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Feuilleton Literatur 21. Oktober 2015

Literarisches Sixpack mit Andreas Weinek

„Richtig bohème geht ja eigentlich nur Wien. Spät aufstehen, ab ins Kaffeehaus, alle Zeitungen durchlesen, Spaziergang übern Zentralfriedhof  und Ausklang beim Heurigen.“ Das verriet uns kürzlich Autor, Songwriter und Geschäftsmann Dr. Andreas Weinek bei einem Glaserl Wein in der Volksküche des Münchner Volkstheaters. Umso schöner, dass wir ihn für dieses Literarische Sixpack gewinnen konnten. Der gebürtige Steirer stammt aus dem österreichischen Bergarbeiterdorf Eisenerz, von wo aus man nach eigenen Angaben „den Arsch der Welt verdammt gut sehen kann.“ Zum Studium zog es Andreas nach Linz und Wien, danach zupfte er bei der NDW-Gruppe Superfeucht den Bass und wurde anschließend PR-Manager von Alpen-Rock-Legende Hubert von Goisern. Heute ist er Geschäftsführer des bekannten TV-Geschichtssenders HISTORY. Ebenso facettenreich wie seine Karriere ist auch sein Schaffen als Musiker und Autor: Dazu zählt neben seinen Büchern (u.a. historische Romane wie z.B. Die Nacht des Ketzers) auch die Band BLANK, die alpenländische Klänge mit irischer und amerikanischer Folkmusic verbindet. Dazu aber bald mehr an anderer Stelle.

Gebrauchsanweisung für das Burgenland

Zugegeben – ich war noch nie im Burgenland. Nach der Lektüre von Gebrauchsanweisung für das Burgenland, die Andreas gemeinsam mit seinem Bruder Martin Weinek verfasst hat, muss ich dort aber spätestestens im nächsten Frühjahr hin. So steht diese Region Österreichs zu einem Drittel unter Naturschutz und gilt als Garten Eden für Schlemmer, Wein- und Musikliebhaber, sowie für Sommerfrischler und Radl-Fans. Unterhaltsam schildert Andreas seine Erlebnisse, die von den Seefestspielen Mörbisch, hin zum Musikfestival in Raiding sowie zu Winzern und deren Spezialitäten führen. Daneben liest man von prominenten Burgenländern wie zum Beispiel Joseph Haydn oder Franz Liszt. Besonders spannend sind auch die pannonischen Wurzeln, die sich in Österreichs östlichstem und auch jüngstem Bundesland entdecken lassen. Mit wachem Auge schildert der Autor wie sich in diesem österreichischen „Melting Pot“ der Kulturen ungarische, slowakische, rumänische, serbische und kroatische Einflüsse niederschlagen und erleben lassen. Wir sind gespannt, wohin es Andreas als nächstes treibt und hoffen schon jetzt, dass er seine Reiseerlebnisse auch in Zukunft mit uns teilt. Zuerst stellt er aber seine sechs Lieblingsbücher vor. Wir freuen uns, dass er sich dafür Blog Bohème ausgesucht hat. Vielen Dank, Andreas! Oder wie der Österreicher sagen würde: Vagöds God!

Gebrauchsanweisung für das Burgenland © Piper Verlag 2011
Gebrauchsanweisung für das Burgenland © Piper Verlag 2011

Michel de Montaigne „Von der Kunst, das Leben zu lieben“

Er beschreibt die Ehe, als eines der höchsten Güter, die man erreiche kann. Nur um zu Schlussfolgern, dass das natürlich nichts für ihn selbst sei. Er geißelt diejenigen, die die Menschen aus der „Neuen Welt“ als Wilde bezeichnen und gleichzeitig in Europa Folter und Hinrichtungen regieren lassen. Er ist ein großer Humanist, der sich selbst nicht als Philosoph bezeichnen wollte. Und der die großen Themen der Philosophie mit einem Augenzwinkern besiegt. Man vergisst bei der Lektüre, dass man sich im 16. Jahrhundert befindet, so jetzig sind Michel de Montaignes Analysen über das Menschliche im Menschen.

John Niven „Kill Your Friends“

Ganz anders ist das bei John Niven. Mit seinem Buch „Gott bewahre“ in dem Gott seinen Sohn nochmal auf die Erde schickt, um die Menschheit in Gestalt eines Siegers einer Castingshow noch ein zweites Mal zu erlösen, hat er mich schon überzeugt. In „Kill your Friends“ schickt er den Leibhaftigen in Form eines A&R Managers (Artist and Repertoire bei Plattenfirmen) ins Rennen. Der räumt alles aus dem Weg, was ihn dabei stört an möglichst viel Sex, Drugs & Rock`n`Roll zu kommen. Selbst einmal A&R gewesen, kann ich das was Niven da beschreibt nur bestätigen. Naja, fast alles.

Fritz Lehner „Hotel Metropol“ I, II, III

Noch viel abgründiger wird es in diesem Roman. Lehner schildert die Gräuel der Nazizeit aus der Sicht eines Gestapobeamten. Der Protagonist Wolf Manhardt ist von seiner grausamen „Pflicht“ überzeugt. Ein Menschenleben aus der Sicht der Ideologie nichts wert. Folter und Hinrichtungen bestimmen den Tagesablauf der ganz „normalen“ Menschen. Lehner beleuchtet in seiner Romantrilogie aber auch die menschliche Komponente der Täter bis ins Unerträgliche. Nix für schwache Nerven!

Michael Schmidt-Salomon „Hoffnung Mensch“

Hoffnung macht hingegen dieses philosophische „Motivationsbuch“, das allen den Wind aus den Segeln nimmt, die meinen, dass Atheisten oder gar Anhänger Darwins amoralische, seelenlose Wesen seien, die sich am liebsten gegenseitig an die Gurgel gehen würden. Ohne Glaube keine Moral, kein Miteinander. Irrtum, weiß Schmidt Salomon und belegt es anschaulich in seinem Buch.

John Griesemer „Rausch“

Die Verlegung des ersten Transantlantikkabels versetzt die Welt in einen wahren Rausch. Wir schreiben 1857, die industrielle Revolution ist am Start. Alles scheint möglich. Der Roman ist im besten Sinne als episch zu bezeichnen. Ein zeitgenössisches Sittengemälde ebenso, wie eine beeindruckende Schilderung wozu Visionen und Pioniergeist fähig sind.

Oskar Maria Graf „Das bayrische Dekamaron“

Bauernschläue und Erotik. Da spießt sich was? Das geht ned zsamm? Doch geht! Hart an der damaligen Zensur – wir schreiben das Jahr 1926 – vorbei, schrammen die 31 Geschichten übers bäuerliche Liebensleben anno dazumal. Und wer Graf kennt weiß, dass das wahrlich nichts mit volksdümmlicher Komödienstadlseligkeit zu tun hat. Sauber, sog I.

Dr. Andreas Weinek, Geschaeftsfuehrer HISTORY und The Biography Channel © Foto Gert Krautbauer
Dr. Andreas Weinek, Geschäftsführer HISTORY © Foto Gert Krautbauer

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