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Feuilleton Musik 14. Juni 2017

11 Fragen an Klaus Voormann

Letztes Jahr feierten Beatles-Fans auf der ganzen Welt. Da war es genau 50 Jahre lang her, dass eben jenes Album erscheinen sollte, das sowohl die Band als auch die Musikgeschichte revolutionierte: „Revolver“. Revolutionär ist auch das teils grafische, teils mithilfe ausgeschnittener Fotografien gestaltete, monochrome LP-Cover. Die Kombination aus gezeichneten, beinahe abstrakt anmutenden Porträts sowie die bis dahin nie gezeigten Fotografien der Fab Four begeistert bis heute. Ihr Schöpfer, der Musiker, Grafiker und langjährige Beatles-Vertraute Klaus Voormann, erhielt damals einen Grammy dafür. Wie es dazu kam erzählt er in seinem neuen Buch „Birth of an Icon: Revolver 50“, das er kürzlich auf dem Münchner Comic-Festival vorstellte. Dort trafen wir uns mit ihm auf 11 Fragen.

Zeichnen oder Zupfen?

Beides

Münchner Freiheit oder Große Freiheit?

Große Freiheit

Lady Madonna oder Lucy in the Sky?

Lucy in the Sky

Birth of an Icon. 50 Revolver (Copyright Voormann 2016)

Sie stellen heute Ihr Buch „Birth of an Icon. 50 Revolver“ vor. Warum erzählen Sie die Entstehungsgeschichte des berühmten Covers zur Beatles-Platte „Revolver“ in Form einer Graphic Novel?

Ich bin schlecht im Schreiben. Abgesehen davon gibt es ja immer wieder bestimmte Situationen oder Ereignisse im Leben, die sich besser in Bildern als in Worten beschreiben lassen. Darüber hinaus mag ich Graphic Novels sehr gerne. Zuletzt habe ich zum Beispiel die dreiteilige Comic Adaption des Fritz Lang Stummfilmklassikers „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Jon J. Muth gelesen. Darin sind richtig gute Bilder, die beinahe wie Gemälde anmuten. Das hat mir gut gefallen.

In dem Buch schildern Sie auch, wie es zu dem Auftrag kam: Ein Anruf von John Lennon. Was ging Ihnen damals durch den Kopf?

Diese Situation habe ich versucht darin festzuhalten. Aber das war gar nicht so leicht. Bis heute erinnere ich mich an den Schock, der mich traf als John aus heiterem Himmel am Telefon fragte: „Any ideas for our new album cover?“ Die Vorstellung ein Plattencover für die größte Band der Welt zu gestalten und sich dann natürlich auch etwas geeignetes dafür einfallen lassen zu müssen, war einfach nur heavy.

Hätten Sie sich vorstellen können, dass Sie diese Geschichte die nächsten 50 Jahre beschäftigen wird?

Irgendwie schon. Das Cover ist außergewöhnlich und ich vermutete bereits damals, dass es mich und meine Arbeit wohl noch eine Zeit lang verfolgen wird. Allerdings war es zu diesem Zeitpunkt niemals mein Ziel, mit Grafik besonders erfolgreich zu sein. Auch hatte ich bereits vor „Revolver“ ein paar gute Platten-Cover gemacht. Mein Fokus lag auf der Musik. Ich war vor allem Musiker und als solcher wollte ich einfach nur Musik machen.

Für Ihre Arbeit erhielten Sie damals einen Grammy. Was denken Sie, macht das Cover bis heute so besonders?

Für mich persönlich war das vor allem eine ganz besondere Aufgabe: Ein Plattencover für eine Band zu gestalten, deren Musik und Auftritt für ihre Zeit völlig neu und bahnbrechend gewesen ist. Ich musste mir dabei die schwierige Frage stellen: Wie weit kann ich gehen, um gleichzeitig etwas innovatives zu erschaffen und dabei dennoch die hohen Erwartungen der Fans zu erfüllen? Mir war damals schnell klar, dass ein Schlüssel zum Erfolg im individuellen Erscheinungsbild der Beatles, ihren Haaren und Gesichtern, liegen könnte. So kam es dann letztendlich zu der unverwechselbaren Mischung aus Grafik und Fotografie, die den Look der Beatles in den Fokus des Artworks stellte. Ich denke, dass diese Herangehensweise es damals wie heute zu etwas Besonderem macht.

 

(Copyright Voormann 2016)
(Copyright Voormann 2016)

Denken Sie, dass Plattencover in Zeiten zunehmender Digitalisierung an Bedeutung verlieren werden?

Die Rahmenbedingungen für die Gestaltung von Plattencovern haben sich inzwischen stark verändert. Damals hatte man ja dabei einen weit aus größeren Spielraum. Bei einer Schallplatte beispielsweise konnte man sowohl das großformatige Cover als auch die Innenseiten gestalten. Bei der kleineren CD ist das schon deutlich schwieriger. Ähnlich ist es nun mit digitalen Medien, die eine noch kleinere Ansicht z.B. auf dem Smartphone-Display zulassen. Dennoch denke ich, dass Plattencover auch weiterhin wichtig für das Musikgeschäft sein werden, da sie sowohl ein unverwechselbares Erkennungszeichen für die Band als auch ein Verkaufstreiber sein können. Neben Revolver denke ich dabei auch immer gerne an meine Cover-Arbeit zu Turbonegro, das selbst auf Briefmarkengröße funktioniert und den Charakter der Band gut rüberbringt.

Wegen ihrer Arbeit und engen Freundschaft zu den Beatles werden Sie auch oft als der „Fünfte Beatle“ bezeichnet. Hat Sie das irgendwann einmal genervt?

Das hat schon immer genervt. Schließlich gibt es eine ganze Latte an Leuten, wie beispielsweise Pete Best, Stuart Sutcliffe, George Martin oder Billy Preston, die allesamt gut als fünfter Beatle durchgehen könnten. Auch habe ich mich persönlich nie so gefühlt. Neben der Freundschaft war meine Beschäftigung mit der Gruppe vor allem professioneller Natur. Heute kommen die Beatles meistens erst zur Sprache, wenn ich dazu gefragt werde oder auf einen früheren Wegbegleiter treffe. Letzte Woche habe ich zusammen mit meiner Tochter Ringo Starr in Los Angeles besucht. Klar, dass es da dann auch ein wenig um die alten Zeiten ging.

Als Bassist bekannter Bands spielte für Sie immer auch die Musik eine wichtige Rolle. Auf welche Weise kommt diese heute noch in Ihrem Alltag vor?

Gar nicht. Ich habe mit dem Spielen aufgehört. Ich werde bald 80 Jahre alt und heute zählt für mich vor allem die Zeit mit meiner Familie. Ich genieße jede freie Minute, die ich mit ihr gemeinsam verbringen kann. Klar, fehlt mir das Musik machen ab und zu. Und ich bin mir sicher, wenn ich wollte, könnte ich mich auch noch irgendwo ganz gut einbringen. Aber ich denke, alles hat seine Zeit im Leben.

Sie erwähnten Ihren 80. Geburtstag. Daneben können sich Beatles-Fans im nächsten Jahr auch über das 50-jährige Jubiläum des White Albums freuen. Wie lauten Ihre eigenen Pläne?

Ich habe keine Ahnung. Selbstverständlich gebe es noch einiges zu erzählen. Sei es zu mir oder zu den Beatles. Einiges davon werde ich aber auch für immer für mich behalten (lacht). Ich lasse es einfach auf mich zu kommen – und ihr euch am besten überraschen.

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