Skip to content →

Feuilleton Musik 8. August 2017

11 Fragen an Faber

Faber, bürgerlich Julian Polina, kommt aus der Schweiz und hat einen italienischen Vater. Er ist kein einfacher Singer-Songwriter. Er ist ein Troubadur, ein fast schon traditioneller Liedermacher. Ein moderner Jaques Brel mit Edge, der sagt was ihm passt. Der 24 jährige Zürcher singt mit einer stimmlichen und textlichen Gewalt, dass einem ganz schwindelig wird. Das bemerkte auch schon Sophie Hunger, die seine musikalischen Anfänge als eine Art Mentorin begleitete. Doch schnell war klar: Faber kann das alleine. Mit seiner rauen, tiefen und sofort fesselnden Stimme berichtet er schwermütig, mal zu ruhiger Gitarre, mal zu aufbrausendem Schlagzeug und Posaune, sowohl von sinkenden Schlauchboten vor Lampedusa, als auch von Ficken, Blasen und dicken Titten.

Er passt sich nicht an, sondern konfrontiert sein Publikum. Schon bevor sein Debütalbum „Sei ein Faber im Wind“ rauskam, hat er sich quer durch Deutschland gespielt. Potenzial und Showmanship hat er jedenfalls, und so meinte Die ZEIT, er vergesse in seinen Liedern das Flirten nicht und Faber selbst sagt, er mache „Akustik-Punk für Mädchen“, und hat man die erstmal auf seiner Seite, kommt der Rest schon von alleine. Zeit für eine neue Folge „11 Fragen an Faber“.

Plattensammlung oder Spotify?

Spotify

Kapitalismus oder Kommunismus

Mmmm… Weder noch. Ich glaub man muss langsam die alten Größen vergessen und in neuen Systemen denken. Etwas, das weder Kapitalismus oder Kommunismus ist, und dann sowas wie ein absolutes Grundeinkommen einführen.

Politisches ist recht präsent in deinen Liedern: Hat deine Lust unbequemes zu thematisieren einen bestimmten Hintergrund?

Unbequem oder nicht, es ist immer so beim Schreiben, dass das einfließt, was einen gerade beschäftigt und das sind dann eben auch öfters politische Themen.

Braucht es rechte Politiker und zerbrochene Herzen für gute Songs?

Rechte Politiker braucht es überhaupt nicht. Und ich hätte lieber keine gebrochenes Herz und dafür keinen guten Song.

Ich hab gelesen, Du hast einen Punk Background? Wie lief der ab, Zürich macht nicht unmittelbar den Eindruck einer Punkhochburg?

Ich war jetzt kein waschechter Punk, dass wurde wahrscheinlich nur mal irgendwo geschrieben. In Zürich gibt es eine kleine linke Szene, Besetzter usw. Aber ich bin nicht immer einverstanden, mit deren Ideen und Lösungen. Man muss nichts kaputt machen, um auf Missstände hinzuweisen, dass nimmt dann nur den Druck von linken Politikern, denen zudem dann mehr und mehr die Hände gebunden sind, weil die Leute sich distanzieren von den Ideen. Eigentlich ist dieses ganze Links und Rechts nicht mehr nötig. Die Linke verbarrikadiert sich und die Rechte macht Populismus und geht dann mit diesen Mitteln auf Wählerfang.

Stichwort „musikalische Sozialisation“: Wie groß war der Einfluss von Sophie Hunger auf deinen Sound, Songwriting und Kariereschritte?

Am Anfang sehr groß, ich war auch immer ein großer Fan. Bis 2007 ihr Album rauskam und ich das hörte, kannte ich solche Musik gar nicht. Und dann später hat es mir natürlich Türen geöffnet. Ich hatte als ihr Support mein erstes Konzert als Faber, und natürlich auch meine erste Tour und alles.

©  Stefan Braunbarth

Woher kommt die Vorliebe zum Chanson Sound?

Ich mag das Gefühlvolle daran. Es ist nicht kitschig, aber gefühlsbetont und außerdem kritisch. Der meiste Pop zum Beispiel ist langweilig, und viele Genres oder Musik nimmt sich zu erst. Das machten die Chansoniers ziemlich gut: Sich nicht zu ernst nehmen, aber kritisch sein und über Liebe singen.

Deutschpop ist ja ein heißes Pflaster was Credibility angeht. Du wirst unter Singer-Songwriter vertrieben: Versucht man dich in eine Schublade zu stecken?

Ne überhaupt nicht. Und das war auch der Grund, warum ich zu Universal bin. Ich hab da Geld bekommen und durfte machen was ich will. Obwohl sie nicht wussten was kommt, hätte es ja auch ein Technoalbum sein können, wo ich ein bisschen Texte drüber singe. Aber sie kannten natürlich die EP. Universal macht auch viele Sachen anders, ich war da aber recht frei in meinem Handlungsspielraum. Und sowieso ist es ja eigentlich eine logische Gewaltenteilung: Ich bin der Musiker, mache die Musik und die sind die Verkäufer. Und das funktioniert gut und anders hätte ich es auch nicht gemacht, dann wäre das Album eben nicht rausgekommen. Also entweder mit kompletter Kontrolle bei mir oder nicht. Außerdem hab ich vier Mitmusiker, wenn da noch einer im Studio wäre, der eine Meinung hätte, dann wären wir noch lange nicht fertig.

Profitiert schweizer Musik von der Musikwelle, die seit ein paar Jahren aus Österreich nach Deutschland hinüberschwappt?

Ich habe das etwas verfolgt, aber die Schweiz kann da gar nicht mithalten. Der Grundvibe hier ist immer noch recht vorsichtig, um nicht zu sagen langweilig und festgefahren. Es gibt zwei bis drei gute Sachen, aber so ein Hype wie er in Österreich war, entsteht hier erstmal nicht. Sehe ich auch nicht kommen… aber mal abwarten.

Wo würdest du gerne noch hin mit deiner Karriere und Musik?

Weiß ich gar nicht wirklich, ich freue mich jetzt auf die Konzerte und dann sehen wir weiter. Vielleicht kommt schon Ende des Jahres eine neue EP mit fünf Songs, die alle den gleichen Refrain haben, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich mehr als drei schaffe. Außerdem würde ich gerne eine Art Remix Album machen. Mit Übersetzungen von meinen Songs, auf Französisch, Italienisch und mehr. Ich mach dann so das Grundgerüst, aber die Übersetzungen machen Profis, weil das nicht nur eins zu eins Übersetzungen sein können, sondern Neuinterpretationen. Da muss ich noch Leute finden, die gut sind und denen ich vertraue. Das wird sehr spannend.

Was machst du eigentlich wenn du grad nicht aufnimmst oder auf Tour bist? Hast Du noch freie Tage?

Ich arbeite in einem Kiosk. Da verkaufe ich Tabakwaren und Schmuddelhefte, Alkohol und Kaffee gibt es auch.

© Stefan Braunbarth

One Comment

  1. Schönes Interview mit interesannten Fragen und guten Antworten.

    Grüße, Sandro

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.