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Fashion Feuilleton Fotografie 21. Februar 2016

Das Unaussprechliche sichtbar machen: Horst Diekgerdes

Besonders beeindruckende Fotografen haben meiner Meinung nach eine Sache gemeinsam: Sie schaffen es mit ihren Fotografien Dinge sichtbar zu machen, die unaussprechlich sind. Einer davon ist der deutsche Fotograf Horst Diekgerdes, dessen Bilder Bände sprechen. Sozusagen eine Liebeserklärung an das Leben, die Mode, die Fotografie. Seinen Stil zu beschreiben ist jedoch weitaus schwieriger. Versuchen kann man es trotzdem: Fast alle seiner Aufnahmen wirken subtil komponiert und sprechen von einer surrealen Qualität, die man sofort in Verbindung mit der Bildsprache Diekgerdes setzt. Eine Mischung aus „Blow Up“, Sixties und Twiggy. Man erinnere sich nur zurück an das sexuell aufgeladene „This is hardcore“ Cover der Band Pulp, welches er zusammen mit dem Künstler John Currin und Art-Director Peter Saville inszenierte. Dort rekelt sich eine blonde Frau, selbstverständlich nackt, rotem Lippenstift und eingezogenem Bauch auf einem roten Ledersofa. Der Durchbruch für den norddeutschen Fotografen und der Einstieg in den Mainstream der Popkultur.

Lara Stone / AnOther Magazine / 2007 © Horst Diekgerdes
Lara Stone / AnOther Magazine / 2007 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag

Immer wieder gelingt es ihm mit seinen Fotografien Momente einzufangen, die beispielsweise den dunklen Selbstzweifel eines Alexander McQueen oder die Verwundbarkeit von Charlotte Gainsbourg erahnen lassen. Und sein Lebenslauf ist ähnlich außergewöhnlich wie sein Lebenslauf: Studium der Psychologie in Hamburg, Assistent in den Pin-Up-Studios von Paris. Bereits seit den Achtzigern fotografiert er für die besten Magazine der Welt wie etwa AnOther Magazine, Purple, Dazed & Confused, le magazine double, self service magazine, verschiedene Ausgaben der Vogue, das ZEITmagazin, die i-D, Tempo und The Face. Seine Liste ist lang. Modemarken wie Hermès, MiuMiu, Chloé oder Sonia Rykiel engagierten Diekgerdes als Kampagnenfotograf und seine Arbeiten wurden bereits am Institute of Contemporary Art in Boston, am Fotomuseum Winterthur und in den Hamburger Deichtorhallen ausgestellt.

Denisa Dvorakova, Jen Messelier, Barbora Dvorakova, Erin Heatherton / Purple Fashion / 2008 © Horst Diekgerdes
Denisa Dvorakova, Jen Messelier, Barbora Dvorakova, Erin Heatherton / Purple Fashion / 2008 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag

Seit wenigen Wochen ist nun im Distanz Verlag die erste Monografie seiner Arbeiten erhältlich. „Sie ist eine Reise von den Mitt-1990ern zur Gegenwart, die Modefotografien mit persönlichen Tagebuchbildern, Alltagsbeobachtungen und unveröffentlichten Arbeiten zeigt. Die Texte stammen von Anastasia Barbieri, Jean-Pierre Blanc, Urs Fischer, Jefferson Hack, Jina Khajjer und Véronique Leroy.“

Stephanie Kunz / AnOther Magazine / 2003 © Horst Diekgerdes
Stephanie Kunz / AnOther Magazine / 2003 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag
Meghan Collison / Double Magazine / 2012 © Horst Diekgerdes
Meghan Collison / Double Magazine / 2012 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag
Charlotte Gainsbourg / Self Service / 2000 © Horst Diekgerdes
Charlotte Gainsbourg / Self Service / 2000 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag
Audrey Marnay / iT Magazine / 1997 © Horst Diekgerdes
Audrey Marnay / iT Magazine / 1997 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag
Isabeli Fontana / AnOther Magazine / 2005 © Horst Diekgerdes
Isabeli Fontana / AnOther Magazine / 2005 © Horst Diekgerdes Courtesy DISTANZ Verlag

Horst Diekgerdes – einer der exzentrischsten Bildschöpfer der letzten zwei Jahrzehnte, erschienen im Distanz Verlag, 232 Seiten, Englisch, 48 Euro

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