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Feuilleton Fotografie Musik 1. April 2016

Erinnerungen an einen Außerirdischen

David Bowie ist tot. Für viele dürfte diese traurige Nachricht Anfang des Jahres überraschend gekommen sein, veröffentlichte der 69-jährige doch wenige Tage vorher noch sein neues Album Blackstar. Mit dem Musikvideo zur letzten Single Lazarus, in dem er mit verbundenen Augen im Sterbebett zu sehen ist, nahm der Sänger beinahe prophetisch das bevorstehende Ereignis vorweg. Am Ende des Videos entsteigt er dem Bett und verschwindet in einem Schrank. Sein Blick trifft den des Zuschauers, als möchte er sagen: Keine Sorge. Wir sehen uns auf der anderen Seite.

Bournemouth Winter Gardens, UK, Summer tour, 25 Mai 1973 © Mick Rock
Bournemouth Winter Gardens, UK, Summer Tour, 25 Mai 1973 © Mick Rock

Vom Himmel gefallen

Aber wer war David Bowie eigentlich? Keine leichte Frage. Vor allem 1972, dürfte die Antwort jedem angehenden Bowie-Biografen schwer gefallen sein. Damals erschien das Konzeptalbum The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars. Darin inszenierte sich der Brite als schrille Kunstfigur in exzentrischen Outfits, bei der es egal war, ob es nun Mann oder Frau, Mensch oder Außerirdischer war, der das Publikum mit einer bombastischen Bühneshow mitriss. Als vom Himmel gefallener Ziggy Stardust tourte er in diesen Jahren um die Welt und verkündete seinen Fans die Botschaft vom Starman, der die Hoffnung zurück auf die Erde bringt. Aus dem stillen Londoner machte Ziggy einen der größten Stars der Welt.

Worcester Gaumont Theatre, UK, 4. Juni 1973 © Mick Rock
Worcester Gaumont Theatre, UK, 4. Juni 1973 © Mick Rock

Bilder des Aufstiegs

„Es ist solch ein Privileg, ihn gekannt und mit ihm gearbeitet zu haben. Ein bemerkenswerter Mensch und Künstler“, sagte Mick Rock nach Bowies Tod. Der britische Fotograf begleitete den Sänger in seinen Stardust-Jahren auf Tournee. Dabei entstanden ikonische Fotografien, die den Aufstieg eines der größten Musiker unserer Zeit dokumentieren. Rock verstand sich künstlerisch und persönlich gut mit Bowie, war sein Landsmann, Vertrauter und Leibfotograf der Jahre 1972 – 1973. Dabei entstanden zahlreiche Aufnahmen von Liveshows, dem Tour-Alltag, Studio-Porträts sowie intime Schnappschüsse aus dem Backstagebereich.

Cleveland Public Auditorium USA, 25. November 1972 © Mick Rock
Cleveland Public Auditorium USA, 25. November 1972 © Mick Rock

Auf Tuchfühlung mit der Legende

Mit Mick Rock. The Rise of David Bowie 1972- 1973 veröffentlicht TASCHEN einen prächtigen Bildband, der sowohl die Kunstfigur Ziggy Stardust als auch den facettenreichen Menschen David Bowie zeigt. Mein Lieblingsfoto: die Legenden Bowie, Iggy Pop und Lou Reed Arm in Arm im Backstagebereich. Ein weiteres schönes Detail ist das Cover des Prachtbandes, das – ähnlich wie der Starman Ziggy – in unterschiedlichen Facetten schillert und je nach Blickwinkel eine andere Porträt-Aufnahme des Giganten David Bowie zeigt.

Aberdeen, Scotland, 16. Mai 1973 © Mick Rock
Aberdeen, Scotland, 16. Mai 1973 © Mick Rock

Wir finden: absoluter Pflichtkauf für Bowie Fans – und vielleicht aktuell eine der schönsten Gelegenheiten, sich an einen Mann zu erinnern, der die (Musik-)Welt ein Leben lang mit seinem Sound und Stil geprägt hat.

Lenticular Cover © Mick Rock
Lenticular Cover © Mick Rock

TASCHEN – Mick Rock. The Rise of David Bowie, 1972–1973 – Hardcover, 300 Seiten – € 59,99

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