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Feuilleton Musik 26. Mai 2017

11 Fragen an DMA’s

Jedes Mal wenn Sänger Tommy seine Arme in die Luft reißt und dabei dem Publikum ein paar anfeuernde Worte zubrüllt, geht ein lauter Jubel durch die Menge. Immer wieder hat man an diesem Abend das Gefühl, auf einem Fußballspiel anstelle eines Konzertes zu sein. Vermutlich würde man es auch gar nicht bemerken, wenn man im Stadion auf ein Mal neben Matt Mason, Tommy O’Dell, und Johnny Took von den DMA’s stehen würde: Base-Cap, Polo Shirt, Trainingsjacke, Jeans. Der Dresscode der drei Australier passt zu ihrem schnörkelosen und rauen Sound, der durch Tommys Stimme unverwechselbar wird und dabei an die goldenen Zeiten des Brit Pop erinnert. Kein Wunder also, dass die Konzerte der DMA‘s in England bereits regelmäßig ausverkauft sind und ihre erste Platte „Hills End“ es gleich in die Top 40 der britischen Charts schaffte. Vor ihrem letzten Konzert in München trafen wir uns mit Gitarristen Matt auf 11 Fragen.

Trinken oder Tanzen?

Trinken.

Känguru oder Krokodil?

Beide sind ziemlich lecker. Aber wen ich mich entscheiden muss: Krokodil. Schau mal hier. Ich habe sogar eins auf meinem Arm tätowiert. Es hat gerade eine Frau gefressen, ihre Füße schauen noch aus dem Maul heraus. Die Vorlage für das Tattoo ist eine Skulptur von einem deutschen Künstler. Aber auf meinem Arm gibt es noch ein paar andere Tiere: Hier zum Beispiel die Tatze eines Koalabären, dort einen Ibis. Dieser Vogel taucht auch immer mal wieder in unserem Cover-Artwork auf.

Sympathy for the devil oder Stairway to heaven?

Sind das beides Songs von Led Zeppelin? Keine Ahnung. Den ersten kenne ich gar nicht. Stairway to heaven hörte ich oft in meiner Jugend. Mir gefiel daran die Geschichte, dass wenn man ihn rückwärts spielt, angeblich geheime, diabolische Botschaften zu hören sind. Ich denke, es ist egal für welchen Song ich mich entscheide. Wie es aussieht steckt hinter beidem der Teufel.

Schön, dass du Zeit für uns hast, Matt. Wie war dein Tag bisher?

Wir sind den ganzen Tag im Auto gesessen. Gestern spielten wir in Berlin und die Fahrt hierher war ganz schön lang. Dazwischen gab es jede Menge Junk Food und eine Polizeikontrolle. Unsere Pässe wurden kontrolliert und die obligatorische Frage, ob wir denn Drogen dabei hätten, wurde auch gestellt. Aber kein Stress – im Gegensatz zu der langweiligen Autofahrt war das eine ganz nette Abwechslung.

Dabei seid ihr als Australier auf Europa-Tour ja bestimmt weite Reisen gewohnt. Wie gefällt es dir hier in Deutschland?

Wir waren bestimmt schon zwei oder drei Mal für ein paar Konzerte in Deutschland. Mir persönlich gefällt es gut dort. Besonders hier in München. So mit 20 trampten unser Drummer und ich sogar für eine Weile durch Deutschland. Zweieinhalb Monate davon verbrachten wir in München. Es war ziemlich heiß und wir waren oft sturzbesoffen. Und obwohl wir damals völlig abgebrannt waren, war das eine echt coole Zeit. Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich Deutsch sogar für ein paar Jahre in der Schule und war gar nicht so schlecht darin. Heute ist davon allerdings nicht mehr viel übrig.

Eure aktuelle Platte „Hills End“ läuft momentan bei mir rauf und runter. Welche Musik hörst du gerade am liebsten?

Kennst du Thurston Moore von Sonic Youth? Vor ein paar Tagen brachte er seine neue Platte „Rock’n’Roll Consciousness“ heraus. Mir gefällt sie richtig gut und ich höre die Scheibe oft. Ich steh auf gitarrenbasierte Musik mit Drums. Eine andere gute Band sind BAD//DREEMS aus Adelaide. Die Jungs veröffentlichten kürzlich ihr neues Album Gutful. Das finde ich auch ganz cool. Eine große Inspiration für mich und meine Musik sind Gitarristen und Folk-Singer-Songwriter wie beispielsweise Kurt Ville (zeigt auf seinem Arm, worauf dessen Name tätowiert ist). Aber auch englischer Sludge Metal inspiriert mich.

Hills End ist euer erstes Studio-Album. Wie war die Arbeit daran?

Die war ganz gechillt. Wir hingen viel rum und ließen uns Zeit. Viel von dem Album entstand bei uns daheim und wir nahmen einiges selbst auf. Insgesamt brauchten wir etwa einen Monat für die gesamte Produktion. Vermutlich werden wir es beim nächsten Album genauso machen. Wir haben nie anders gearbeitet und von mir aus kann das auch so bleiben.

Dabei hattet ihr ja mit dem bekannten Produzenten Martin Glover aka „Youth“ (produzierte u.a. für Paul McCartney oder Tom Jones) ja ganz schön prominente Unterstützung. Wie war die Arbeit mit ihm?

Youth ist ein klasse Typ. Die Arbeit mit ihm kann ich aber gar nicht so gut beschreiben. Wir machten nur einen Song mit ihm. Dabei saß er die meiste Zeit rum und sagte Sachen wie „Das klingt gut, Mann. Richtig gut“. Letztendlich klang der Song dann auch super und ich denke, das ist alles was am Ende zählt. Auch das Equipment war erste Klasse. Für mich persönlich ist es wichtig, dass die Chemie im Aufnahmeprozess stimmt und man gemeinsam gute Ideen entwickelt. Welchen Namen der Produzent dann hat, ist mir ziemlich egal.

Besonders in UK seid ihr recht populär und habt dort bereits in einigen ausverkauften Hallen gespielt. Kannst du dir erklären, warum gerade die englischen Fans so auf euren Sound abfahren?

Ich denke, das liegt vor allem an unserem Sänger Tommy. Sein Vater ist aus Liverpool, sein Look ist ziemlich englisch und er klingt auch so. Ich denke, das gefällt den Leuten in UK. Auch vergleichen unsere Musik dort viele Leute mit Brit-Pop-Bands wie zum Beispiel Oasis, die in der Tat eine große Inspiration für Tommy und Johnny sind. Kürzlich kam sogar Liam Gallagher auf eines unserer Konzerte. Auch hängt die Geschichte unserer Heimat ja stark mit dem British Empire zusammen. Unsere Münzen tragen bis heute das Porträt der Queen und auch der Union Jack findet sich in unserer Flagge wieder. Ich glaube, wir gehören alle zur selben Familie und die Leute fühlen das. Unsere größten Shows spielen wir aber definitiv immer noch daheim in Australien.

Einer meiner Lieblingssongs auf Hills End ist „Delete“. Ich habe gelesen, dass es darum um eine Ex-Freundin und einen gelöschten Facebook-Accounts geht. Welche Rolle spielen Social Media für euch und eure Musik?

Das mit dem gelöschten Account und der Ex-Freundin stimmt. Ich persönlich mag Social Media und nutze sie auch jeden Tag. Facebook, Instagram und so. Generell promoten wir über diese Kanäle aber unsere Musik. Ich denke, wenn man da nicht mitmacht, kommt man heute in der Wahrnehmung der Leute nicht vor. Ich bin eh der Meinung, dass unsere Musik nicht in die heutige Zeit passt. Mit Social Media lassen sich dann gezielt diejenigen Leute erreichen, die trotzdem auf unsere Art von Sound stehen. Das ist praktisch.

Und zum Schluss: Wann kommt endlich eure neue Platte?

Sobald wir wieder in Australien sind, fangen wir mit den Aufnahmen der neuen Songs an. Davon gibt es heute Abend auch schon etwas zu hören. Im Oktober kommt dann vermutlich eine neue Single und wenn alles hinhaut gibt es dann im Februar oder März 2018 unser zweites Album.

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