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Feuilleton Musik 5. Juli 2017

11 Fragen an Andreas Dorau

Andreas Dorau ist wieder da. Stärker denn je und schön wie eh. Außerdem da, sein neues und zehntes Album: „DIE LIEBE UND DER ÄRGER DER ANDEREN“. 
Dieses hat es sprichwörtlich in sich: 20 Stücke hat er zusammen mit Produzenten, wie Moses Schneider, T.Raumschmiere, Mense Reents, Stereo Total, Andreas Spechtel und noch einer Handvoll weiterer Experten intelligenter deutscher Pop- und Rockmusik aufgenommen. Ein monumentales Doppelalbum mit dem nun das gelingen soll, was er schon 1981 mit Fred vom Jupiter schaffte, nämlich den Sprung in die Charts.

Gereon Klug schreibt über „DIE LIEBE UND DER ÄRGER DER ANDEREN“, dass „er kaum eine danceable Platte kenne, die (…) so viel Inhalt bietet wie diese.“ Inhalt ist etwas, was Doraus’ Werken schon immer zu eigen war, seien es Songtexte, Bücher, Hörspiele, Filme – er lässt so gut wie nichts aus. Was auch nicht ausgelassen wird, vor allem auf der neuen Platte, sind thematische und musikalische Sprünge. Stücke über Liebe, Menschen, Politik und die Probleme des modernen Großstädters, die sich vom klassischen Andreas-Dorau-NDW über cleveren Dance bis hin zu feeligem Pop in allen Schubladen bedienen. Will man ihn nochmal sehen, bevor er endgültig zum Popstar mutiert und nur noch in Läden spielt, die was mit O und 2 heißen, hat man in Berlin (07.07.) und in Hamburg (13.07.) an zwei sogenannten Pre-Chart-Partys die Gelegenheit. Wir haben Andreas 11 Fragen gestellt.

Curry- oder Weißwurst?

Weißwurst!

Hamburger oder Frankfurter Schule?

Keines von beiden. Schule hab ich nie gemocht. Frankfurter Schule war nicht wirklich mein Jahrgang und während der Hochzeit der Hamburger Schule war ich in München, außerdem ist die eh total überschätzter Scheiß und wird heute so marketingmäßig auf alles draufgelegt.

Fraktus oder Kraftwerk?

Kraftwerk natürlich.

Ed Sheeran oder Helene Fischer?

Beide kacke, bzw. unterschiedliche Probleme mit Beiden. Über Helene muss man nicht mehr viel sagen, und bei Ed suche ich immer noch den einen Song, unter wirklich vielen, den ich gut finden kann. Weil eigentlich hat man ja immer zumindest ein Lied mit dem man sich arrangieren kann…

Ed als auch Helene sind in den deutschen Charts omnipräsent, verfolgst du überhaupt das aktuelle Geschehen in dieser, wie du sie nennst, Liste der Erwachsenen?

Ja, geht so. Charts sind nicht mehr das, was sie mal waren. Sie sind kein Gradmesser mehr für erfolgreiche Künstler im eigentlich Sinne. Dann kommen da Rapper, machen unsagbar viel Werbung und alles mögliche, verkaufen dann schnell 5000 Platten und gehen auf Nummer 3. Charts sind diese Welt des Bürgerlichen, das reizt mich. Jetzt will ich mit einer bewusst naiven Einstellung gerne auch da rein, um das mal auszuprobieren. Auf der anderen Seite is das Gras immer grüner, ne?

Kreator hat dieses Jahr Platz 1 erreicht, nach 35 Jahren als Band und auch die Kelly Family nach 20 Jahren Pause – Was ist die Strategie des Andreas Dorau um die Dominanz des Teenager-Pop, Alt-Männer-Rock und Schlager zu brechen?

Ich will ja gar nicht in die Top 10, Nummer 93 wäre top. Ich will auch den Anderen da gar nicht ins Gehege spucken. Aber wir machen auf jeden Fall ein Doppelalbum, weil das zählt doppelt in den Charts, dazu noch eine Deluxe Box, mit Bonus Songs, und extra Songs auf Kassette. Genügend Anreize, um zu kaufen für die Fans, und das Album kommt dann rein in die Charts.

Neulich war wieder der ECHO, wie immer gab es haufenweise Prügel von der Musikpresse, dem Feuilleton, und von Jan Böhmerman. Wie siehst du als deutscher Songwriter/Musiker die ganze Debatte und würdest du dem Ruf einer Nominierung folgen?

Das wird nicht stattfinden, aber einfach mal hypothetisch. In meiner Zeit bei Universal, war ich dort, und das ist eine Veranstaltung, die geht drei Stunden und ist kaum zu ertragen, totaler Quatsch. Das Schlimmste ist dann, wenn sich irgendwelche Kommerzrocker über Schlager lustig machen und denken sie wären was besseres. Kritik am Format total gerechtfertigt. Ich fände eine Sendung für Popmusik gut, weil ich höre auch Charts. Eine Sendung wo dann auch die Videos gezeigt werden, und man die Songs kennenlernt und erfährt was gerade in den Charts ist. So mit ganz formellem Charakter, das fehlt. Den ECHO können wir gerne abschaffen.

Zur neuen Platte „DIE LIEBE UND DER ÄRGER DER ANDEREN“: Ich hab neulich eine Studie gelesen, die sagt in den 60ern ging es in 7% aller Songs um Sex, nach der Jahrtausendwende bereits 40%. Du hältst an der romantischen Liebe als Thema fest?

Es geht um Biografien von anderen Leuten. Ich setze mich nicht hin und sage, so jetzt schreibe ich ein Lied, sondern gehe rum und sammle Inspiration. Und als ein paar Songs fertig waren, leuchtete die Liebe bei einigen dieser Geschichten plötzlich auf, die ich wahrscheinlich in einer Art Übersprungshandlung aufgeschrieben habe und fand, dass dieses Reizwort Liebe ziemlich gut kommt. Und darum geht es, um das Reizwort, nicht um Beziehungen. Klassische Liebeslieder interessieren mich überhaupt nicht. Dazu ist schon alles gesagt, da muss ich nicht auch noch meinen Teil hinzugeben.

„DIE LIEBE UND DER ÄRGER DER ANDEREN“

Du hast dieses Mal mit einer ganzen Reihe von, ich sag mal „Underground Stars“ der deutschen Musikszene zusammengearbeitet. War die Idee, verschiedene Stimmungen und auch Genres zu vereinen?

Auf der letzten Platte Aus der Bibliothèque hatten wir ja diesen Bandsound, und dieses Mal wollte ich den nicht mehr. Und da ich eine Platte über verschiedene Leute machen wollte, mit verschiedenen Geschichten, dachten wir es wäre eine gute Idee auf den einzelnen Songs auch mit unterschiedlichen Produzenten zusammenzuarbeiten und dieses Unterschiede dann in die Musik einfließen zu lassen.

Stichwort Magnum Opus. Die Platte hat 20 Stücke, es gibt eine Deluxe Ausgabe mit noch mehr Liedern. Was sind deine Lieblings-Magnus-Opi?

Also wie gesagt, Maurice Summen (staatsakt) und ich haben uns das mit dem Doppelalbum wegen der Charts überlegt. Ich finde Doppelalben prätentiös, schwanzig. Mag ich nicht. Ich höre mir auf Alben alle Stücke an und finde dann meistens  drei Songs gut und das ist dann auch genug. Die anderen tauchen in meinem Leben nicht mehr auf, außer ich höre sie im Club oder so.

Den unwahrscheinlichen Fall angenommen, dass das Album nicht in den Charts landet, was sind dann die weiteren Pläne?

Außer den Pre-Chart-Partys, bin ich am 25. August in Köln beim Popkultur Festival und da ist das Thema Experimente und da wurde ich eingeladen einen Abend zu gestalten. Das wird ein Abend, der heißt: „Der Refrain – ein Abend ohne Strophen“. Weil früher kam ich mit meinen Ideen zum Label und sagte guck mal hier, super Lied usw. Dann sagten die meistens ja, aber mach mal noch ein paar Strophen drumherum, wurde dann auch immer ganz gut und alles. Aber ich finde diese „Stücke brauchen Strophen“, das stimmt nicht, ich bin Refrain-Fan. Deswegen war die Idee mal zu gucken, ob man nicht nur den Brühwürfel aufführen kann, und das passiert an dem Abend. Da werde ich nur Refrains aufführen, die ich dafür extra komponiert habe. Das sind dann Lieder um die eineinhalb Minuten. Muss man mal gucken wie das läuft, Experiment halt.

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