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Design Interior Lifestyle 3. Januar 2017

Inspired by Johanenlies und Mike Raaijmakers

Wer sich mit Design beschäftigt, wird wohl festgestellt haben, dass seit einigen Jahren kaum eine Zeitschrift mehr ohne Interieur-Beilage auskommt. Immer wieder werden einem die gleichen Designklassiker der Vergangenheit vor die Nase gesetzt. Zum Beispiel der LC2-Hocker von Le Corbusier, der Cesca-Stuhl von Marcel Breuer oder natürlich die breite Palette an Vitra Stühlen. Hinzu kommt, dass mittlerweile kein Möbelhaus der Welt nicht irgendein billiges und meist peinliches Remake einer Designikone anbietet. Doch neben dieser Vielfalt an bestehenden Designklassikern, gibt es auch eine ganze Menge an jungen Designern, die bereits jetzt mit ihren Möbelstücken nicht weit davon entfernt sind, selbst zum Klassiker zu werden. Einer davon ist der in Berlin lebende Mike Raaijmakers mit seinem Label Johanenlies.

Als Auftakt für unsere Porträtreihe von Designern haben wir mit Mike über sein Label Johanenlies, Qualität sowie Berlin gesprochen. Eine Sache ist sicher: Der Tisch MERGELLAND ist jetzt schon ein Designklassiker. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die ersten schlechten Kopien auftauchen werden…

Wofür steht Johanenlies?

Unsere Leitphilosophie besteht darin aus Altem etwas Neues zu schaffen. Die Designs von JOHANENLIES zeichnen sich durch klare, funktionale Formen aus. Die Designsprache lässt sich am ehesten als industriell-minimalistisch charakterisieren. Durch das recycelte Bauholz, welches wir für unsere Möbel verwenden, gleicht kein Objekt dem anderen. Jedes Stück ist ein in Handarbeit gefertigtes Unikat.

Beim Designprozess hast du sicherlich einen bestimmten Typ Kunde im Kopf? Wer genau ist der Kunde von Johanenlies?

Wir möchten mit unseren Produkten Menschen erreichen, welche bewusst konsumieren. Sie sind gekennzeichnet durch einen hohen Qualitäts- und Designanspruch, mindestens ebenso wichtig sind ihnen dabei nachhaltige Produktionsprozesse.

Dabei versuchen wir unsere Preise so fair wie möglich zu halten, sowohl für den Kunden, als auch für unsere Produzenten.

Als ich noch alle Produkte selbst designt und gefertigt habe, habe ich mir im Voraus nie groß Gedanken gemacht, sondern einfach losgelegt und mich von der Maserung des Holzes leiten lassen. Mir war es wichtig mich erst mal auszuprobieren und peu à peu eine Basis-Kollektion zu schaffen: Simpel und gradlinig mit klaren Formen und Farben.

Wie sieht ein Arbeitstag in deinem Leben aus?

Seitdem wir die Produktion ausgelagert haben, verbringe ich viel Zeit am Computer, beantworte Kundenanfragen, aktualisiere unsere Shops auf den jeweiligen Verkaufsplattformen, stimme mich mit unserem Schreiner über die aktuellen Aufträge ab und koordiniere die Auslieferungen.

Siehst du eine Veränderung im Kaufverhalten deiner Kunden? Sind sie vermehrt bedacht auf Qualität und Nachhaltigkeit?

Ich habe JOHANENLIES im Mai 2015 gegründet. In den letzten Jahren hat sich definitiv ein stärkeres Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit herausgestellt. Heute sind viele Menschen nicht mehr nur rein theoretisch, sondern auch tatsächlich bereit, etwas mehr für ein nachhaltiges Produkt auszugeben.

Skandinavischer Minimalismus trifft auf Warehouse-Stil bei deinen Entwürfen. Hast du ein paar Einrichtungstipps, um eine Wohnung noch schöner zu gestalten?

Es ist schwer allgemein gültige Einrichtungstipps zu geben, da in jeder Wohnung so viel Persönlichkeit steckt. Eine Wohnung kann objektiv gesehen noch so schön eingerichtet sein, wenn ihr ihr Charakter fehlt. Wir legen uns mit unseren Möbeln daher auch nicht auf einen bestimmten Stil fest, sondern versuchen Produkte zu entwerfen die einerseits so einfach wie möglich gehalten sind und dennoch durch ihre Linienführung Einzigartigkeit ausstrahlen.

Du bist in den Niederlanden geboren und lebst schon seit längerem in Berlin. Inwieweit unterscheiden sich Möbel-Designs in den Niederlanden und Berlin?

Beide Länder sind sich so unglaublich ähnlich, dass sie sich meiner Meinung nach auch beim Möbel-Design nur sehr wenig unterscheiden. Vielleicht sind die Niederländer ein wenig experimentierfreudiger. Möbel aus Bauholz sind z.B. in meinem Heimatland schon seit über 10 Jahren sehr populär. Deutschland zieht langsam aber sicher nach.

Was macht Berlin für dich besonders? Hast du Lieblingsgegenden, Cafés oder Shops, die du mit uns teilen möchtest?

Berlin steht für Offenheit, Toleranz, multi-kulti. Am meisten an Berlin liebe ich die Vielfalt. In Berlin wird es einem nie langweilig. In Berlin kann ich ein meiner größten Leidenschaften nachgehen: Gut und „lekker“ essen und trinken. Unterschiedlichste Küchen wie Koreanisch, Vietnamesisch, Mexikanisch, Italienisch oder auch mal gutbürgerlich-deutsche Küche. Einer meiner Lieblingsläden ist „Briefmarken Weine“ in der Karl-Marx-Allee.

In welcher Stadt würdest Du leben wollen, wenn Du Dir eine aussuchen könntest?

In Berlin sind meine Kinder geboren. In Berlin habe ich einen Engel namens Coco gefunden. Ich würde in keiner anderen Stadt leben wollen. Berlin ist meine Heimat. Und das seit knapp 15 Jahren. Obwohl die Winter schon sehr lang und kalt sind. Dann flüchte ich gedanklich in den Süden.

Hast du Interior-Labels, die Dich für deine Arbeit inspirieren? 

Ich habe immer einfach drauf losgelegt und meine Inspirationen kamen eher aus dem Bauch heraus. Aktuell arbeitet jedoch meine Freundin/ Mitarbeiterin Coco an einer neuen Kollektion für JOHANENLIES. Es bleibt aber definitiv nordisch-minimalistisch, jedoch mit einer für uns neuen Opulenz.

In einem Interview hast du mal gesagt, dass du von deinem vorigen Beruf als Weinhändler genug hattest. Wie hast du es geschafft mit Johanenlies erfolgreich zu sein? Und würdest du sagen, dass es niemals zu spät für eine berufliche Veränderung ist?

Was ist „Erfolgreich“? Leidenschaftlich, mit vollem Herz dabei und dass ich unglaublich stolz bin, auf das was wir in den letzten 18 Monaten geschafft haben? Ja, dann bin ich erfolgreich. Es war bestimmt nicht immer leicht und ich bin nicht nur einmal gestolpert, hingefallen und etwas benommen wieder aufgestanden. Es gehört viel Mut und Durchhaltevermögen dazu, aber ich war mir immer sicher, dass es das Richtige ist.

Wie sieht die Zukunft von Johanenlies aus? Ich finde, wir sollten gemeinsam ein Produkt entwickeln. Was hältst Du von einem Hocker? 

Die kommende Wochen bzw. Monate wird sich eine Menge ändern. Im Frühjahr werden wir unseren ersten Showroom in Berlin-Mitte eröffnen. Außerdem sind wir, wie eben erwähnt dabei eine zweite Linie neben unserer Hauptkollektion zu entwickeln. 2017 wird in jedem Fall sehr sehr spannend für uns. Und na klar, lass uns gerne gemeinsam ein neues Produkt entwickeln!


Alle Bilder: © Johanenlies 2015

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