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Best Of Feuilleton Musik 19. Januar 2018

Federico Albanese: By The Deep Sea

„Eine magische Platte“ und „eines der schönsten Alben moderner Klassik“ – selten war sich die Presse so einig über einen zeitgenössischen Komponisten wie bei Federico Albanese. Seine Kindheit verbringt der 1982 in Mailand geborene und seit 2012 in Berlin beheimatete Albanese zu großen Teilen am Piano und an der Klarinette. In der Jugend widmet er sich dann mehreren Rock-Projekten, hört privat Swans und Circle Jerks, bevor es ihn zur modernen Klassik zieht.

Auf seinem Debüt „The Houseboat and the Moon“ führt er sein feingliedriges Klavierwerk mit warmen Streicher-Arrangements zusammen, und versieht die Kompositionen mit elektronischen Sprinklern. Nach diversen gefeierten Filmvertonungen landet er mit seinem zweiten Solowerk „The Blue Hour“ schließlich bei Neue Meister. „The Blue Hour“ ist eine Platte zwischen Klassik und Ambient, auf der sich minimalistisches Klavierspiel und dynamische Synthesizer-Arpeggios zu einem atmosphärischen Wunderwerk schichten. Musik für magische Stunden, auf Platte wie live.

Ende Februar 2018 erscheint mit „By The Deep Sea“ das dritte Soloalbum von Federico Albanese, auf dem er kompositorisch noch einmal dichter luftige und kinematografische Motive zwischen kontemporärer Klassik, Ambient und Pop verwebt.

Federicos drittes Album – sein bislang ambitioniertestes und das vielleicht gelassenste – beginnt mit einem Stück, das den Titel „682 Steps“ trägt. Es wurde inspiriert von einem kleinen Fußweg vom Haus seiner Mutter hin zu einem Fels am Meeresufer, einem Ort, der eine bestimmte Resonanz in ihm hervorruft. Warum, sagt er uns nicht. Ein Musikstück ohne Worte muss nicht weniger persönlich sein, und diese Auswahl ist so persönlich, wie eine Sammlung nur sein kann. „Ich gehe darin auf“, sagt Albanese, „übersetzt in Musik.“

Ein Hinweis auf die Bedeutung der Komposition findet sich im Titel des Albums: „Ich kann mir vorstellen, dass Lord Byron [an diesem Fels] sein Gedicht ‚The Sea‘ geschrieben hätte“, sagt er. Bemerkenswert an dem Gedicht ist die Gegenüberstellung von Begriffen, die sich auf Gesellschaft und Einsamkeit beziehen, wie auch die explizite Freude daran, Wege einzuschlagen, die noch keiner beschritten hat. Es ist eine treffende Herleitung für den Titel des Albums. Denn es befasst sich mit Themen, die auch Albanese vertraut sind, Themen die er über den Zeitraum von einem Jahr in Musik fasste, „einem Jahr, in dem eine Menge passiert ist, Dinge, die schwer zu erklären sind. Diese zwölf Lieder stehen für Momente in meinem Leben, die beschrieben werden mussten. Einige waren positiv, andere nicht. Musik ist das Vehikel meiner Wahl für den Ausdruck tiefster Gefühle, auch solcher, die ich selbst kaum verstehen kann.“

© Beniamino Barrese

Albanese, der seinen Wohnsitz 2012 in die deutsche Hauptstadt verlegte, scheut sich aber nicht, einige der Aspekte, die hinter seiner Musik liegen, mit anderen zu teilen. „Berlin ist immer darin enthalten“, sagt er. „Stücke wie ‚Mauer Blues‘ und ‚Boardwalk‘ beschreiben die Stadt, das dumpfe Grollen von Ideen und Inspirationen, das immer noch von ihr ausgeht. Das Titelstück spielt eine Schlüsselrolle, denn es beschreibt eine letzte Offenbarung, den Moment, in dem man den Abstand zur eigenen Deep Sea deutlich zu ermessen versteht. Die Aufnahme endet mit ‚The Cradle‘, einem Stück, das ich geschrieben habe, während mein ein Monat alter Sohn auf dem Flügel lag.“

Es liege ihm aber fern, fügt er hinzu, anderen seine je eigenen Gedanken und Erfahrungen aufzudrängen. „Lieber sähe ich, wenn jeder seinen Gedanken und Erfahrungen selbst auf den Grund ginge.“

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