Folge des „Literarisches Sixpacks“.

1.) Shunryu Suzuki: Zen-Geist Anfänger-Geist

Ein zentrales Werk des Soto-Zen, bestechend in seiner Einfachheit und für mich immer wieder Lektüre. Ich habe begonnen, das Buch von Hand abzuschreiben. Ich verwende es in meinen Seminaren. Ich nehme es mit auf Reisen.

2.) Karl Jaspers: Philosophie I-III

Für mich das zentrale Werk einer Existenzphilosophie, die weder auf eine materialistische Weise radikalisiert (wie Sartre), noch eine verschwurbelte, völkische Ersatzreligion vorgaukelt (wie Heidegger). Jaspers ist für mich der Inbegriff an Vernunft, Liberalität und klarer Prosa. Dieses Denken und Schreiben ist gesättigte Lebens- und Denkerfahrung für mich.

3.) Fjodor M. Dostojewskij: Der Idiot: (Übersetzt von Swetlana Geier)

Von den fünf großen Romanen des Meisters ist das mein Favorit; ich habe ihn drei Mal gelesen. Es enhält, wie alle seine Romane, nicht nur eine Geschichte, sondern eben auch eine suchende Psychologie, eine eigene Theologie, eine Vorstellung von Schönheit und genialische Beschreibungen einer zwar vergangenen Zeit, aber zeitloser Fragen.

4.) Thomas Mann: Der Zauberberg

Mehr als die anderen großen Romane des Autors noch nimmt mich dieser immer wieder gefangen. Die Ironie, die intellektuellen Kämpfe, die Hypersensibilität und Albernheiten, die Dekadenz, der Humor, der geschlossene Kosmos und die Streitgespräche, das Szenario und die Schönheit der Sprache faszinieren mich.

5.) Hannah Arendt: Vita activa oder vom tätigen Leben

Es gibt einen Unterschied zwischen dem kontemplativen und dem „aktiven“ Leben. Und ich habe durch dieses Buch zum ersten Mal grundlegende Unterschiede verstanden, die auch mein Leben, Arbeiten und Meditieren betreffen. Die sind bei ihr, wie auch bei Kant, weder unpolitisch noch strikt areligiös zu verstehen. Arendt ist für mich eine unbestechliche Realistin; ich mag ihren sachlichen, unabhängigen Ton, der jeden Jargon meidet.

6.) Die Bibel (in Luthers Übersetzung)

Die Heilige Schrift enthält unendliche viele Geschichten über Erfahrungen mit Gott. Sie prägt durch diese Geschichten, Einsichten, Erfahrungen und Irrungen bis heute die gesamte westliche Kultur. Die Musik- und Literaturgeschichte, die Geschichte der Kunst und der Schönheit, selbst die westlichen Aufklärung und Demokratie sind nicht ohne das Christentum zu verstehen. Mich begleitet die Bibel seit ich lesen kann; und da man mit ihr nie fertig wird, beschäftigt mich die Lektüre immer wieder.

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