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Feuilleton Musik 17. Mai 2016

11 Fragen an JAIN

Als wir uns treffen, scheint die Sonne. Zumindest draußen. Es ist einer der ersten sonnigen Tage.  Im Backstage-Bereich des Münchener Clubs, in dem wir verabredet sind, ist es gewohnt düster. Umso schöner, dass meine Gesprächspartnerin strahlt: JAIN. Die 23-jährige Musikerin gehört aktuell zu den gefragtesten französischen Newcomern. Erst Ende letzten Jahres erschienen, wird ihr aktuelles Album Zanaka schon jetzt als musikalische Sensation von der internationalen Kritik gefeiert. Der darauf enthaltene Song Come entwickelte sich im Internet zum Video-Viral und schaffte es dann auch prompt auf Platz Eins der französischen Single-Charts. Wir sind sicher: Da kommt noch mehr. Im Interview erzählte uns die sympathische Sängerin mehr über sich, ihre Musik und was es mit ihrem Bühnenoutfit auf sich hat.

JAIN © Sony Music
JAIN © Sony Music

Gitarre oder Drumpad?

Oh. Das ist schwierig. Aber ich denke Drumpad.

Zuhause oder auf Reisen?

Auf Reisen.

Bier oder Wein?

Wein.

Du kommst gerade von einer Show in Berlin. Wie ist es gelaufen?

Es war großartig. Die Leute haben getanzt und sind richtig ausgeflippt. Damit hatte ich nicht gerechnet – es war ja eines meiner ersten Konzerte hier in Deutschland. Besonders gefreut hat mich, dass nicht nur Franzosen im Publikum waren, die mich und meine Musik bereits kennen, sondern auch sehr viele deutsche Fans den Weg zur Show gefunden haben.

Wir nennen uns Blog Bohème. Du stammst aus Frankreich, das ja gewissermaßen die offizielle Heimat der Bohemians ist. Was bedeutet bohème für dich?

Auf Tour zu sein und Musik zu machen, ist auf jeden Fall bohème. Man reist viel und verbringt viel Zeit unterwegs. In diesem Sinne bin ich also bestimmt auch irgendwie ein Bohemian. Diese Art zu leben und zu arbeiten genieße ich sehr.

Du bist bereits als Kind sehr viel herumgekommen. Welchen Einfluss hat das auf deine Musik?

Das Reisen brachte mich vermutlich erst zur Musik. In ihr fand ich einen Weg mich und meine Gedanken als Teenager auszudrücken. Dabei experimentierte ich bereits mit den unterschiedlichsten Musikrichtungen, die mir unterwegs begegneten. Dieses „musikalische Potpourri“ habe ich mir bis heute irgendwie behalten.

JAIN © Sony Music
JAIN © Sony Music

Im Video zu deiner aktuellen Single „Come“ trägst du ein schwarz-weißes Kleid. Dieses ist auch dein Bühnenoutfit. Was hat es damit auf sich?

Ich mag die Idee eines besonderen Bühnenoutfits. Für mich ist der Moment, in dem ich das Kleid anziehe, der Moment in dem ich voll und ganz zu JAIN werde. Also ein essenzieller Augenblick, in dem ich mich voll und ganz auf die bevorstehende Show konzentriere. Das Outfit hilft mir dabei. Darüber hinaus gefällt mir der Look – ganz klassisch in schwarz und weiß. Diese Farben bilden den absoluten Kontrast zueinander und sind ähnlich wie meine Musik, in der sich unterschiedliche Styles mischen und vermeintliche musikalische Gegensätze miteinander verbinden.

Das Video zu „Come“ wurde aktuell um die 17 Millionen angeklickt. Wie wichtig sind Social Media oder das Internet für dich und deine Arbeit?

Ich lernte meinen Produzenten und Manager damals über das Internet kennen. Damals lebte ich gerade im Kongo und wir kamen über MySpace in Kontakt, wo ich vor über acht Jahren meine ersten Songs einstellte und promotete. Ich würde sagen, durch das Internet begegnete ich vielen Leuten, die sich für meine Musik interessierten- sei es aus der Musikindustrie oder eben Menschen auf der ganzen Welt, denen gefällt, was ich tue. Diese Qualität des Internets sowie der Sozialen Medien gefallen mir. Dennoch finde ich einen differenzierten Umgang damit sehr wichtig. Sobald die Grenzen zwischen Künstler und Privatperson beispielsweise auf Facebook zu sehr verschwimmen, finde ich das problematisch.

Die französische Presse nennt dich schon jetzt eine „musikalische Sensation“. Vermisst du manchmal die Zeit davor, in der du dich fernab großer Bühnen einfach vor die Webcam gesetzt und losgelegt hast?

Manchmal. Aber ich denke, wenn ich das machen will, kann ich das auch weiterhin jederzeit tun. Aktuell genieße ich sehr, wie alles ist. Im großen Stil, mit großen Ideen und so. Wenn ich von musikalischen Sensationen bezogen auf mich und meine Arbeit lese, fühlt sich das trotzdem erstmal komisch an. Ich versuche darauf nicht allzu viel zu geben – ist man ehrlich, werden ja viele Künstler in der Presse mit diesem Prädikat versehen.

Mit “Makeba” hast du der bekannten afrikanischen Menschenrechtlerin und Sängerin Miriam Makeba einen Song gewidmet. Würdest du dich und deine Musik als politisch bezeichnen?

Miriam Makeba ist eine Inspiration für mich. Ihr Kampf gegen die Apartheit und den Rassismus. Als politische Aktivistin würde ich mich aber deshalb noch lange nicht bezeichnen. Auch wenn es in meiner Heimat selbstverständlich Entwicklungen gibt, die mich als Bürgerin beunruhigen. Auf der Bühne spiele ich beispielsweise aktuell meinen neuen Song „Paris“, der die Terroranschläge im November letzten Jahres behandelt und eine Form der Bewältigung dieser schrecklichen Ereignisse darstellen kann.

Wenn wir uns in zwei Jahren wiedersehen – was könnte sich für dich und deine Arbeit verändert haben?

Keine Ahnung. Aber selbstverständlich möchte ich dann auch immer noch Musik machen – und ein paar ausverkaufte Konzerte in Deutschland wären ebenfalls klasse.

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